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Das MiQua entsteht vor dem Historischen Rathaus mit seiner vorgelagerten Renaissance-Laube, flankiert vom modernen Wallraf-Richartz-Museum und dem Spanischen Bau inmitten der Kölner Innenstadt.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2017Thema: Werte

Geschichte von Gemeinsamkeiten

Archäologische Zone und Jüdisches Museum

Vor dem Historischen Rathaus der Stadt Köln entsteht über der Archäologischen Zone das Jüdische Museum MiQua. Seine bedeutendsten Objekte werden unter dem Bau zu besichtigen sein. Hunderte von Betonbohrpfählen wurden so gesetzt, dass sie keine archäologisch wertvollen Exponate durchstoßen.

Wo heute das MiQua entsteht, das Jüdische Museum im Quartier, hatten bereits in der Nachkriegszeit archäologische Grabungen stattgefunden. Seither gilt der Kölner Rathausplatz als einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten Deutschlands. Im Zuge des Wiederaufbaus der zerstörten Innenstadt war man auf römische und jüdische Mauerreste gestoßen. Dass man diese der Öffentlichkeit nicht via Guckkästen nach unten oder mittels Glasscheiben im Boden präsentieren konnte, war einsichtig, und eine Archäologische Zone war früh angedacht. Als sich die Stadt Köln entschieden hatte, diese im Zusammenhang mit einem Haus der Jüdischen Kultur zu realisieren, waren auch die Weichen für einen Museumsbau an diesem Standort gestellt. Steinerne Vergangenheit lässt sich nur ansatzweise in Vitrinen ausstellen oder abstrakt vermitteln. So ist folglich zu verstehen, dass derzeit am Historischen Rathaus mit seiner vorgelagerten Renaissance-Laube einer der ungewöhnlichsten zeitgenössischen Museumsbauten entsteht. Die Konzeption von MiQua ist auf die direkte Präsentation und didaktische Vermittlung seiner Exponate am unmittelbaren Fundort ausgerichtet. Wie ein schützendes Zelt über einer archäologischen Ausgrabungsstätte wird eine weitgespannte Konstruktion den freigelegten Bodendenkmälern und der vielschichtigen Vergangenheit Raum geben. Die Fassade des Museumsbaus ist mit Ausnahme einiger gezielter Ein- und Ausblicke weitgehend geschlossen. Seine Dachlandschaft fügt sich in ihrer gefalteten Kleinteiligkeit in den städtischen Kontext ein und bildet die ursprüngliche Struktur des Quartiers vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder ab.

Schon mit ihrem Wettbewerbsentwurf hatten Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken verdeutlicht, dass sie nicht nur einen markanten architektonischen und städtebaulichen Akzent setzen, sondern mit weiten Bodenöffnungen im Inneren Einblicke bieten und Verständnis für eine vergangene Welt wecken wollen. Insbesondere die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad, dessen Schacht bis zum Grundwasserspiegel in 17 Meter Tiefe reicht, und die hochliegenden Überreste der Synagoge werden unmittelbar in den Museumsbau einbezogen und von dort erschlossen: „Man steigt in die Geschichte hinab“, beschreibt Architekt Wolfgang Lorch das zweiteilige Projekt, an dessen Standort vier bis fünf historische Zeitschichten übereinander liegen.

Archäologische Denkmalpflege

Zur Sicherung des kulturellen Bestandes römischer und jüdischer Geschichte hatte man bereits 2007 in Köln die Ausgrabungen vor dem Rathausplatz wieder aufgenommen. Acht Jahre später waren die wesentlichen Bereiche soweit freigelegt und dokumentiert sowie die beweglichen Fundstücke soweit gesichert, dass die archäologisch wertvollen Bodendenkmäler erneut mit Sand bedeckt werden konnten. Heute harren sie geduldig und geschützt, bis sie durch das anspruchsvolle Ausstellungskonzept des MiQua der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden können. Ein aufwendiges Verfahren, das allerdings dem Wert dieses unermesslichen Kulturerbes geschuldet ist.

