Diese Webseite erhebt Nutzungsdaten mittels Cookies. Weitere Informationen zu Ihrem Widerspruchsrecht und darüber, wie Sie das Speichern von Cookies verhindern können, finden Sie hier.

Foto

Andreas Friese, Michendorf

Ausgabe 3/2017Thema: Detail

Vom Zwirn zur Zentralbibliothek

Umbau der Aktienspinnerei in Chemnitz

Eines der bedeutendsten historischen Gebäude in Chemnitz wird bis 2019 zur Zentralbibliothek der Technischen Universität umgebaut und erweitert. Die alten Kappendecken mussten aus statischen Gründen mit einer besonders leichten, zementgebundenen Ausgleichsschicht überdeckt werden.

Historische Exponate werden im Deutschen Historischen Museum in Berlin aufbewahrt, für Ausstellungen vorbereitet oder für das Ausleihen in alle Welt fertig gemacht. In den letzten Jahren haben sich die Untersuchungsmethoden des historischen Bestands enorm verfeinert. Sei es die Restaurierung von Malerei, Fotografien oder Objekten der Alltagskultur: Jede Fachrichtung hat ihre spezifische Herangehensweise und dabei die Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern und Forschern intensiviert. In nahezu jeder Ausstellung ist Papier als Material vertreten. Bei ihrer Arbeit im DHM hat es die Papierrestauratorin Barbara Korbel außer mit konservatorischen Fragen auch mit ästhetischen zu tun. Bücher, Drucke, Papierobjekte oder alltägliche Gegenstände gehen durch ihre Hände. Sie entscheidet, ob etwa Gebrauchsspuren auf einem Brief zu seiner Geschichte gehören und ob Flecken auf einer Grafik in Hinblick auf das künstlerische Werk störend wirken.

Weitere Informationen

  • Poriment für denkmalgerechte Sanierung

    In Chemnitz wurde ein zweischichtiger Einbau mit der Flüssigdämmung Poriment realisiert. Im unteren Bereich, zur Verfüllung der Gewölbetäler, wurde Poriment P eingebracht. Durch Zugabe von Polystyrolkugeln wurde die geforderte, sehr niedrige Trockenrohdichte von 240 Kilogramm pro Kubikmeter erreicht. Zusätzlich bietet das Material sehr gute Wärmedämmeigenschaften. Darauf wurde im zweiten Schritt im Verbund der Porenleichtmörtel Poriment verlegt, der mit einer Trockenrohdichte von 400 Kilogramm pro Kubikmeter eine höhere Festigkeit und Stabilität an der Oberfläche bot. In den Etagen der Aktienspinnerei ist der Ausgleich am tiefsten Punkt der Gewölbedecke insgesamt bis zu 55 Zentimeter hoch.
    Die Herstellung von Poriment P erfolgte vor Ort. Der im Fahrmischer angelieferte Zementleim wurde mit Hilfe einer Spezialpumpe, dem Aeronicer, aufgeschäumt und mit Polystyrolkugeln gemischt. Der Porenleichtmörtel Poriment 0,4 ist ebenfalls vor Ort mit Hilfe einer Schaumkanone und dem angelieferten Zementleim hergestellt worden. Die Einstellung der Frischmörteleigenschaften wurde durch die Anwendungstechnik von HeidelbergCement zusammen mit dem Labor Betotech über gesamte Einbauzeit überwacht und betreut. In die Gewölbedecken der drei Etagen konnte der fließfähige Porenleichtmörtel durch Schlauchleitungen bis in die dritte Etage gepumpt und von den Estrichlegern aus Gersdorf eingebracht werden. Der zweischichtige Leichtausgleich bietet für den weiteren Fußbodenaufbau einen stabilen ebenen Untergrund, auf dem die Platten des Trockenestrichs verlegt werden. Die höhere Druckfestigkeit der oberen Schicht schützt die Ausgleichsschicht vor Beschädigungen, während in der Zwischenzeit die Nachfolgegewerke ihre Arbeiten verrichten.

