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Die Terrasse wird von einer geschwungenen Glasbrüstung begrenzt, die mit ihrem Verlauf den Höhenlinien des Berges folgt.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2017Thema: Werte

Tribüne der Alpen

Naturgenuss auf dem Nebelhorn

Das neue Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn bietet neben gastronomischem Genuss einen fulminanten Blick auf die alpine Bergwelt. Per Helikopter musste das für das Bauwerk benötigte Baumaterial auf über 2.200 Meter Höhe geflogen werden.

Rund zwanzig Millionen Menschen hat die Nebelhornbahn schon auf den Berg befördert. Bei ihrer Einweihung 1930 war sie die längste Personenschwebebahn der Welt. Bis heute kommt man mit keiner Bergbahn im Allgäu höher hinaus als auf die 2.214 Meter hoch gelegene Gipfelstation am Nebelhorn. Dort oben belohnt ein legendärer 400-Gipfel-Blick die zwanzigminütige Gondelfahrt. In dieser Höhe gelang dem Vorarlberger Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT ein Restaurant, das, so formuliert es ein Text der Architekten, die konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten des Holzbaus ausreize, „jenseits von Alpenkitsch und geometrischen Zwängereien“. „Urbane Eleganz auf dem Gipfel“ oder „Kleine Elphi“ auf dem Nebelhorn, so schwärmen die Medien. In der Tat bringen heute Seilbahnen Naturbegeisterte in Höhen, die ehemals nur Alpinisten vorbehalten waren. Inzwischen schätzen Hunderttausende den Aufenthalt in den Bergen zur Erholung, zum Rückzug oder als Freizeiterlebnis mit wohlkalkuliertem Risiko.

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Der Innenausbau mit Holz verweist auf alpine Traditionen. Einheit von Funktion und Gestaltung: Das Holzrelief an der Decke dient gleichzeitig der Akustik.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Sportliche Herausforderung: Mit der Gondel auf den Gipfel und auf schwarzen Pisten hinunter ins Tal

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Anders als früher liegt inzwischen das Wandern auch bei jungen Leuten im Trend. Wer auf den Geschmack gekommen sei, so ein Sportmagazin, für den könnte das Wandern auch die „Einstiegsdroge“ zum Klettern sein. Für routinierte Bergsteiger bietet der Gipfelbereich des Nebelhorns jedenfalls einen Einstieg zum Hindelanger Klettersteig.

Ganzjährig geöffnet gilt folglich die Nebelhornbahn in Oberstdorf auch als eine der wichtigsten Infrastruktur-Einrichtungen für den Tourismus im Allgäu. Dem Anziehungspunkt Nebelhorn stellten die Vorarlberger Architekten nun ein modernes Gipfelrestaurant zur Seite. Es hat die in die Jahre gekommene Gaststätte elegant ersetzt und macht dem puren Naturerlebnis keine Konkurrenz. Schließlich hatte der Vorgängerbau einen entscheidenden Nachteil. Das Chalet aus den 1950er Jahren verstellte den Blick auf das Nebelhorn vom Tal aus; auch bei der Ankunft mit der Seilbahn nahm es die Sicht. Die Leitidee des Architekturbüros war folglich, wie Hermann Kaufmann, Gründer des gleichnamigen Vorarlberger Architekturbüros, in einem Interview erläuterte, „den Gipfel wieder zu befreien, ihn in den Mittelpunkt zu rücken und erlebbar zu machen“.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Um das Naturerlebnis aufzuwerten, rückten die Architekten ihren Neubau von der Seilbahnstation ab und reduzierten das Bauvolumen auf der Erdgeschossebene auf ein Minimum. Ein kleiner Pavillon mit Aussichtsterrasse dient dort als Eingangsbauwerk und integriert eine Bar mit Bistro. Ins Restaurant, das im Untergeschoss liegt, kommt man über eine breite Treppe oder hindernisfrei mit einem Lift. Den rundum verglasten Gastraum umsäumten die Architekten mit einer großzügigen Terrasse.

