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Eine sehr hochwertige Ausstattung mit Glasfronten zum See hin sowie eleganten Fassaden zeichnen die Wohnbauten aus.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 4/2015Thema: Unterschied

Wandel am Wasser

Werftgelände wird Wohngebiet

Direkt am Bodensee entstehen auf dem Gelände der ehemaligen Bodan-Werft sechs neue Wohnbauten sowie weitere Wohnungen in den stillgelegten, denkmalgeschützten Hallen. Die Gemeinde erhält durch die weitsichtige Baumaßnahme über eine Uferpromenade erstmals einen größeren direkten Zugang zum Wasser.

Der wirtschaftliche Niedergang von Industriezweigen ist oft mit einem langanhaltenden Prozess der Umwandlung verbunden. Doch ehe ein ehemaliger Industriestandort wieder zu neuem, völlig anderem Leben erblüht, müssen sich alle Akteure über Sinn und Beschaffenheit der Konversionsmaßnahme einig werden.
Die Bodan-Werft am Bodensee war eine alteingesessene Schiffbauanlage in Privatbesitz, die für Generationen von Kressbronner Bürgern seit dem frühen 20. Jahrhundert Arbeitgeber war. Bis in die Gegenwart gehörte das mit industriellen Hallenbauten aus Stahl und Holz sowie etlichen Gewerbebauten und schlichten Arbeiterunterkünften bebaute Grundstück zum gewohnten Stadtbild. Dass der Zugang zum Wasser über das Werksgelände nur Bootsbesitzern möglich war, deren Schiffe im Hafen lagen, schien lange Zeit niemanden zu stören.

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© weinbrenner.single.arabzadeh. architektengemeinschaft Partnerschaftsgesellschaft, Nürtingen

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Die Bodan-Werft am Bodensee war eine alteingesessene Schiffbauanlage in Privatbesitz, die für Generationen von Kressbronner Bürgern seit dem frühen 20. Jahrhundert Arbeitgeber war. Bis in die Gegenwart gehörte das mit industriellen Hallenbauten aus Stahl und Holz sowie etlichen Gewerbebauten und schlichten Arbeiterunterkünften bebaute Grundstück zum gewohnten Stadtbild. Dass der Zugang zum Wasser über das Werksgelände nur Bootsbesitzern möglich war, deren Schiffe im Hafen lagen, schien lange Zeit niemanden zu stören.
Inzwischen sind hier direkt am Ufer drei Wohnbauten realisiert worden. Sie sind Teil eines Gesamt-ensembles, das bis 2017 ein völlig anderes Bild von dieser herrlichen Lage am schwäbischen Meer entstehen lässt. Schlüsselfertig ausgeführt werden die Bauten vom Unternehmen Wilhelm Geiger aus Oberstdorf, das zwischenzeitlich auch als Mitinvestor fungiert. Das Zementwerk Schelklingen von ­HeidelbergCement liefert bis zum Frühjahr 2016 rund 7.000 Tonnen Zement für die Produktion des Betons in das nahe gelegene Betonwerk. Die Konzeption großzügiger Stahlbetonbauten mit Außenwänden aus Kalksandstein, die 115 Wohnungen mit Größen von 50 bis weit über 200 Quadratmeter integrieren, zielte von vorneherein auf eine bodenständige Klientel, die ihre Zeit nicht nur ein paar Wochen im Jahr am Bodensee verbringen möchte. Für Willi Schmeh, Geschäftsführer von DaS Immobilien, hat sich der Charme des Geländes sofort erschlossen. Der seit 25 Jahren als Bauträger im Immobiliengeschäft erfolgreiche Unternehmer hatte sich in der Branche durch die Entwicklung diverser Konversionsprojekte einen Namen gemacht. Das Projekt „Wohnen mit Bäumen“ im nahe gelegenen Überlingen „gelang so bravourös“, wie er sagt, dass er aufgrund der „Sogwirkung“ verschiedentlich angesprochen wurde, auch das Areal in Kressbronn am Bodensee zu entwickeln. „Der Kauf des Grundstücks war keine feindliche Übernahme des Hafens“, schmunzelt er. Vielmehr habe er den Werftbesitzern einen fairen Preis angeboten, indem er das Baurecht voraussetzte, das damals noch in den Sternen stand. Ein Risiko, das er als leidenschaftlicher Unternehmer mit seinem Gespür und der Vision für den Ort bereit war, einzugehen. Bis ihm allerdings der Gemeinderat grünes Licht gab, vergingen noch über drei Jahre. Bauamtsleiter Manfred Ammann erinnert sich an die emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen, die in der Zeit zwischen Aufstellungsbeschluss und abgestimmtem Bebauungsplan die Gemeinde Kressbronn spalteten. Das von Kritikern angedachte Vorkaufsrecht wollte und konnte die Kommune nicht in Anspruch nehmen. Schließlich beschloss der Gemeinderat nach einem langen, transparenten und für alle Bürger einsichtigen Prozedere die Bebauung.
Die Bebauung war an die im Regionalplan festgesetzte, aus der Gemeinde oder zumindest aus dem regionalen Bereich heraus zulässige Eigenentwicklung gebunden. Dies ist größtenteils gelungen und lag auch stark im Interesse der Gemeinde und des Investors. „Ohne Werbung sind die Wohnungen an Interessenten aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern verkauft worden, nur ein Bruchteil stammt aus weiter entfernten Regionen wie Aalen oder Ulm“, so Schmeh. „Viele Bebauungsgegner haben außer Acht gelassen, dass es sich bei der Bodan-Werft nicht um Gemeindeland handelte, sondern um Privateigentum“, meint Bauamtsleiter Ammann. „Wir konnten im Rahmen des Bebauungsplans die Eigentumsrechte nicht einschränken.“ Keine Bebauung oder ein Spielplatz an prominenter Stelle, wie manche Gegner forderten, war finanziell nicht machbar und sicher auch für die weitere Ortsentwicklung nicht sinnvoll. „Wir haben auf dem Grundstück allein 4,5 Millionen für Altlasten und zwei Millionen für Abriss investiert, das kann keine Gemeinde neben dem Grundstückspreis für einen Spielplatz schultern“, so Bauträger Schmeh. Er kam der Gemeinde entgegen und rückte von der ursprünglichen Planung, auf dem Gelände 200 Wohnungen zu bauen, ab. Nun werden knapp über die Hälfte realisiert. Außerdem hat Willi Schmeh der Gemeinde rund 8.500 Quadratmeter Fläche geschenkt, damit eine attraktive Uferpromenade, ein Pavillon in Gemeindehand und Sitzstufen zum Ufer hin entstehen können.
Im Laufe des Planungsprozesses trat auch noch die Denkmalbehörde auf den Plan. Darauf, dass die Hallen als Kulturdenkmäler eingestuft wurden, hat Bauträger Schmeh gemeinsam mit seinem Architekten Arabzadeh vom Architekturbüro weinbrenner.single.arabzadeh. architektenwerkgemeinschaft in Nürtingen ebenfalls mit klugen Entwürfen reagiert. Einige der historischen Werkhallen werden so erhalten, dass die frühere identitätsstiftende Nutzung an diesem Ort ablesbar bleibt. Ihn ihnen entstehen nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip“ zwei der insgesamt acht Wohnbauten. So wird alt und neu an einem Ufer vereint, das endlich für alle zugänglich wird.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Wohnbebauung Bodan-Werft, Kressbronn am Bodensee 8 Wohngebäude auf dem ehemaligen Werftgelände

