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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2016Thema: Stille

Kaum zu hören

Weniger Dezibel für den Verkehrswegebau

Hauptverursacher störenden Lärms ist der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft. Verkehrswege bei steigender Mobilität leiser zu machen kann auch durch moderne Bauweisen gelingen. Offenporige Betone sowie die Veränderung der Oberflächentextur von Straßenbelägen bringen bemerkenswerte Ergebnisse.

Wer fast 15 Jahre seines Berufslebens als Projektmanager in der Abteilung „Engineering und Innovation“ (E&I) bei ­HeidelbergCement mitgewirkt hat, kann vom langwierigen, aber auch erfolgreichen Ringen um Verbesserungen im Verkehrswegebau ein Lied singen. Siegfried Riffel, Experte in Sachen Infrastruktur, hat über Jahrzehnte die Entwicklung und Implementierung von Rezepturen und spezifischen Oberflächen für Verkehrsflächen aus Beton vorangetrieben. Sie tragen dazu bei, Verkehrslärm zu reduzieren und den Verkehrslärm von Straße und Schiene für die Umwelt erträglicher zu machen. „Offenporiger Beton wurde schon 1994, also vor über 20 Jahren, auf der Autobahn A5 bei Bruchsal eingebaut. Aber erst mit einer Versuchsstrecke auf dem Hockenheimring gelang es, öffentlichkeitswirksame Akzente zu setzen“, erinnert sich der Betonspezialist. Heute steht die leisere und dauerhaftere Bauweise mit offenporigem Beton kurz davor, sich bundesweit als Pendant zu Straßen mit offenporigem Asphalt durchzusetzen.

Dränage- und Lärmminderung

Ein derzeit laufendes Projekt (3712002) der BASt hat die Optimierung der Bauweise mit offenporigem Beton in Hinblick auf Lärmminderung bei gleichzeitig hohem Dränagevermögen zum Ziel: „ Mit der Entwicklung dauerhafter lärmmindernder offenporiger Betonfahrbahnbeläge soll eine Alternative zu offenporigen Belägen in Asphaltbauweise etabliert werden, um den Straßenbauverwaltungen weiterhin, trotz steigender Anforderungen an die Lärmminderung, einen Gestaltungsspielraum bei der straßenbautechnischen Ausführung zu ermöglichen.“

Dränbeton, offenporiger Beton oder die lärmarme und griffige Grinding-Textur sorgen für messbare Lärmreduktion.

Vor dem Hintergrund eines immer größeren Verkehrsaufkommens und im Hinblick auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm ist die Sensibilisierung der Bevölkerung stark gestiegen. So spielt Lärmschutz eine immer bedeutendere Rolle. Auch die Politik fordert mehr und mehr aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen. Nicht nur Lärmschutzwände, Schallschutzfenster, leisere Motoren oder verbesserte Reifen dienen der Lärmreduzierung. Auch Straßenbeläge haben einen relevanten Einfluss auf die Lärmbelastung. Um mehrere Dezibel können optimierte Betonrezepturen und spezifische Oberflächen das Reifen-Fahrbahn-Geräusch der Fahrzeuge reduzieren.

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Spezifische Oberflächen und optimierte Betonrezepturen reduzieren das Reifen-Fahrbahn-Geräusch der Fahrzeuge.

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Spezifische Oberflächen und optimierte Betonrezepturen reduzieren das Reifen-Fahrbahn-Geräusch der Fahrzeuge.

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Offenporiger Beton eignet sich für Schiene und Straße.

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Auch die Bahn hat den offenporigen Beton für ihren Verkehrswegebau entdeckt. Wurde er bislang in Tunneln für die Befahrbarkeit im Havariefall sowie zum Ableiten von Gebirgs- und Schleppwasser der Züge eingesetzt, könnte er künftig in seiner Funktion als hochwirksamer Schallabsorber auch Bahnstrecken außerhalb erobern. Dafür werden derzeit bei E&I geeignete Rezepturen für offenporige Betone entwickelt und getestet. Denn ICE-Hochgeschwindigkeitstrassen brauchen statt des klassischen Schotterbetts eine „Feste Fahrbahn“. In der aktuellen Bauweise ist diese allerdings stark schallreflektierend. Eine schallschluckende Bauweise mit offenporigem Beton als Schienenschallabsorber hat ­HeidelbergCement bereits 2010 mit dem EU-Forschungsprojekt „Urban Track“, vorgestellt und bei einer Straßenbahn-Teststrecke in Brüssel erfolgreich verbaut. Ob es still wird um Siegfried Riffel, wenn er im Ruhestand ist? Vermutlich nicht, sein Engagement für den „leisen Verkehr“ wird ihn in vielen Projekten noch weiter umtreiben.Susanne Ehrlinger

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