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Ausgabe 3/2017

Hoffnungsvoll detailverliebt

Vom Großen und Kleinen in der Architektur

Details sind keine Randnotiz des Bauens. Sie sind ein Leitmotiv der Architektur, beim Formen wie beim Fügen. Erst das klug entwickelte Detail gibt die Antworten auf all jene Fragen, die Konstruktion und Gestaltung im Entwurfsprozess aufwerfen. Deshalb bedarf es stets aufs Neue einer präzisen Detaillierung, um vom Großen ins Kleine zu kommen.

Zu „detaillieren“, das bedeutet im ursprünglichen Sinn des französischen Wortes, die Dinge in ihre Einzelteile zu zerlegen – um sie dann so funktional wie stimmig zusammensetzen zu können. Details zu formulieren gehörte seit der Errichtung der allerersten Hütten aus Holz und Stein zum Alltagsgeschäft des Bauens. Und dann gibt es da jene Details, die einem ein Lächeln des Genusses ins Gesicht zaubern: wie die schmalen Bretterschalungen des Betons mit ihrer herrlichen Textur, die I.M. Pei bei einigen seiner Museen geschaffen hat – der Altmeister der Moderne hat just im April seinen hundertsten Geburtstag gefeiert.

Im Detail steckt nicht nur der Teufel, dort wohnt gestern wie heute auch die Schönheit. Das lehrt beispielsweise der Blick auf die kunstvollen Waben aus Waschbeton, die einst Egon Eiermann für die Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin entwickelt hat, die gerade erst kunstvoll restauriert wurde. Fasziniert die Betrachter von außen die Schönheit der Wabenstruktur, so überwältigt sie der zarte Sakralraum im Inneren durch die farbige Leuchtkraft, die die gläserne Füllung der Waben im Sonnenlicht entfaltet.

Geballte Wissenschaft – Science Slam

Anders als ein Grand Slam bringt ein Science Slam keine Sport-Größen auf den Platz, sondern junge Wissenschaftler auf die Bühne. Sie müssen im Studium hartnäckig ins Detail gehen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Egal, ob sie sich mit mikroskopisch kleinen Partikeln befassen, die auf Asteroide prasseln, oder mit ultrafeinen Kohlenstoffkügelchen, die in Abgasen in Größen von weniger als hundert Nanometern entstehen – einer breiten Öffentlichkeit ließen sich ihre wissenschaftliche Erkenntnisse bislang kaum vermitteln. Seit einiger Zeit jedoch lockt der Science Slam Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm: Auf erfrischende Weise verlassen junge Forscher jeder Fachrichtung ihre Hörsäle und Labore, um ihre Arbeit auf den Bühnen von Clubs, Kneipen oder Theatern vorzustellen. Im Zeitraffer von je zehn Minuten präsentieren sie im spielerischen Wettbewerb ihre komplexen Projekte. Das Publikum wählt aus den spannenden und witzigen Vorträgen den beliebtesten aus. Wer mit seinen Inhalten Kopf und Herz der Zuschauer erreicht, gewinnt den Science Slam.
Termine im Herbst finden sich unter www.scienceslam.de

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Der in Berlin lebende Architekt Francis Kéré aus Burkina Faso gestaltet in diesem Jahr den Serpentine Pavillon in London.

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Iwan Baan

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Im Detail steckt nicht nur der Teufel, dort wohnt gestern wie heute auch die Schönheit.


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Beim Museum of Islamic Art in Doha, Katar von I.M. Pei Architects sind Fassade, Gesamtensemble und Gebäudeteile bis ins Detail wohldurchdacht

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So einfach manche Details auf den ersten Blick wirken mögen, der Weg zu ihnen führt nur über die Klarheit im Denken und Entwerfen, wie etwa bei den Arbeiten von Francis Kéré. Dabei verbindet der in Berlin arbeitende Architekt aus Burkina Faso – der in diesem Jahr den Serpentine Pavillon in London gestalten darf – Poesie mit Funktion. Die „Windtürme“, die seine Oberschule in Koudougou bekrönen, leiten den kühlenden Wind durch die Klassenräume, während ein kleiner „Wald“ aus schlanken Eukalyptusstützen ein Vordach trägt. So entsteht ein besonderer Raum für die Schüler, dessen schattenspendendes Zwielicht vor der unerbittlich brennenden Sonne schützt.

Detailverliebt sprudelten im Barock die Grotesken aus den Füllhörnern seliger Stuckputti, während im Rokoko geschweifte Roccaillen die Wände in goldgefasste Muschelbänke verwandelten und der Historismus des 19. Jahrhunderts die Blicke seiner Betrachter mit opulenten Details wie den muskelschweren Atlanten fesselte. Die Moderne aber predigte die reine Klarheit von Konstruktion, Form und Funktion. Sie fordert die absolute Präzision. Hier muss jedes Detail sitzen, weil das Ganze sich sonst ganz schnell im Banalen verliert – von der Lage eines Hauses im Stadtraum über die Dicke seiner Fassadenprofile bis hin zum Material der Fenster. Spätestens dort wird deutlich, dass Details nie überflüssiges „surplus“ sind, sondern den Kern des Bauens beschreiben. Sie sind keine Frage der Kosten eines Bauwerks (zumindest nicht ausschließlich), aber sie geben immer den Ausschlag für seine Qualität. Gute Details fordern unsere Aufmerksamkeit wie unsere Wertschätzung, denn an der Qualität eines Details lässt sich die Tiefe ablesen, mit der sein Entwerfer eine architektonische Aufgabe durchdrungen hat.Jürgen Tietz

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