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© Thomas Eidberger, Sievershagen

Ausgabe 4/2015Thema: Unterschied

DIY gepaart mit smarter Leidenschaft

Selbstbau mit Kalksandstein

Seit 2012 plant und baut Thomas Eidberger in seiner Freizeit sein Einfamilienhaus nahe Rostock. Mit den Systemsteinen KS-QUADRO ETRONIC konnte der junge Informatiker die mediale Infrastruktur seines Wohnbaus ganz nach individuellen Vorstellungen gestalten.

Bis in die 70er Jahre war es in bundesdeutschen Dörfern gang und gäbe, beim Hausbau mit Freunden und Verwandten selbst Hand anzulegen. Wollte man im eigenen Häuschen leben, hing der Baufortschritt jenseits der innerdeutschen Grenze von der jeweiligen Materiallage ab. Heute kommt in der Regel ein Bauunternehmen zum Zug, das den abgestimmten Architektenplan schlüsselfertig umsetzt. Bei Thomas Eidberger ist die Sache mit dem Hausbau anders gelaufen. Auf der Suche nach einer Mietwohnung für sich und seine Freundin zeigte sich, dass diese entweder zu klein oder zu teuer waren. Die Frage: „Warum nicht selber bauen?“, und das im wörtlichen Sinn, stellte sich spätestens nach der 31. erfolglosen Besichtigung. „Da hat es mich wirklich gereizt, ein Haus in ausreichender Größe selbst zu bauen, mit allem, was ich mit meinem Hang zur Elektromanie an Infrastruktur haben wollte“, erzählt der junge Informatiker, der nun seit drei Jahren nach der Arbeit von 17 bis 22 Uhr und auch am Wochenende seine Freizeit auf der Baustelle verbringt.

Selbst bauen mit KS-QUADRO

Den Rohbau hat er eigenhändig mit dem Bausystem KS-QUADRO ETRONIC erbaut. Die Verlegung von Elektroleitungen erfolgt in KS-QUADRO-E-Wänden in den senkrechten Installationskanälen, die über die gesamte Wandhöhe reichen. Diese sind in der Mittelachse der Wände angeordnet. Im unverputzten Rohbauzustand lassen sich die Bohrungen in die Installationskanäle links oder rechts neben einer sichtbaren Stoßfuge der Kalksandsteine leicht einmessen. Aneinandergereiht ergäben die vertikalen Schächte, in die der technikbegeisterte Bauherr Leerrohre sowie Leitungen eingezogen hat, einen Tunnel von 2.300 Metern. Das Haus hat er damit so verkabelt, dass er ohne Aufwand überall Steckdosen oder zusätzliche Anschlüsse – auch nachträglich – einbauen kann. 210 Kabel kommen in der Zentrale an. „Das Ganze ist BUS-gestützt, das heißt, alle 170 Steckdosen sind miteinander verbunden und können variabel angesteuert werden.“ Das hatte den Vorteil, dass der Bauherr auf die Elektrik der im Haus verteilten LED-Leuchten schon vor Installation der Lichtschalter per Software zugreifen und sie per Handy oder Laptop ansteuern konnte. Grundsätzlich verbraucht die Illumination des gesamten Hauses mit 52.000 Lumen nur 700 Watt. Anders als üblich hat Eidberger den Kabelkanal unterhalb der Decke verlegt. So steht dieser auch künftig etwa für Lichtleisten ohne großen baulichen Umstand zur Verfügung. „Ohne den KS_QUADRO E hätte ich dies nicht auf diese Weise ausführen können“, meint er. „Für meinen Traum hätte ich sicher nicht all die Wände aufgeschlitzt. So musste ich keinerlei Kompromisse eingehen.“

