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Zum Garten hin erkennt man nicht, dass das Wohnhaus über 12 Meter hoch ist.

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© Stepahn Baumann | Karlsruhe | www.bild-raum.com

Ausgabe 03/19Thema: Verbindungen

Haus am Hang

Leichtbeton für Wohnhaus in Wiesloch

Auffällig schiebt sich ein Bauwerk mit zwei dominanten seitlichen Wandscheiben aus Leichtbeton in den Hang. Nach vorne und hinten verglast, gewährt das Wohnhaus herrliche Durchblicke. Die homogenen Wandflächen entsprechen hoher Sichtbetonqualität.

Vorstellungen mit der Realität zu verbinden, hat immer etwas Abenteuerliches. So auch in Wiesloch, wo ein steiles Hanggrundstück für den Eigentümer und seinen Bauunternehmer gleich mehrere Herausforderungen bereithielt. Das L-förmige Areal ließ nur ein schmales, begrenztes Baufenster zwischen den beiden Nachbargrundstücken zu, das langfristig lediglich Aussicht in zwei Richtungen gewähren würde.

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Die Fenster sind eingerückt und unterstreichen den einschaligen Charakter des Bauwerks

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Nur eine Stahlwangentreppe durchbricht den weiten, nach zwei Seiten komplett geöffneten Wohnraum.

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So begeisterte Thomas Schweigert, Geschäftsführer der bauwerk bauunternehmung, ein Fachmann mit Faible für Leichtbeton, den Auftraggeber für ein ungewöhnliches Projekt: ein in den Hang eingeschobenes, modernes Gebäude mit Flachdach, das sich mit zwei parallelen Betonscheiben zu den Nachbargrundstücken abgrenzt und an den anderen beiden Seiten mit Glasfassaden über die komplette Front öffnet: nach hinten zum Garten und nach vorne zur freien Aussicht übers Tal. In den beiden oberen Geschossen ermöglicht das sogenannte Durchwohnen Blickverbindungen durch das Gebäude hindurch. Nachhaltigkeit gepaart mit großzügiger Offenheit, authentische Architektur verbunden mit Akkuratesse und unaufgeregter Eleganz waren die selbstgesteckten Ziele für einen Ort im prosperierenden Mittelzentrum der Region Rhein-Neckar, dessen unmittelbare Umgebung jedoch noch dörflichen Charakter zeigt.

„Bei unseren Projekten wollen wir immer auch zeigen, wie mit Leichtbeton gebaut werden kann.“

Bauunternehmer Thomas Schweigert

Das ausführende Unternehmen hat schon mehrere Bauvorhaben in Leichtbeton verwirklicht. Mit der Erfahrung wächst auch die Ambition: „Wir haben immer schon vorgehabt zu zeigen, wie mit Leichtbeton gebaut werden kann“, erzählt Thomas Schweigert, der die Architektenpläne für die jeweiligen Bauvorhaben seines Unternehmens vor Abstimmung mit den Bauherren auf Machbarkeit und Effizienz prüft.

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Thomas Fabrinsky, Architekt

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Die unteren Geschosse haben den Hang im Rücken, die beiden oberen Etagen öffnen sich nach beiden Seiten.

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Thomas Fabrinsky, Architekt

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Thomas Fabrinsky, Architekt

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Thomas Fabrinsky, Architekt

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Thomas Fabrinsky, Architekt

„Wir können den Leichtbeton fast so perfekt in der Anmutung wie homogenen Sichtbeton ausführen.“

Thomas Schweigert

Zunächst musste der Baugrund der komplizierten Hanglage mit einer aufwändigen Pfahlgründung gesichert und mit einer Sichtbetonwand abgestützt werden. Dann folgte die Gebäudekonstruktion, einfach aber durchdacht. Zwischen zwei, dem Hangverlauf folgenden gekanteten Wandscheiben wurden jeweils Halbfertigteile als Decken eingehängt, die ausbetoniert als Stahlbetondecken das gesamte Gefüge aussteifen. Außen wurde jeweils bis Oberkante Decke, im Innern bis Unterkante Decke betoniert, so dass die Wandscheiben jeweils ein Auflager bilden. An den seitlichen Fassaden ist der Leichtbeton hydrophobiert, die präzise Fuge zeigt die Geschosshöhen an. Ankerkonen aus Betonstopfen verweisen in regelmäßigem Abstand auf die Peri-Schalung, die hier befestigt war. Innerhalb der massiven Wände verlaufen die Rohre für Heizung und Regenwasser.