Mammutaufgabe Museumsbau

In die Planung einbezogen ist ein etwa 8.500 Quadratmeter großes Areal, knapp ein Fünftel davon ist Ausstellungsfläche. So erstrecken sich auch große Teile des neuen Museums unterirdisch unter Rathausplatz und Spanischem Bau. Die „Archäologische Zone“ zeigt unter anderem ortsfeste Bodendenkmäler wie das Praetorium, den Amtssitz des römischen Statthalters und römische Thermen. Sie beinhaltet den Portikus und das jüdische Hospital, Fundamente des Goldschmiedeviertels sowie spätantiker, romanischer und gotischer Bürgerhäuser. Im oberen Museumstrakt zeigen Wechselausstellungen archäologische Fundstücke – anschaulich didaktisch vermittelt, denn, so Professor Lorch, „Steine sprechen nicht“. Auch eine Dauerausstellung zur Jüdischen Kölner Geschichte ist geplant.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Das Jüdische Museum wird als schützende Hülle über die Archäologische Zone gebaut. Es hält sich an historische Baukonturen und füllt die städtebauliche Lücke, die hier durch den Zweiten Weltkrieg entstanden ist.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

„Wir hatten hier permanent Archäologen vor Ort, kein Gramm Erde, das nicht untersucht wurde.“

Bauleiter Olaf Sahm

„Wir hatten hier permanent Archäologen vor Ort, kein Gramm Erde, das nicht untersucht wurde“, erinnert sich Bauleiter Olaf Sahm von Berger Grundbautechnik an die Gründungsarbeiten des MiQua. Sein auf Spezialtiefbau ausgerichtetes Unternehmen war für die Baugrubenumschließung zur Sicherung der Archäologischen Zone vor dem Historischen Rathaus zuständig. Zunächst stabilisierten die geschulten Mitarbeiter mittels Niederdruckinjektion den schwierigen Baugrund. Anschließend setzten sie 339 Pfähle um die Baugrube herum, um die Randbereiche vertikal abzugrenzen und eine große Stützwand zu schaffen, die Auflagerpunkte für den Museumsbau bietet sowie den archäologischen Rundgang begrenzt. Dies erfolgte mittels einer überschnittenen Bohrpfahlwand, deren einzelne Pfähle je nach Untergrund in Tiefen zwischen 12 und 33 Meter reichen. „Wir bohrten über ein Dreivierteljahr lang teilweise bis zu dreißig Meter tief durch historische Gründungen, durch alte Hafenmauern aus Basalt, deren Gestein die Römer aus dem Gebirge jenseits des Rheins gebracht hatten“, erläutert der Bauleiter. „Erst darunter stießen wir auf Rheinkies.“

Archäologische Denkmalpflege

Ein langer Name: Archäologische Zone / Jüdisches Museum Köln. Die Stadt, als Bauherrin, der LVR, Landschaftsverband Rheinland als Betreiber, Besucher und Bewohner wünschten für den anspruchsvollen Bau einen treffenden Namen mit Wiedererkennungseffekt. Aus diesem Grund wurde die Öffentlichkeit gebeten, Vorschläge einzureichen. Mehr als 700 Ideen führten zu „MiQua. Der viel diskutierte Begriff fügt „Museum im Quartier“ zu einem prägnanten Namen zusammen und erinnert an das Wort „Mikwe“, an das Ritualbad jüdischer Gemeinden. Die Mikwe unter dem Rathausplatz gilt als das weltweit am besten erhaltene Ritualbad aus dem Mittelalter und wird zentraler Bestandteil der Ausstellung des neuen Museums sein

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Die römischen und mittelalterlichen Mauerreste sind im unterirdischen Bereich des Museums zu besichtigen. Die Bohrpfähle wurden denkmalschonend verortet, wie das virtuelle Befundmodell der Archäologischen Zone in Köln zeigt.

