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Josephine Schulz

Ausgabe 4/2015

Eine andere Welt

Mit dem Freiwilligendienst in Indien

Nichts ist mehr wie gewohnt: Josephine Schulz hat ihr Studium unterbrochen, um in einem indischen Krankenhaus mitzuhelfen.


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Josephine Schulz

Vor kurzem noch Hamburg, nun Bissamcuttack, ein Ort in der grün bewaldeten Bergregion von Rayagada, im indischen Bundesstaat Odisha: Josephine, eine junge Psychologiestudentin, hat für fünf Monate die vertraute Universität verlassen und arbeitet nun im Christian Hospital der kleinen Stadt. Sie packt überall dort mit an, wo helfende Hände gebraucht werden, etwa auf der Säuglingsstation, in der Pharmazie oder bei der Patientenaufnahme. Jeder Tag bringt Unerwartetes, wirkt auf sie wie ein kleines Abenteuer: Auf den Straßen herrscht inmitten von Obst- und Gemüseverkäufern reges Treiben. Zwischen all den Menschen, Kühen und Hunden versuchen sich hupende Autos und Motorräder einen Weg zu bahnen. Zeit- und Raumangaben sind je nach Auslegung variable Einheiten. Frauen tragen zu ihren farbenfroh gemusterten Gewändern häufig einen ausgefallenen Nasenschmuck. Mit einem Lied auf den Lippen verrichten sie im Schneidersitz oder hockend ihre schwere Arbeit. Nicht selten gehen Männer, als Zeichen der Freundschaft, Hand in Hand.

Kinder spielen mit den Dingen, die ihnen in die Hände fallen, peitschen Reifen über die Straße oder tummeln sich fröhlich in kleinen Grüppchen. Rasch hat Josephine auch eigene Gewohnheiten überdacht. Jeans und kurze Oberteile bleiben im Schrank. Die Beine übereinanderzuschlagen gilt hier als maskulin, auch ihr Lieblingssport Volleyball gilt als Männersportart. Reicht sie zur Begrüßung die Hand, statt die Hände vor der Brust zusammen zu legen, wird sie gleich als Fremde entlarvt. Die Floskel: „Wie geht es dir?“ wird hier ersetzt durch die Nachfrage, ob man schon gegessen habe. Überhaupt, das Essen: Zu jeder Mahlzeit gibt es Reis, Dal – ein Linsengericht – und ein scharfes Curry, wobei Curry nicht nur das Gewürz meint, sondern generell Fleisch-, Fisch-, oder Gemüsegerichte mit Sauce bezeichnet. Gegessen wird mit der rechten Hand. „Es ist genug da, aber abwechslungsreiche Ernährung ist Luxus“, meint die Studentin. Auch das Klima ist gewöhnungsbedürftig: „Die Luft ist schwül. Von einem Moment auf den anderen kann der Himmel aufreißen und ein Monsunregenguss schüttet auf uns nieder.“ Sogar der Mond erscheint ihr hier in einem satteren Gelb.Susanne Ehrlinger


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