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Akçansa produzierte speziellen Beton für die längste Stahlbetonbrücke der Türkei, die Yavuz-Sultan-Selim-Brücke in Istanbul.

Ausgabe 03/19Thema: Verbindungen

Kontinente verbinden

In der Türkei entsteht die längste Hängebrücke der Welt

Nach Fertigstellung der dritten Bosporus-Brücke im Jahr 2016 ist HeidelbergCement durch sein Joint Venture Akçansa an einem weiteren türkischen Megaprojekt beteiligt: Aktuell wird die Çanakkale-1915-Brücke über die Dardanellen gebaut – ein imposantes Beispiel anspruchsvoller Ingenieurskunst.

In Istanbul, der geschichtsträchtigen Stadt am Bosporus, verläuft die Grenze zwischen Europa und Asien, kommen sich Orient und Okzident ganz nahe. Eine Brücke zu bauen und so nicht nur die Ufer, sondern auch die Welten zu verbinden, ist ein alter Traum: Schon Leonardo da Vinci konstruierte im Jahr 1502 entsprechende Pläne.

Die Anforderungen an den Brückenbau sind allerdings groß: Die fertigen Bauwerke müssen höchste Lasten tragen, sich in die Landschaft einfügen und weite Distanzen miteinander verbinden – und das idealerweise über viele Jahrzehnte hinweg. In der Region um Istanbul kommt noch eine weitere Herausforderung erschwerend hinzu: das Gebiet ist extrem erdbebengefährdet. Mit dem Bau der ersten festen Brücke wurde wohl auch deshalb erst im Jahr 1970 begonnen. Mittlerweile überspannen insgesamt drei außergewöhnliche Brücken den Bosporus und bringen die Menschen näher zusammen. Besonders beindruckend aufgezeigt wird dies jedes Jahr im späten Herbst: Wenn 250 Meter vor der ersten Bosporus-Brücke die Marathonläufer starten und dann gemeinsam über die für den Autoverkehr gesperrte Brücke von Europa nach Asien rennen.

Im Jahr 2013 startete der Bau der dritten Brücke (Yavuz-Sultan-Selim-Brücke), die mit 59 Metern bemerkenswert breit ist. Warum diese Dimensionen? In der Mitte rasen auf zwei Spuren Hochgeschwindigkeitszüge, auf den äußeren Spuren fließt der Autoverkehr auf jeweils vier Fahrstreifen von Europa nach Asien und umgekehrt. Doch nicht nur die Breite und die beiden 322 Meter hohen Brückenpfeiler (der Eiffelturm ist nur zwei Meter höher!) sind rekordverdächtig: Mit 1.408 Metern gilt das Bauwerk als Eisenbahnbrücke mit der längsten Spannweite weltweit. Akçansa, ein 1996 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen von HeidelbergCement und der Sabanci Holding, lieferte 1,5 Millionen Kubikmeter Fertigbeton für die A-förmigen Pfeiler und die Fahrbahn. Das Unternehmen entwickelte dafür eigens den wartungsfreien Spezialbeton „Beton-sa 100+“, welcher eine Lebensdauer von über 100 Jahren aufweist und damit besonders nachhaltig ist.

„Ein Projekt der Superlative: 235.000 Kubikmeter Beton wurden seit Beginn des Projekts bereits gegossen“

Doch nicht nur in Istanbul selbst verhilft Akçansa zum Brückenschlag in die Zukunft. Im Jahr 2017 begannen die Arbeiten für eine Hängebrücke über die Meerenge der Dardanellen. Die verkehrsreiche Wasserstraße konnte bisher nur mittels Fähre überquert werden. Um die türkische Ägäisregion und Europa auch für Autofahrer zu verbinden und eine Alternative zur überlasteten Route durch Istanbul zu schaffen, wird nun die sechsspurige Çanakkale-1915-Brücke gebaut. Nach ihrer Fertigstellung im Jahre 2022 wird sie die Hängebrücke mit der längsten Spannweite (2.023 Meter) weltweit und die größte Brücke des Landes sein. Akçansa hat für diese spezifischen Anforderungen, in enger Kooperation mit Universitäten, das Produkt „Betonsa 1803“ entwickelt: Der Baustoff kann in einer Rekordzeit von sechs Stunden verarbeitet werden, hält unterschiedlichsten Umweltbedingungen stand, ist undurchlässig, reguliert die Hitzeentwicklung und hat ebenfalls eine Mindestlebenszeit von 100 Jahren.

Auch logistisch ist das Projekt wahrlich eine Superlative: Insgesamt sorgen sechs speziell ausgestattete Produktionsstätten auf beiden Seiten der Meerenge dafür, dass die Betonproduktion unter jeglichen Witterungsbedingungen stabil bleibt, sodass rund um die Uhr Baumaterial an das Projekt geliefert werden kann. 235.000 Kubikmeter Beton wurden seit Beginn des Projekts bereits gegossen, weitere 150.000 Kubikmeter sollen bis Ende 2020 bereitgestellt werden.

An das Megaprojekt sind in der Türkei große wirtschaftliche Erwartungen geknüpft: Die Regionen Thrakien und Westanatolien, in denen wichtige Dienstleistungs-, Industrie- und Tourismusunternehmen angesiedelt sind, werden besser angebunden sein. Darüber hinaus werden Lieferungen aus Ländern der Europäischen Union, insbesondere aus Bulgarien und Griechenland, Westanatolien, die Ägäis sowie weitere Regionen am Mittelmeer schneller erreichen. Anstatt innerhalb einer halben Stunde bis Stunde mit der Fähre soll die Meerenge zukünftig in gerade einmal vier Minuten passierbar sein. Leonardo da Vinci hätte von solchen Brückenschlägen vermutlich nicht einmal zu träumen gewagt.

Banu Ucer / Elena Lenz
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