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© Architectura Virtualis 2017

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© Architectura Virtualis 2017

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Wandel Lorch Architekten

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Wandel Lorch Architekten

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Wandel Lorch Architekten

Die bestehenden Bauten der Umgebung mussten während des gesamten Ablaufs auf mögliche Erschütterung durch die erforderlichen Bohrungen untersucht werden. Die Bohrpfähle wurden von Berger Grundbautechnik versetzt und mit Betonschablonen angeordnet, sodass der nötige Überschnitt und die Lagegenauigkeit an jedem der Pfähle gewährleistet war. Das Unternehmen nutzte Drehbohrer mit hydraulischem Antrieb und einem Durchmesser von 880 Millimetern. Je nach Baufortschritt arbeiteten drei bis 15 Mann mit ein oder zwei großen Bohrgeräten der Marke Liebherr LB 24-270 mit bis zu 80 Tonnen Einsatzgewicht.

Inmitten der Innenstadt entsteht einer der ungewöhnlichsten zeitgenössischen Museumsbauten.


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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Für die Betonpfähle lieferten Betonmischer knapp 4.000 Kubikmeter Beton von Heidelberger Beton, der mit Hochofenzement aus dem ­HeidelbergCement Werk in Ennigerloh gemischt worden war. Er wurde von den Tiefbauern im Kontraktorverfahren eingebaut. „Dabei wird nach dem Ausbohren des Erdreiches im Schutz der Bohrrohre der Bewehrungskorb eingehängt und der fließfähige Beton (Konsistenz F5) – geschützt vor dem Wasser innerhalb der Bohrrohre – mittels Betonierrohr bis zur Unterkante Bohrung geführt. Beim Aufsteigen drückt es das Wasser vor sich her nach oben, sodass nach dem Entfernen der Bohrrohre in der Erdschalung ein sauber betonierter Pfahl entsteht“, erklärt Bauleiter Sahm.
Eine Pfahltiefe von 20 Metern erforderte jeweils rund 15 Kubikmeter Beton, der just in time von mehreren Betonmischern angeliefert wurde. Auch 49 Einzelstützen, deren genaue Lage von den Architekten in Abstimmung mit den Archäologen vorgegeben und vom Statiker geprüft worden war, versenkte Berger Grundbautechnik auf diese Weise und goss die Stahlhüllen mit Beton aus. Bei diesen Stützen, die später innerhalb der Ausstellungsfläche als Deckenstützen dienen, blieben die Rohre als eine Art verlorene Schalung im Boden. Sie warten nach Fertigstellung des Projekts mit einer Bekleidung aus Stahl auf. Beim Rundgang durch die Bodendenkmäler, wenn alle Mauerreste und Exponate im Boden wieder in Gänze frei liegen, bilden die neuzeitlichen Bohrpfähle in der Archäologischen Zone dagegen eine sichtbare, erdgeschalte Betonwand.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln

Bauherr:
Stadt Köln, vertreten durch das Dezernat für Kunst und Kultur

Architekten:
Wandel Lorch WHL GmbH, Architekten und Stadtplaner BDA, Saarbrücken

Statik:
Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Stuttgart

Betonbohrpfähle:
Drees & Sommer AG, Stuttgart

Produkte:
3.842,5 m³ Bohrpfahlbeton C30/37 M F5 mit CEM III A 42,5
Hilfsbeton für Betonbohrschablone C25/30 und C30/37 M F3 mit CEM III A 42,5, Werk Ennigerloh
2.500 m³ Betone verschiedenster Güten, bis zu 40/50 von der Heidelberger Beton GmbH

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Ansprechpartner

jens-peter.mueller@heidelberger-beton.de

Links

www.wandellorch.de
miqua.blog
www.museenkoeln.de/archaeologische-zone/
www.miqua.lvr.de
www.bergergrundbautechnik.de

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