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Vorsichtig und mit feinsten Pinseln werden historische Papiere restauriert.

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© Deutsches Historisches Museum/Bruns.

Ausgabe 3/2017

Kunst unterm Mikroskop

Von der Arbeit einer Papierrestauratorin

Papier ist nicht gleich Papier. Mit Blick aufs Detail lassen sich Bestandteile, Alter, Herkunft, Zustand ablesen. So können etwa Geldnoten, Grafiken, Plakate oder dreidimensionale Objekte sorgfältig restauriert und präsentiert werden.

Historische Exponate werden im Deutschen Historischen Museum in Berlin aufbewahrt, für Ausstellungen vorbereitet oder für das Ausleihen in alle Welt fertig gemacht. In den letzten Jahren haben sich die Untersuchungsmethoden des historischen Bestands enorm verfeinert. Sei es die Restaurierung von Malerei, Fotografien oder Objekten der Alltagskultur: Jede Fachrichtung hat ihre spezifische Herangehensweise und dabei die Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern und Forschern intensiviert. In nahezu jeder Ausstellung ist Papier als Material vertreten. Bei ihrer Arbeit im DHM hat es die Papierrestauratorin Barbara Korbel außer mit konservatorischen Fragen auch mit ästhetischen zu tun. Bücher, Drucke, Papierobjekte oder alltägliche Gegenstände gehen durch ihre Hände. Sie entscheidet, ob etwa Gebrauchsspuren auf einem Brief zu seiner Geschichte gehören und ob Flecken auf einer Grafik in Hinblick auf das künstlerische Werk störend wirken.

Original und Fälschung

Ein geschlossener Fensterflügel, eine fehlende Locke, ein überzähliges Segel: Beim Zeitvertreib „Original und Fälschung“ geht es um zugefügte oder entfernte Kleinigkeiten in zwei angeblich gleichen Bildern, keine große Herausforderung für den geübten Betrachter. Komplizierter war es für die Gutachter von Gemälden des Malers Wolfgang Beltracchi, der mit angeblich unbekannten Werken bedeutender Provenienz von sich hören machte. Als Kunstfälscher ertappt wurde er erst, als bei einem angeblich von 1914 stammenden, für Millionen verkauften Werk bei der exakten Untersuchung Spuren des Weißpigments Titandioxid entdeckt wurden – dieser Farbstoff war damals noch unbekannt und kam erst Jahre später auf den Markt. Heute wird Titandioxid unter anderem als Aufheller von Zement und Beton verwendet – für eine durch und durch unverfälschte Architektur.

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© Deutsches Historisches Museum/Bruns.

Eine genaue Zustandsbeschreibung ist Ausgangspunkt jeder Restaurierung, die stets nachvollziehbar sein muss. „Papier sieht auf der Oberfläche ganz anders aus, als unter dem Mikroskop“, meint die Restauratorin. Wenn man sich in die Tiefe begibt, erschließt sich eine faszinierende andere Welt.“ Ist das Papier vergilbt, nur gealtert und verschmutzt oder weist es Schimmelbelag auf, der zu Substanzabbau führt? Auch das Alter kann ermittelt werden. „Bestimmte Reflexe unter UV-Licht deuten auf Bestandteile hin, die es erst seit einer gewissen Zeit gibt“, weiß die Expertin. Enthält es Holzfasern und wurde mit einer Harz-Aluminiumsulfatlösung produziert, wie es bei industriell gefertigten Papieren ab Anfang des 20. Jahrhunderts der Fall war? Dann bildet es mit der Luftfeuchte Säure, die das Papier bis zum völligen Zerfall zerstören kann. „Malschichten können heute in winzigsten Partikeln analysiert werden, man gießt eine Probe in Harz und untersucht sie dann einen sogenannten Querschliff unterm Mikroskop“, beschreibt Barbara Korbel. Auch Knicke, Risse, Fehlstellen werden registriert und frühere Reparaturen vermerkt.

Schlüter trifft I.M.Pei

Seine Ausstellungen zeigt das Deutsche Historische Museum im barocken Zeughaus, dem ältesten Gebäude Unter den Linden und in der angrenzenden Ausstellungshalle des chinesisch-amerikanischen Architekten I.M. Pei. Hier treffen bildhauerische Qualitäten, insbesondere die als Masken gestalteten 22 Schlusssteine von Andreas Schlüter auf ein städtebauliches Meisterwerk, das Transparenz, Lichtführung und Bewegung auszeichnet. Durch bewusst konstruierte Sichtachsen gelingt die architektonische Korrespondenz der Bauwerke aus Vergangenheit und Gegenwart bis ins Detail.

Eine genaue Zustandsbeschreibung ist Ausgangspunkt jeder Restaurierung, die stets nachvollziehbar sein muss.

Eine der ersten restauratorischen Maßnahmen ist die sorgfältige Trockenreinigung, ein Vorgang, der mit einer Art Radiergummi Stunden dauern kann. „Historische Architektenpläne etwa müssen nass gereinigt werden“, erläutert die Papierexpertin. „Das ist kritisch, weil sich bei der Trocknung Maße ändern könnten, dieser Prozess muss exakt festgehalten werden.“ Außerdem muss, „bei extrem geschädigten Blättern zuvor geprüft werden, ob die Nassreinigung für die Malschicht unkritisch ist oder ob sie zuvor gefestigt werden muss.“

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Auch nach Jahren freut sich Papierrestauratorin Barbara Korbel an ihren vielfältigen Aufgaben im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

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© Deutsches Historisches Museum/Bruns.

Nach dem Reinigen stabilisiert die Restauratorin die Papiere, ersetzt Fehlstellen mit Original- oder Japanpapier, manchmal stellt sie auch selbst das passende Material aus einem Papierfaserbrei her. Bei hauchdünnen Papieren stellt sich oft die Frage, wo welches Teil positioniert war, um es dann als Fragment zu montieren. Ein Objekt so authentisch wie möglich zu lassen und nur minimal einzugreifen, ist auch der Ansatz beim behutsamen Retuschieren. Wenn Barbara Korbel fein mit Aquarellfarbe oder Pastellkreide retuschiert, nimmt sie, wenn nötig, auch einen Pinsel mit drei Haaren. So nähert sie sich dem Original auf nachvollziehbare Weise an und wahrt gleichzeitig dessen Authentizität.Susanne Ehrlinger

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