„Wir können diesen Leichtbeton fast so perfekt und homogen wie Sichtbeton ausführen“, beschreibt Thomas Schweigert den grauen Baustoff mit der samtenen, geschlossenen Oberfläche, die trotz der Zuschläge Blähton und Blähglas und einem Größtkorn von 10 Millimetern nur äußerst geringe Porigkeit aufweist. Die Rezeptur für den Leichtbeton hat das Labor der Betotech GmbH Eppelheim unter Federführung von Wolfgang Eißner, übernommen von Marek Zwolinski, und Mitwirkung von Manfred Baumgärtner entwickelt.

Eine Zustimmung im Einzelfall war für den als Stahlbeton ausgeführten Bau trotz hohen Anforderungen an Erdbebensicherheit in Baden-Württemberg nicht erforderlich.

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Im Gespräch mit Bauunternehmer Thomas Schweigert

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© bauwerk bauunternehmung gmbh

2001 hat Thomas Schweigert die bauwerk bauunternehmung gmbh in Reilingen gegründet. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Architekten realisiert der mittelständische Unternehmer Wohnhäuser, bevorzugt mit sichtbar belassenen Betonflächen.

c: Was ist das Besondere an Ihrem Bauprojekt in Wiesloch?

Thomas Schweigert: Wir mussten bei diesem Wohnhaus am Hang auf die besondere Lage reagieren und einen komplizierten Erdbau und Baugrund mit einbeziehen. Der Entwurf orientiert sich mit seinen beiden geschlossenen, massiven Leichtbeton-Seiten am Verlauf des schmalen Grundstücks und lässt durch offene Glasfronten den Blick über das Tal und teils nach hinten in die Natur schweifen. Wir konnten bei diesem Projekt unsere Erfahrung mit Leichtbeton erneut unter Beweis stellen. Tatsächlich haben wir unser Know-how für diese Bauweise bei verschiedenen Bauprojekten in Zusammenarbeit mit Heidelberger Beton und der Betotech immer weiter entwickelt.

c: Was fasziniert Sie am Baustoff Leichtbeton?

Thomas Schweigert: Speziell diese Rezeptur und Mischung LC 12/13 ist für mich richtungsweisend. Die 45 Zentimeter dicken und bewehrten Leichtbetonwände der beiden massiven Wandscheiben haben eine ausreichend niedrige Wärmeleitfähigkeit, so dass wir bei diesem Bauvorhaben die aktuelle EnEV ohne zusätzliche Dämmung erfüllen konnten. Ich kenne hier im Südwesten kein zweites Bauwerk aus Leichtbeton, das bislang mit einem so niedrigen Lambda-Wert ausgeführt worden ist. Für mich und unsere Kunden ist diese massive Bauweise eine echte Alternative zum Wärmedämmverbundsystem.

c: Leichtbeton – Sichtbeton, was meinen Ihre Kunden?

