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Schon lange entdecken nicht nur Archäologen den Reiz des Hohle Fels – zahlreiche Besucher genießen die Stimmung in der Höhle – es gibt hier inzwischen sogar kleine Konzerte.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2017Thema: Werte

Unermesslich wertvoll

HeidelbergCement unterstützt Archäologen des „Hohle Fels“

Die Funde aus den Höhlen im Achtal sind kulturhistorisch einzigartig. Das bestätigt nun auch die Ernennung dieser Stätte zum Weltkulturerbe durch die Unesco. HeidelbergCement unterstützt die archäologischen Grabungen im „Hohle Fels“ bereits seit 1997.

Kulturhistorisch sind die Höhlen in der Nähe von Schelklingen und Blaubeuren mit den Pyramiden in Ägypten, der großen Mauer in China oder dem Kolosseum in Italien zu vergleichen. Nur sind ihre spektakulärsten Funde deutlich älter als diese allseits bekannten Bauwerke – sie entstanden vor etwa 35.000 bis 42.000 Jahren. Mit ihrer Entdeckung ist zum ersten Mal belegt, dass der moderne Mensch sich bereits zu so früher Zeit der Kunst widmete. Eine archäologische Sensation und ein Traum für alle urgeschichtlich forschenden Archäologen sind die jüngsten Funde im Eingangsbereich der Hohle Fels genannten Karsthöhle – mit 500 Quadratmetern Grundfläche eine der größten natürlichen Kathedralen Deutschlands. Sie kommen aus aller Welt, um einmal im Hohle Fels graben zu dürfen. Fast nirgends ist die Chance auf ein Fundstück größer als hier.

Dabei war die Geschichte um die archäologische Erschließung durchaus wechselhaft: Erste Grabungen gab es bereits im Jahr 1870, dann eine Weile der Ruhe, weil die Höhle als ausgegraben galt. Es folgten Entdeckungen der Heimatforscherin Gertrud Matschak Ende der 1950er Jahre. Nach Raubgrabungen im offen gelassenen Grabungsloch übernahm 1977 der Prähistoriker Joachim Hahn vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen die Grabungen. Sein Hauptaugenmerk lag damals jedoch eher auf der rund drei Kilometer nordöstlich vom Hohle Fels liegenden Höhle Geißenklösterle. Als Hahn nach schwerer Krankheit früh starb, standen die Ausgrabungen 1997 vor dem Aus, die Finanzierung brach weg. Reiner Blumentritt, Vorsitzender der Museumsgesellschaft Schelklingen Verein für Heimatgeschichte e.V., berichtet: „Damals gab es die Überlegung, die Grabungsstätte einfach aufzufüllen. Da wir jedoch nicht wussten, wie das technisch am besten umzusetzen ist, fragten wir beim Zementwerk HeidelbergCement in Schelklingen nach.

Höhlen als Weltkulturerbe

Der Hohle Fels wurde am 9. Juli 2017 unter dem Titel „Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura“ in die Weltkulturerbeliste der Unesco aufgenommen – zusammen mit den Höhlen Sirgenstein und Geißenklösterle im Achtal sowie der Bockstein-, Hohlenstein- und Vogelherdhöhle im Lonetal. Laut Unesco spiegeln die Artefakte der sechs recht nahe beieinanderliegenden Höhlen der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb das handwerkliche Können der ersten modernen Menschen wieder und zeigen, welche Rolle Kunst und Kultur bereits vor 40.000 Jahren gespielt haben. Beispielhaft zu nennen sind die Venus und die Geierflöte aus dem Hohle Fels, Adorant und Schwanenflöte aus dem Geißenklösterle, der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel sowie Mammut, Löwe und Pferd aus der Vogelherdhöhle. Weitere Unesco-Welterbestätten in Baden-Württemberg sind die Klosteranlage Maulbronn (aufgenommen 1993), die Klosterinsel Reichenau im Bodensee (aufgenommen 2000), der Obergermanisch-Raetische Limes (aufgenommen 2005), die Prähistorischen Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben (aufgenommen 2011) und die beiden Le Corbusier-Häuser der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (aufgenommen 2016).

„Damals gab es die Überlegung, die Grabungsstätte einfach aufzufüllen.“

Reiner Blumentritt, Vereinsvorsitzender

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Reiner Blumentritt war schon als Jugendlicher fasziniert von den Fundstücken, die in seiner Heimat auftauchten. Heute ist er Vorsitzender der Museumsgesellschaft Schelklingen Verein für Heimatgeschichte e.V.

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Der damalige Leiter Hans Georg Kraut hörte sich unser Anliegen an. Auf die Schnelle fiel ihm keine geeignete Lösung ein, und er sagte: ‚Kommen Sie später noch einmal, dann sprechen wir darüber.‘ Und später hat er uns anstelle des Zuschüttens eine Finanzierung der Ausgrabungen angeboten.“ Ein riesiges Glück, denn die „Venus vom Hohle Fels“ als ältestes figürliches Kunstwerk der Welt und die Flöte aus Gänsegeierknochen als ältestes Musikinstrument weltweit wären sonst in den Folgejahren nicht entdeckt worden.

„Die Ausgrabungen ermöglichen uns einen einmaligen Blick auf die Geschichte unseres Daseins auf dieser Welt, in dieser Region – und sind damit von unschätzbarem Wert.“

Stephan Wehning, Werksleitung Zementwerk Schelklingen

Alle Facetten des damaligen Lebens

context sprach mit dem Professor Nicholas Conard, der seit 1997 die Ausgrabungen am „Hohle Fels“ und in weiteren Höhlen leitet.

  • Was hat Sie damals nach Tübingen geführt?

