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Zwischen wassergebundener Wegedecke und kleinteiliger Pflasterung bietet ein durchgefärbtes Ortbetonband eine barrierefreie Durchgangsfläche.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 3/2017Thema: Detail

Kleiner Beitrag zur Stadtreparatur

Platzgestaltung Hopfengarten Mainz

In der Mainzer Innenstadt korrespondiert die Platzgestaltung am Hopfengarten mit der neuen, ästhetischen Wohnbebauung der Münchner Architekten Hild und K. Der Farbbeton für eine barrierefreie Fläche erforderte bei der Mischung der einzelnen Komponenten besonderes Fingerspitzengefühl.

Lange war das Gebiet um den Hopfengarten eine innerstädtische Brache, ein Parkplatz ohne Charme, wie sich Mainzer Bürger erinnern. Konzepte zur Neugestaltung entstanden bereits Ende der 1980er Jahre. Eine Bürgerinitiative wurde eigens gegründet, um am Platz wieder französisches Flair aufleben zu lassen. Immerhin hatte die Französische Revolution bis nach Mainz gewirkt und dort in einer der ältesten Städte Deutschlands die Verhältnisse umgewirbelt. Ein Detail der Geschichte ist, dass Mainz just zu jenen 36 Städten gehörte, die neben Paris, Marseille, Versailles, Reims und anderen unter Napoleon zur „Bonne ville de l’Empire francaise“ ernannt wurden. Städtebaulich sollten solche exklusiven Orte eine Art Aushängeschild des französischen Kaiserreichs sein.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Auch 200 Jahre später eignete sich der Hopfengarten noch nicht zum Flanieren; vielmehr wurde die öde Parkplatzfläche lange von Anwohnern kritisiert. Nach umfänglichen Planungen bereichert inzwischen ein attraktiver Wohnungsbau der Münchner Architekten Hild und K das Quartier am Rande der Altstadt. Im Zusammenhang mit diesem Neubau wurde auch eine Platzgestaltung spruchreif, zumal Fördergelder des Landes Rheinland-Pfalz zugesagt worden waren. Die nachhaltige Gestaltung des öffentlichen Raumes sollte zu verschiedenen Baustilen der umliegenden Häuser passen und auch mit dem neuen, an der Fassade präzise detaillierten Wohnungsbau harmonieren. Nach einem Auswahlverfahren entwickelten die Planer des Büros Sinai, Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, im Auftrag der Stadt und mit reger Bürgerbeteiligung einen stimmigen Entwurf für das kleine Projekt. Die Landschaftsplaner aus Berlin planen in Mainz zurzeit auch große Freiflächen am Rheinufer im Bereich des entstehenden urbanen Quartiers Zollhafen. Der von Platanen beschattete kleine Hopfengartenplatz zeigt nun verschiedene Beläge, von einem Kleinsteinpflaster entlang der Häuserkanten – als Bezug zur Altstadt – über eine wassergebundene Wegedecke bis zu einer eingefärbten Ortbetonfläche.

Eine durchgefärbte Ortbetonfläche dient der barrierefreien Anbindung von einer Bushaltestelle zur Altstadt.

Sie quert das Areal als glattes Band in einer Länge von 37 Metern und bietet eine barrierefreie Anbindung von einer Bushaltestelle zur Altstadt. Diese hellgelbe, drei Meter breite Bodenfläche, die der schwellenlosen Durchquerung des Platzes und zur Anlieferung dient, sollte farblich zur gelbbeigen Splittabstreuung der Wegedecke passen. Gleichzeitig musste sie in ihrer Beschaffenheit den hohen Anforderungen an einen Fahrbahnbelag genügen. Die entsprechende Materialzusammensetzung entwickelte Betontechnologe Bodo Wollny von Heidelberger Beton – nicht zu verwechseln mit Frank Wollny, der bei diesem Projekt als Bereichsleiter des Betotech Baustofflabors Rhein-Nahe den speziellen Beton überwachte.

„Um den geforderten hohen Frost-Tausalzwiderstand zu gewährleisten, wurde der Beton mit chemischen Luftporenbildnern produziert.“

Bodo Wollnyg

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Bei solch sensiblen Betonzusammensetzungen wird jedes Fahrzeug überprüft. Hier von der Betotech Rhein-Nahe

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Bodo Wollny erläuterte das Verfahren: „Um den geforderten hohen Frost-Tausalzwiderstand zu gewährleisten, wurde der Beton mit chemischen Luftporenbildnern produziert. Bei so einem LP-Beton kann das Wasser, das sich bei Frost ausdehnt, in die Mikroluftporen ausweichen, sodass der Eisdruck keinen Schaden verursacht.“ Die Kunst bestand nun darin, Flüssigfarbe und Luftporenbildner so zu kombinieren, dass auch die geforderte Festigkeit erreicht werden konnte. Drei Betonmischer voll mit hellgelbem Farbbeton lieferte das Betonwerk dem Bauunternehmen Blümling, das den gesamten Platz ausführte. Zuvor waren einige Musterplatten mit verschiedenen Anteilen von Flüssigfarbe zur Anschauung produziert worden. Denn Gelbnuancen gibt es viele, je nach beigemischter Farbmenge fallen sie zu intensiv oder zu schwach aus. Das Muster mit drei Prozent der Farbanteil überzeugte die Projektverantwortlichen. Binnen kurzer Zeit verdichteten die Betonbauer von Blümling den Fahrbahnbeton auf einer Schotterschicht mit dem Rüttler und führten als Finish einen Besenstrich aus. Ein Curingmittel und eine Folie sorgten dafür, dass der Beton in Ruhe abbinden konnte. Heute wird auf der verkehrsberuhigten Platzfläche auch wieder Markt gehalten. Sie präsentiert sich sowohl den Bewohnern als auch den Besuchern der zahlreichen angrenzenden Lokale und kleinen Geschäfte in einem ansprechenden, urbanen Erscheinungsbild.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Platzanlage mit durchgefärbter Fahrbahndecke rund 100 m2, 37 m lang, 3 m breit, 21 cm hoch

Bauherr:
Stadt Mainz

Lanschaftsplaner:
SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin, Bis Leistungsstufe 5

Bauleitung:
Mainz, Stadtplanungsamt, Abteilung Straßenbetrieb, ((61.0))

Bauunternehmung:
Blümling Baugesellschaft mbH, Sohren

Fahrbahndecke:
Produkt Farbbeton, 20 m³ C 30/37 F3 16er GK XC4 XD3 XF4 XA2 XM2mit Sika Color Flüssiggelb FF920, 3% und Sika Luftporenbildner

Betonproduzent:
Heidelberger Beton GmbH, Lieferwerk Alzey

Überwachung:
Betotech Baustofflabor GmbH Bereich Rhein-Nahe

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