Diese Webseite verwendet Cookies um die Benutzererfahrung zu verbessern. Weitere Informationen dazu und zur Deaktivierung finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Info

v.l.: Christian Knell und Ottmar Walter, Geschäftsleitung von HeidelbergCement in Deutschland

Foto

© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 3/2017Thema: Detail

Große Herausforderung trotz stabiler Baukonjunktur

HeidelbergCement Deutschland

Anziehende Energie- und Rohstoffpreise, steigende Lohnkosten und verschärfte Umweltauflagen – das sind Herausforderungen, denen sich HeidelbergCement in Deutschland stellen muss. Trotz stabiler Marktsituation verursachen die steigenden Kosten weiterhin starken Druck auf die Margen. „context“ im Gespräch mit Christian Knell und Ottmar Walter (Geschäftsleitung von HeidelbergCement in Deutschland) über die aktuelle Entwicklung am Markt.

context: Die Bauwirtschaft in Deutschland läuft derzeit rund, eigentlich müssten Sie in Feierlaune sein, beklagen jedoch einen hohen Margendruck in allen Geschäftsbereichen. Woran liegt das?

Ottmar Walter: Das Hauptproblem sind die steigenden Kosten – und zwar quer durch alle Sparten – vor allem bei den Rohstoffen, der Energie und bei den Löhnen. Allein die Lohnerhöhungen schlagen mit 4 bis 5 Millionen Euro jährlich zu Buche. Bei den Rohstoffen sehen wir beispielsweise bei Lithonplus Kostensteigerungen von bis zu 15 Prozent. Auch in den anderen Sparten liegen wir hier durchweg bei plus 10 bis 15 Prozent. Das alles verursacht schnell Mehrkosten von 4 bis 5 Euro pro Tonne im Zement und von 2,50 bis 3 Euro pro Kubikmeter Beton. Insgesamt ist die Erlösentwicklung derzeit unbefriedigend. Wenn die Kosten steigen, gleichzeitig aber die Margen zurückgehen, dann ist das ist nicht nachhaltig, auch wenn die Marktsituation insgesamt stabil bis gut aussieht.

Ein weiterer Faktor sind die verschärften Umweltauflagen durch die novellierte 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV), die derzeit von den deutschen Zementherstellern erhöhte Investitionen in ihre Anlagentechnik erfordern. Wie geht ­HeidelbergCement mit diesen Herausforderungen um?

Christian Knell: Da viele unserer Drehrohröfen teilweise über 40 Jahre alt sind, ist es mit der zurzeit installierten Technik kaum möglich, die neuen, strengeren Grenzwerte für Stickoxide und Ammoniak einzuhalten. Um unsere Werke fit für die Zukunft zu machen, haben wir daher das Investitionsprogramm „Masterplan Deutschland“ aufgelegt. Der Masterplan ist auf insgesamt fünf Jahre angelegt und betrifft mehr oder weniger alle deutschen Zementwerke. HeidelbergCement investiert allein 300 Millionen Euro in den Umweltschutz und in die Effizienz der Werke. Das ist enorm viel Geld, das wir aufgrund gestiegener Umweltanforderungen in die Hand nehmen müssen. Damit steigen nicht nur unsere Abschreibungen spürbar an, sondern unsere Produktionskosten erhöhen sich durch zusätzliche Betriebs- und Wartungskosten pro Tonne Zement.

HeidelbergCement investiert allein 300 Millionen Euro in den Umweltschutz und in die Effizienz der Werke.

Neben den verschärften Umweltanforderungen ist auch Energie ein Dauerthema für die Zementindustrie, da die Werke einen immensen Energiebedarf beim Herstellungsprozess haben. Das betrifft einerseits Strom und andererseits Brennstoffe. Nach einer Phase sinkender Energiepreise sehen wir jetzt wieder einen Anstieg. Wie können Sie gegensteuern?

Christian Knell: Der Produktionsfaktor Energie ist einer der größten Kostentreiber für die Branche. Wir Zementhersteller haben deshalb seit jeher ein hohes Eigeninteresse an der Steigerung der Energieeffizienz. Im Bereich Brennstoffe setzen wir hier weiter auf den verstärkten Einsatz von sogenannten Sekundär- also Ersatzbrennstoffen – wie beispielsweise Kunststoffreste, die Kohle ersetzen können. Daher planen wir bei den Masterplan-Umbauten in den neuen Öfen eine mögliche Steigerung der Ersatzbrennstoffraten von Beginn an mit ein. Auf der anderen Seite steigt durch die neue, aufwändigere Technik, zum Beispiel bei den Katalysatoren, der Stromverbrauch pro Tonne Zement wieder an.

Was sind die größten Kostentreiber in den anderen Sparten?

Ottmar Walter: Im Bereich Kalksandstein sind es die steigenden Energie- und Rohstoffkosten. So sind beispielsweise die Schwerzuschläge aufgrund der aktuellen Knappheit um 18 Prozent teurer geworden. Bei den Betonwaren sind es, wie schon erwähnt, die Verteuerung der eingesetzten Rohstoffe, die Energiepreise und die steigenden Personalkosten. Im Transportbeton spielt neben der Verfügbarkeit von Personal und der Preisentwicklung bei den Rohstoffen auch das Thema Logistik eine wichtige Rolle. Es fehlen vielerorts bereits Fahrer und Kapazitäten. Und bei Sand und Kies ist das wichtigste branchenspezifische Thema derzeit die Rohstoffsicherung. Dort wo die Ressourcen zur Neige gehen, ist die Neubeschaffung schwierig, da Grundstückspreise extrem teurer geworden sind und wegen der langen Genehmigungsverfahren teilweise Jahrzehnte vorher geplant werden muss. All das erfordert Investitionen, die sich aber erst einmal nicht auf das operative Geschäft auswirken.

Wie wollen Sie die negative Entwicklung auf der Kostenseite lösen?

Christian Knell: Indem wir so effizient wie möglich arbeiten. Hierfür haben wir eine Reihe von speziellen Programmen aufgelegt, die uns intern helfen, unsere Abläufe zu standardisieren und zu optimieren und damit die Kosten zu senken. Durch den Einsatz von alternativen Brennstoffen und neuen Rezepturen lassen sich weitere Stellschrauben drehen. Klar ist aber auch, dass dies nicht reicht, um die Kostensteigerungen komplett aufzufangen. Am Ende werden wir nicht umhin kommen, uns mit dem Thema Preiserhöhungen in allen Sparten zu beschäftigen.Elke Schönig

Links

www.heidelbergcement.de

Top

Dieser Inhalt ist schon bald verfügbar!

Zur Webseite zurückkehren