Schnittfrei durch das Haus

Anfangs war die Familie skeptisch, obgleich sie selbst im Baugewerbe tätig ist; der Vater arbeitet als Heizungsmonteur und der Bruder als selbständiger Fliesenleger. „Sie waren sich nicht sicher, ob ich als Bürohengst das allein durchziehen könnte.“ Inzwischen sind alle überzeugt und auch stolz auf das, was im Neubaugebiet Sievershagen, drei Kilometer von der Ostsee entfernt, aus eigenem Antrieb entsteht. Ursprünglich wollte Thomas Eidberger nur so lange am Bau bleiben, wie er Lust hat. Inzwischen hat sich das Projekt aber zur umfassenden Aufgabe entwickelt, die er bis zuletzt selbst bewerkstelligen will. 2012 fing er mit der Planung an. Da er spezielle Schneidewerkzeuge für den Kalksandstein nicht in Aussicht hatte, plante er den gesamten Rohbau mit ganzen, halben oder Dreiviertel- Steinen so, dass er „schnittfrei durch das Haus kam“, wie er sagt. „Ich habe im Oktameter geplant, so musste ich keinen einzigen der Steine schneiden.“ Für den Aufbau der bis zu 106 Kilogramm schweren Kalksandsteine hatte er sich einen Minikran zur Versetzhilfe geborgt. Alles hat er sich von der Pike auf angelesen und in der Praxis mit zunehmender Erfahrung selbst angeeignet. Beim Mörteln war er erst perplex, wie flüssig dieser nach Anleitung war, worauf ihm sein Bruder den Tipp gab, den nach Gefühl anzumischen. „Ich habe mir im Lauf der Zeit guten Sachverstand angeeignet und bin jetzt für viele Ansprechpartner. Ich habe jede DIN ausführlich gelesen, um alles genau zu verstehen.“

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© Thomas Eidberger, Sievershagen

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Bauen mit KS

Bei Heidelberger Kalksandstein hat ihn das System KS-QUADRO E besonders überzeugt. „Ich bin im Plattenbau aufgewachsen und wollte im Eigenheim nicht jedes Loch mit Spezialdübeln ausführen“, meint er. „Die KS-Spezialisten haben mich in Bezug auf Schalldämmung, Akustik oder Wärmespeichervermögen ausführlich beraten und waren während der Bauphase sehr hilfreich. Inzwischen bin ich längst von KS überzeugt.“ Bis auf die Bodenplatte, die Decken und das Betondach hat er alles in Eigenleistung erledigt. Nach 4.500 selbst geleisteten Arbeitsstunden ist das Selberbauen für Thomas Eidberger zur persönlichen Herausforderung geworden. Kürzlich stand der Blower-Door-Test an, den die Bank für den KfW-Kredit anmahnte. Klar, dass er nicht so schnell ist wie ein Bauunternehmen, das mit zehn Mann anrückt. Das hat auch die Bank eingesehen. Der Test ist im Übrigen besser ausgefallen, als er es für ein KfW 70 Haus gebraucht hätte.

Auf der Zielgeraden

Inzwischen liegt sein Wohnhaus bei 840 Euro pro Quadratmeter. „Handwerker zu engagieren ist ja inzwischen Luxus geworden“, meint er. Ob er nochmals selber bauen würde? „Gut ist, dass man nicht genau weiß, was auf einen zukommt. Ich fand jedoch die auf ein Ziel hin konzentrierte Arbeit von Anfang an spannend.“ Vielleicht ist es wie beim Computerspiel, man verfolgt ein Ziel und probiert so lange, bis es klappt, dann kommt man auf die nächste Stufe. An dieses Hobby und an den Bau von selbst fliegenden Modellflugzeugen ist derzeit nicht zu denken. Aber schon im Dezember „kommt die Schönheit ins Haus“ – sprich, dann wird tapeziert und gemalert. Und nur kein Stress: Erst ab Februar ist an den Einzug zu denken. Die Freundin lobt immer wieder mit freundlichem Lächeln und bringt das Abendbrot vorbei. Der Blog, denn er seit Beginn des Baus schreibt, dient dazu, seine Freunde und Familie auf dem Laufenden zu halten. Für sich selbst führt er damit eine perfekte Baudokumentation. Wenn er zurückscrollt, kann er immer wieder zufrieden auf das blicken, was er schon alles geschafft hat.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
KS-Haus im Selbstbau, Rostock

Bauherr:
Thomas Eidberger, Sievertshagen

Produkte:
KS-QUADRO ETRONIC

Produktmenge
ca. 70 m³

Produzent:
Heidelberger Kalksandstein GmbH

Lieferwerk:
Demmin

Lieferzeitraum:
2013-2015

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