    NC: Ich bin mit einem Humboldt-Forschungsstipendium nach Deutschland gekommen. Einige Zeit später war die Stelle meines Vorgängers Professor Müller-Beck ausgeschrieben. Ich habe mich darauf beworben und wurde als Nachfolger an die Universität berufen. Für mich ist es der schönste Beruf, den es gibt – abwechslungsreich und jeden Tag aufs Neue spannend. Besonders gut gefällt mir, dass ich in meiner Forschung sowohl kulturwissenschaftliche als auch naturwissenschaftliche Fragestellungen und Daten miteinander verbinden kann.

  • Hatte Ihr Wunsch, nach Tübingen zu kommen, etwas mit den Ausgrabungen bei Schelklingen zu tun?

    NC: Es hatte nicht im Besonderen mit den Ausgrabungen in Schelklingen zu tun, sondern eher ganz allgemein mit der Erforschung der eiszeitlichen Höhlen der Region. Diese waren damals natürlich auch schon überregional bekannt, vor allem Geißenklösterle und Sirgenstein. Der Fundplatz Hohle Fels war jedoch zu dieser Zeit nicht im Fokus der Forschungen, was damit zu tun hatte, dass man das archäologische Potenzial noch schlecht abschätzen konnte.

  • Die Höhlen haben ja eine große kulturhistorische Bedeutung. In Berichten werden meist die Funde aus der Zeit des Aurignacien (vor 40.000 bis circa 28.000 Jahren) genannt. Begründet sich in diesen auch der Stellenwert der Höhlen?

    NC: Die Schichten des Aurignaciens sind deshalb so spektakulär, weil sie die ältesten Belege für Musik und figürliche Kunst enthalten. Diese Tatsache spielte ja auch erst kürzlich die entscheidende Rolle bei der Aufnahme verschiedener Höhlen des Lone- und Achtals in die Unesco-Welterbeliste. Zudem gehören die Aurignacien-Funde zu den ältesten Belegen dieser Phase in ganz Europa. Allerdings sind die unter und über dem Aurignacien liegenden Schichten nicht weniger bedeutend. Es gibt weltweit sehr wenige Fundstellen, die so lückenlos die Kulturgeschichte des Menschen über einen Zeitraum von mehreren Zehntausend Jahren dokumentieren. So ist beispielsweise der Übergang vom Neandertaler zum anatomisch modernen Menschen eine für die Wissenschaft sehr wichtige Frage – die Fundstellen der Schwäbischen Alb mit ihrer langen Besiedlungsgeschichte können hochauflösende Daten zur Beantwortung dieser Frage liefern. Aber nicht nur die kontinuierliche Abfolge in der Besiedlung ist herausragend – die Schichten sind unglaublich reich an archäologischem Material und die Erhaltung der organischen Funde ist großartig. Für mich sind die Funde des Gravettiens (vor circa 34.000 – 30.000 Jahren vor heute) und des Magdaléniens (vor 16.000-14.000 Jahren vor heute) genauso wichtig. Auch wenn die Kunst sehr spektakulär ist, so geht es uns darum, alle Facetten des Lebens der eiszeitlichen Menschen zu beleuchten. Die Höhlen der Schwäbischen Alb liefern hierzu die beste Datengrundlage, die man sich wünschen kann.

  • Wer finanziert inzwischen was?

    NC: Ohne die finanzielle Unterstützung durch ­HeidelbergCement (HC) wären die Ausgrabungen im Hohle Fels nicht möglich. HC kommt für einen Großteil der Grabungskosten auf. Darunter fallen die Kosten für Verpflegung und Übernachtung der Teilnehmer, Treibstoff für den Betrieb der elektronischen Geräte sowie ein kleines Taschengeld für die Grabungshelfer. Neben diesen Leistungen ist uns beispielsweise die Schlämmanlage in Gerhausen eine große Hilfe. Die Personalkosten der festen Mitarbeiter bezahlt die Universität Tübingen.

  • Wo graben Sie und Ihr Team noch?

    NC: Gemeinsam mit meiner Mannschaft führe ich Ausgrabungen weltweit durch. Neben dem Hohle Fels arbeiten wir auch im Lonetal sowie in Veringenstadt. Außerdem an der Fundstelle Schöningen in Niedersachsen, die vor allem durch die fantastische organische Erhaltung bekannt ist. Darüber hinaus forsche ich beispielsweise auch an verschiedenen Fundstellen in Südafrika, Syrien, Tansania sowie dem Iran.


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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ein Fundort der Superlative
„Die kontinuierliche finanzielle Unterstützung von HeidelbergCement hat einen hohen Stellenwert“, bestätigt Hobbyarchäologe Reiner Blumentritt. „Sie hat mitgeholfen, dass die Grabungen weitergehen.“ Stephan Wehning ist nun der Nachfolger von Hans Georg Kraut, der vergangenes Jahr in den Ruhestand ging. Er freut sich, dessen Förderprojekt fortführen zu können. „Die damalige Entscheidung zeugt von viel Weitblick, auch in Hinblick auf unsere Verantwortung für das Umfeld unseres Werkes“, sagt der Werksleiter, und ergänzt: „Die Ausgrabungen ermöglichen uns einen einmaligen Blick auf die Geschichte unseres Daseins auf dieser Welt, in dieser Region – und sind damit von unschätzbarem Wert. Dies ermöglicht zu haben, macht uns stolz.“ Zudem passe die Förderung perfekt zu HeidelbergCement, sagt Stephan Wehning: „Wie schon Hans Georg Kraut betonte, es hat was mit Steinen und Erdreich zu tun, das ist auch unser Beruf. Darüber hinaus deckt es einen Bereich ab, der sonst nicht so gefördert wird.“ (context berichtete bereits in der Ausgabe 2/2009 über den sensationellen Fund der Vernus von der Alb.) Anke Biester

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