Es ging darum, „den Gipfel wieder zu befreien, ihn in den Mittelpunkt zu rücken und erlebbar zu machen“.

Architekt Hermann Kaufmann

Mit ihrer architektonischen Gestaltung, die moderne Reduktion und alpine Tradition intelligent verbindet, gelang Hermann Kaufmann Architekten ein integrativer Ansatz. Durch die umlaufenden verglasten Brüstungsbänder fassten sie das neue Gipfelrestaurant und die Terrassenbauwerke architektonisch zu einer gestalterischen Einheit zusammen. Durch die organische Form konnten die Planer erhaltenswerte Teile des Bestandes umschließen und das Bauwerk gleichzeitig in die Topografie einfügen. Das massive Sockelgeschoss mit den Technikräumen unter dem Restaurant wurde mit Natursteinen aus der Umgebung vorgemauert.

Für die Transport- und Flugzeit wurde der Beton auf bis zu sechs Stunden verzögert.

Konstruktiv integrierten die Architekten den massiven Betonbau einer ehemaligen Sesselbahnstation und konnten so einen Großteil ihres Bauwerks auf bereits versiegelten Flächen unterbringen. Nicht zuletzt um möglichst viel Gewicht und Hubschrauberflüge einzusparen, haben sie dieses als Holz-Skelettbau geplant. „Bauen in dieser Höhe ist immer eine Herausforderung“, weiß auch Bauleiter Manuel Thurner von der HTB Bau aus Arzl im Pitztal. Sein Unternehmen ist auf das Bauen im Hochgebirge, auf Wind, Wetter und die besondere Logistik spezialisiert. Beim Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn hat der Ingenieur mit seinem Team den Abbruch sowie den gesamten Rohbau inklusive Holzbau bei laufendem touristischem Betrieb der Bahn ausgeführt. Die ganze Bauzeit über fuhren seine Mitarbeiter 20 Minuten mit der Seilbahn zur Arbeit. Nur eine Palette voll Baumaterial passt in eine Kabine. Daher musste das Material zu großen Teilen per Hubschrauber von der Mittelstation aus eingeflogen werden. Insbesondere der Transportbeton für die massiven Bauteile kam genau eingestellt auf die besonderen Anforderungen und just in time von Geiger Beton aus Sonthofen. Für Bodenplatten, hangseitige Stützwände, zwei Aufzugschächte und die Fundamente des Nordwandsteigs hatte der Betonproduzent durch eine spezielle Rezeptur den Beton auf bis zu sechs Stunden verzögert, um die Transport- beziehungsweise Flugzeit zu überbrücken.
Seit der Eröffnung des Restaurants genießen die Besucher des Nebelhorn-Gipfels nun gastronomische Köstlichkeiten bei vollem Alpenpanorama und dem Blick auf 400 Bergspitzen. Einen besonderen Hochgenuss oder Nervenkitzel können sie zusätzlich von der unteren Terrassenebene aus auf dem Nordwandsteig erleben. Von einem umfangreich gesicherten und einfach begehbaren Steig aus, einer Stahlkonstruktion mit Gitterrosten, kann der komplette Gipfelbereich umrundet werden. Der barrierefreie Steig bietet einen Blick über das gesamte Allgäu und eröffnet mit einem Blick in 600 Meter Tiefe entlang der Nebelhorn-Nordwand völlig neue Perspektiven.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Nebelhorn Restaurant Gipfelstation

Bauherr:
Nebelhornbahn AG, Oberstdorf

Architekten:
Architekten Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach/A

Bauunternehmung:
HTB Baugesellschaft mbH, Arzl im Pitztal/A

Bauprodukte:Leimbinder: Brüder Theurl GmbH, Tirol/A, CLT: Binderholz GmbH, Fügen/A

Zement:200 t CEM II/A-LL 32,5 R und CEM II/A-LL 42,5 R aus dem Zementwerk Schelklingen der HeidelbergCement AG

Betonproduzent:Geiger Beton GmbH & Co. KG, Werk Sonthofen

Helikopter:HELIX-Fluggesellschaft, Neuenstein

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