Thomas Schweigert: Der Leichtbeton zeigt eine sehr geschlossene Oberfläche, unbehandelt wirkt er wie ein hochwertiger Sichtbeton, wie wir ihn auch nahezu in SB 4 Qualität an der hinteren Gartenstützmauer ausgeführt haben. Durch unsere besondere Verarbeitungsweise, den Einsatz der Peri-Schalung und die Art der Verdichtung, konnten wir den Leichtbeton fast porenfrei ausführen. Ich finde, wie viele Architekten auch, authentische, nicht ganz einheitliche Betonflächen durchaus attraktiv, aber es gibt Kunden, denen diese unregelmäßige Porigkeit nicht so gut gefällt. Mit homogener Oberfläche wird die Zielgruppe, die sich für Leichtbeton interessiert, größer. So suchen wir gerade ein Grundstück in Karlsruhe, um dort einen mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Leichtbeton zu realisieren. Ab November wird das erste Leichtbeton-Industriegebäude in Heidelberg realisiert werden.

c: Das Gespräch führte Susanne Ehrlinger.

„Jetzt sind Wohnhäuser in Leichtbeton ohne zusätzliche Dämmung nach EnEV möglich.“

Thomas Schweigert

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Das 210 Quadratmeter große Wohnhaus öffnet sich mit großzügiger Verglasung zum Tal und in den rückseitigen Garten.

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Wenige vertikale und liegende Fenster sind eingerückt eingepasst und verdeutlichen den einschaligen Charakter der massiven Bauweise. Die Fronten des Wohnhauses sind mit einer dreifach verglasten Pfosten-Riegel-Konstruktion geschlossen, deren größte Scheibe mit sechs Metern Breite und drei Metern Höhe die Handwerker beim Einbau herausgefordert hat. Seitliche Flügel der aluminiumeloxierten Fenster lassen sich geschoßhoch öffnen, sie sind mit einer zusätzlichen Verglasung gegen Absturz gesichert.

Das Raumprogramm des 210 Quadratmeter großen Wohnhauses ist exakt auf die Bedürfnisse der Bauherren zugeschnitten: Im untersten Geschoss, das zur Straße hin ebenerdig zugänglich ist, befindet sich ein Hobbyraum. Dieser Gebäudeteil steht wie ein Sockel im Erdreich und wurde ganzseitig aus Beton für wasserundurchlässige Bauwerke ausgeführt. Im hinteren Trakt sind die Gebäudetechnik für die Fußbodenheizung und die automatische Be- und Entlüftung sowie die Luftwärmepumpe angeordnet. Auf Straßenniveau liegt die teilüberdachte Stellfläche für den PKW. Eine interne Treppe führt den Hausherrn vom Erdgeschoss in die erste Etage. Besucher kommen jedoch über eine seitliche Treppe zum Eingang der ersten Etage, in der sich ein kleines Foyer, Bad und Gäste-WC sowie das Büro befinden. Nun erfolgt die Erschließung über innenliegende Treppen. Im zweiten Stock orientieren sich die Küche nach vorne und der Wohnbereich zur rückseitigen Gartenterrasse hin. Diese Wohnfläche hat keinerlei Stützen und wird nur von der einläufigen Stahlwangentreppe ins nächste Geschoss durchbrochen. Die Bereiche für Schlafen und Ankleiden unter dem Flachdach sind unterteilt. Last but not least bietet sich vom Badezimmer mit vorgelagerter Dachterrasse ein herrlicher Blick über das weite Tal. Das Haus geht eine enge Verbindung mit seinem Standort ein, weil es hochpräzise für die Aussicht in den Garten und übers Tal entworfen wurde.

Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Einfamilienhaus, Wiesloch

Bauherr:
privat

Projektentwicklung, Bauleitung und Schlüsselfertigbau:
bauwerk bauunternehmung gmbh, Reilingen

Architekten:
Thomas Fabrinsky, Karlsruhe

Statik:
Bruder & Van den Bergh, Hockenheim

Beton:
88 m³ Leichtbeton LC 12/13 XC4, XF1, WF, F4; Größtkorn 10 mm, Rohdichteklasse D 1,0 mit Zuschlägen aus Blähton und Blähglas

Betonlieferant:
Heidelberger Beton Kurpfalz GmbH & Co. KG

Betonentwicklung:
Betotech GmbH Baustofftechnisches Labor Eppelheim

Energiestandard:
EnEV

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