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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 3/2017

Vom Konzept bis ins Detail

Neubau der Hauptverwaltung der HeidelbergCement AG

Mehr als 50 Jahre lang war das Gebäude an der Berliner Straße 6 Sitz der Verwaltung von HeidelbergCement. Nun wird das Gebäude durch einen Neubau ersetzt. context im Gespräch mit Projektarchitekt Tobias Walter.

context: HeidelbergCement baut eine neue Hauptverwaltung. Warum?

Tobias Walter: Das alte Gebäude war schon seit einigen Jahren zu klein geworden und es entsprach auch nicht mehr den Anforderungen, die in Sachen Nachhaltigkeit und Effizienz an heutige Bürogebäude gestellt werden. Im Rahmen eines nicht-öffentlichen Wettbewerbs hat der Vorstand 2015 daher fünf renommierte Architekturbüros um ihre Entwürfe für einen Neubau gebeten, der langfristig bis zu 1.000 Mitarbeitern Platz bieten soll. Den Zuschlag erhalten hat schließlich der Entwurf der Architekten AS+P Albert Speer + Partner aus Frankfurt.

Ihr Heidelberger Architekturbüro W+ hat die Projektleitung des Neubaus übernommen. Wie steuert man solch ein Projekt?

In meiner Funktion bin ich das Bindeglied zwischen Theorie und Praxis – im Spannungsfeld zwischen Planung und Ausführung. Ich vertrete die Bauherrninteressen und achte darauf, dass das Projekt in einem Zeit- und Kostenrahmen bleibt. Von Vorteil ist in diesem Zusammenhang meine Praxiserfahrung als gelernter Zimmermann, die ich in Einklang bringe mit meinem Anspruch und Selbstverständnis als heutiger Architekt: Mir ist eine Lösung lieber, die funktioniert – statt eines fliegenden Entwurfs, der nicht umsetzbar ist. Wichtig für ein Vorhaben dieser Größenordnung sind für mich außerdem die kurzen Abstimmungswege bei HeidelbergCement. Das bringt das Projekt vorwärts.

Rendering Neubau

Der Entwurf der Architekten AS+P Albert Speer + Partner sieht drei kubische Gebäudeteile vor, die sich in ihrer Höhe zum Neckar hin moderat staffeln. Drei Innenhöfe bilden den jeweiligen Bezugspunkt jedes der drei Baukörper, die dank einer verbindenden Magistrale im Inneren zu einer Einheit verschmelzen. Gebaut wird auf dem Grundstück zwischen Berliner Straße im Westen und Humboldtstraße im Osten sowie zwischen Jahnstraße im Süden und Gerhart-Hauptmann-Straße im Norden. Grundsteinlegung für die neue Hauptverwaltung war am 30. Juni 2017.

Das neue Gebäude soll die Unternehmenskultur von HeidelbergCement widerspiegeln. Wie sieht das konkret aus?

In erster Linie geht es bei dem neuen Gebäude um eine hohe Funktionalität, um wirtschaftliche Effizienz sowie um einen hohen städtebaulichen Anspruch. Bodenständigkeit ist dem Unternehmen wichtiger als Prestige. Als global führender Baustoffhersteller möchte HeidelbergCement aber selbstverständlich auch seine Innovationskraft zeigen und seine modernen Baustoffe im Innen- und Außenbereich einsetzen. Unser Ziel ist ein modernes, funktionales Gebäude, das aber auch einzelne Highlights aufweist, die einen Aha-Effekt hervorrufen. Die ungewöhnliche Fassadengestaltung aus vorgefertigten Elementen zum Beispiel wird durch ihre weiche abgerundete Formensprache die Vielseitigkeit und Schönheit von Beton zeigen.

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Architekten AS+P Albert Speer + Partner

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Feierlicher Moment und Start für die Bauarbeiten: Die Grundsteinlegung für die neue Hautpverwaltung von HeidelbergCement am 30. Juni.

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Was ist für Sie bei der Planung besonders wichtig?

Wenn man von Anfang an die richtigen Parameter setzt, gibt es später weniger Probleme. Anspruchsvolle Details in der Ausführung erfordern eine detailgenaue Planung bereits in den frühen Phasen des Projektes. Das bedeutet eine exzellente Vorarbeit und intensive Gespräche im Vorfeld zur Definition der Zielvorgaben. Genauso verhält es sich mit dem öffentlichen Umfeld. Hier war uns von Beginn an sehr wichtig, dass sensibel mit dem Umfeld umgegangen wird. Wichtig war zum Beispiel, dass sich die neue Zentrale durch eine angemessene Maßstäblichkeit gut in ihre Nachbarschaft integriert. Das Gebäude selbst soll künftig auf 34.000 Quadratmetern eine moderne und freundliche Arbeitswelt bieten. Daher gibt es strenge Vorgaben zur Gebäudetiefe und Raumbreite. Die einzelnen Baukörper sind als „Kreisläufe“ organisiert, um für die Mitarbeiter kurze Kommunikationswege zu gewährleisten. Tücken im Detail bergen vor allem die Themen Brandschutz und Schallschutz, da die heutigen Anforderungen immens sind. In der Summe wird der Neubau eine tolle Kombination aus ansprechender Optik und Praktikabilität.


Info

Tobias Walter ist Geschäftsführender Gesellschafter der W+ Architektur- und Ingenieurgesellschaft mbH in Heidelberg. Er ist verantwortlicher Projektarchitekt für den Neubau der Hauptverwaltung von HeidelbergCement.

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Verträgt das Gebäude im Inneren später auch noch Änderungen?

Es gibt nicht den Plan, der einmal gezeichnet und dann nicht mehr verändert wird. Aber jede Änderung kostet Geld, was wir natürlich vermeiden möchten. Daher haben wir das Gebäude von Anfang an modular aufgebaut. Das heißt, alle Innenwände der Bürobereiche können bei Bedarf immer wieder flexibel eingeteilt werden. Unser Anspruch war es, Gleichheit für alle Mitarbeiter zu schaffen, zum Beispiel in Bezug auf Bürogröße oder Lichtverhältnisse. Verzichten werden wir dagegen auf Details, die ausschließlich toll aussehen, aber nicht bis zu Ende gedacht und somit nicht funktional sind.

Der Neubau der Hauptverwaltung soll nach Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert werden. Wie wird das erreicht?

Das Ziel von HeidelbergCement ist ein Neubau im Platin-Standard. Das macht eine anspruchsvolle Planung in vielen Bereichen notwendig. Als Baustoffhersteller ist HeidelbergCement hier in der glücklichen Lage, eigene innovative Produkte einzusetzen, wie TioCem, den Spezialzement zur Schadstoffreduktion. Alle im Gebäude verbauten Materialien werden höchsten Ansprüchen an das schadstoffreduzierte Bauen gerecht. Der Neubau ist zudem weitgehend barrierefrei. Ein intelligentes Klima- und Energiekonzept versteht sich von selbst. Last but not least: Die neue Hauptverwaltung wird auch in der Gestaltung der Außenanlagen die Firmenphilosophie von ­HeidelbergCement in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Naturschutz sichtbar machen.Conny Eck

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