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Klösterliche Kreuzgänge wie hier im Kloster Dalheim sind Orte der Besinnung.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2016

Schweigen als Weg

Zu Gast im Geistlichen Zentrum Schwanberg

Raus aus dem Alltag, rein in die innere Ruhe. Bei den Benediktinerinnen der evangelischen Ordensgemeinschaft Communität Casteller Ring gehört Schweigen zu jenen Übungen, die Ruhe und innere Gelassenheit bringen.

Wenn es laut wird im Kopf, wenn es nicht mehr reicht, dass nur der Schreibtisch aufgeräumt oder die Termine geordnet werden, dann wächst wieder die Sehnsucht nach dem Schwanberg. Seit rund zehn Jahren besucht Marei Röding diesen Ort in Franken, der für sie zu einem Kraftort geworden ist. In der Abgeschiedenheit, beim ruhigen Wandern durch die Weinberge, kommt sie zu der inneren Stärke, die sie zur Bewältigung des Trubels ihres Verlagsleiterinnenalltags braucht. Unterstützt wird sie beim Kraftschöpfen nicht nur durch die stete Bewegung. Sie geht vor allem zu den Benediktinerinnen, um dort zu schweigen. „Ich habe Sehnsucht nach der Stille, ich möchte das, was in mir noch nicht geordnet ist, im Kopf aufräumen. Beim Schweigen lerne ich die Kunst, mich auf das Thema, das mich umtreibt, zu fokussieren.“ Ursprünglich gehört Schweigen zu den klösterlichen Exerzitien, also zu jenen geistlichen Übungen, die dazu dienen, durch Kontemplation zur intensiven Besinnung und zur Begegnung mit Gott zu gelangen. Heute öffnen die Schwestern auf dem Schwanberg ihr Haus für Menschen aus unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen, die für sich durch Kontemplation, Stille und Andacht einen neuen Weg suchen. Dabei tritt allerdings der Kontakt mit den Mitschweigern in den Hintergrund. Nach einer kurzen Vorstellung am ersten Abend der jeweiligen Schweigewoche wird auch beim täglichen gemeinsamen Essen nicht miteinander kommuniziert. Unterbrochen wird das Schweigen nur kurz durch die tägliche Begegnung mit dem Exerzitienmeister. Er sucht für jeden Schweigenden eine Bibelstelle, die zum jeweiligen Anliegen passen könnte. Dieser Text kann bei der Konzentration auf die inneren Gedanken hilfreich sein. Während viele ihre innere Ruhe im Meditationsraum oder in der stillen Kemenate suchen, treibt es Marei Röding hinaus in die Natur. „Nach etwa zwei Tagen, je nachdem, wie aufgewühlt ich vorher war, weiß ich mit der Situation umzugehen. Nach zehn Tagen bin ich ‚maulfaul‘, mag kein Gespräch mit anderen Reisenden auf der Rückfahrt.“ Nach dieser Zeit ist es wohl schwer, aus dem Schweigen wieder herauszufinden. Dass Telefonieren, Bücherwälzen oder sonstige Vergnügungen des Alltags nicht hilfreich sind auf dem Weg der Stille, versteht sich von selbst. „Es ist eine Frage des Erlebens, ich möchte mich bewusst reduzieren, möglichst wenig Ablenkung erfahren.“ Das erfordert Disziplin, wird aber – wie die Sehnsucht nach dem Schwanberg immer wieder zeigt – mit viel Ruhe und innerem Erleben belohnt.Susanne Ehrlinger

Links

www.schwanberg.de

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