Durch die Nutzung der Alten Aktienspinnerei seitens der Technischen Universität Chemnitz rücke insgesamt der universitäre Campus näher an die Innenstadt heran, so dass studentisches Leben, Forschung und Lehre das Stadtbild künftig noch stärker prägen würden, so der sächsische Finanzminister Unland anlässlich eines Ortstermins.

Foto

Andreas Friese, Michendorf

Foto

Andreas Friese, Michendorf

Foto

Andreas Friese, Michendorf

Info

In den Etagen der Aktienspinnerei ist der Ausgleich am tiefsten Punkt der Gewölbedecke insgesamt bis zu 55 Zentimeter hoch.

Foto

Andreas Friese, Michendorf

Für die Verfüllung von Gewölbehohlräumen wurden rund 2.000 Kubikmeter eines „leichten Baustoffes“ benötigt.

Für die Umgestaltung musste der Bau zunächst von allen Einbauten befreit und teils in Handarbeit in den Rohbauzustand zurückversetzt werden. So konnte das wertvolle gusseiserne Tragwerk mit den gemauerten Kappengewölben denkmalgerecht konserviert werden. Damit über den Kappendecken ein Bodenaufbau mit Anforderungen an schwere Lasten und die öffentliche Nutzung möglich wurde, mussten zunächst enorme Höhenunterschiede ausgeglichen werden. Bereits sehr früh in der Planungsphase hatte Monika Barth vom Technischen Vertrieb der ­Heidelberger Beton GmbH Kontakt mit dem Statiker des Bauvorhabens, André Neubert von Mathes Beratende Ingenieure in Chemnitz. Es wurden rund 2.000 Kubikmeter eines „leichten Baustoffes“ für die Verfüllung von Gewölbehohlräumen benötigt. Aus statischen Gründen sollte das Material im eingebauten Zustand nicht mehr als 240 Kilogramm pro Kubikmeter wiegen. Man entschied sich für die Flüssigdämmung Poriment, einen zementgebundenen Porenleichtmörtel, der je nach Anforderung in unterschiedlichen Rohdichte- und Festigkeitsklassen produziert wird.

Nach der Fertigstellung der Zentralbibliothek der TU Chemnitz wird die äußere Anmutung des historischen Baus mit ursprünglicher Dachform, herausragendem zentralem Mittelbau und zwei flankierenden Seitenflügeln wieder erkennbar sein. Es liegt am Gestaltungswillen der Bauherren und am feinen Gespür der Architekten für entscheidende Details, wenn sich moderne Nutzung und denkmalwürdiger Bestand auf wohlproportionierte Weise ineinander fügen.Susanne Ehrlinger

Datenschutzhinweis: Wenn Sie dieses Video abspielen, wird YouTube einen Cookie in Ihrem Browser speichern, der es YouTube erlaubt Sie wiederzuerkennen, sobald Sie YouTube direkt oder andere Webseiten mit eingebetteten YouTube Videos besuchen. Sie können diese Cookies jederzeit aus Ihrem Browser löschen. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der YouTube Webseite.

Objektsteckbrief

Projekt:
Umbau und Erweiterung Alte Aktienspinnerei zur Zentralbibliothek der Technischen Universität Chemnitz

Bauherr:
Land Sachsen, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement

Architekten:
ARGE Alte Aktienspinnerei, Architekten Siegmar Lungwitz, Lydia Heine, Thorsten Mildner (alle Dresden) und Thomas Rabe (Berlin)

Statiker:
Mathes Beratende Ingenieure GmbH, Chemnitz

Bauunternehmen:Abdichtungs- u. Estrichbau GmbH, Gersdorf

Produkt:Poriment P und Poriment 0,4, insgesamt 1.750 m³

Lieferant:
Heidelberger Beton GmbH

Lieferwerk:Olbernhauer Transportbeton, Werk Chemnitz, Blankenburger Straße

Pumpendienst:Donau Mörtel, Passau, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

Überwachung:Betotech Baustofflabor GmbH, Bereich Thüringen-Sachsen

Top

Dieser Inhalt ist schon bald verfügbar!

Zur Webseite zurückkehren