Bauherr Wohnungsbau:
DaS Immobilien GmbH & Co. KG, Kressbronn a.B.

Bauherr Öffentliche Bereiche:
Gemeinde Kressbronn a.B.

Architekten
weinbrenner.single.arabzadeh. architektenwerkgemeinschaft Partnerschaftsgesellschaft, Nürtingen

Landschaftsarchitekten:
Frank Kiessling Landschaftsarchitekten, Berlin

Generalunternehmer:
Geiger Schlüsselfertigbau GmbH & Co. KG, Augsburg

Tragwerk:
Furche Geiger Zimmermann Tragwerksplaner GmbH, Köngen

Baugrubenstatik:
Ingenieurbüro Friedrich Mahrla, Planegg

Bauphysik:
Kurz & Fischer GmbH, Winnenden

Sanierungskonzept:
INGEO Mayle und Zimmermann Partnerschaft, Friedrichshafen

HLS Planung:
mk Ingenieure, Augsburg

Elektro-Planung:
Johann Korniat, Augsburg

Außenanlagen:
Paul Saum Garten- und Landschaftsbau, Hohenfels-Liggersdorf

Bauunternehmung
Geiger Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG, Sonthofen

Zementproduzent:
HeidelbergCement, Lieferwerk Schelklingen

Produkt:
insgesamt ca. 7.000 t Zement, CEM II/A-LL 32,5 R und CEM II/A-LL 42,5 R

Beton:
Betonwerk Kressbronn GmbH & Co. KG, Kressbronn a.B., ca. 20.000 m3

Planungsbeginn:
seit Juli 2012

Baubeginn:
im Mai 2014

Planungsgebiet:
48.000 m²

Fertigstellung Wohnen:
1. BA: Ende 2015; 2. BA: Ende 2016

GFZ:
0,50

BGF Wohnen Neubau:
24.900 m²

BGF Kulturdenkmal:
2.600 m²

Verkaufsvolumen:
115 Millionen Euro

Fertigstellung Öffentlicher Teil:
geplant Ende 2018

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