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Der Verein Flussbad Berlin möchte die Spree wieder in den Mittelpunkt rücken und den Fluss im Zentrum Berlins als gesäuberte Lebensader für alle zugänglich und neu erfahrbar machen

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realities:united/Flussbad Berlin e.V.

Ausgabe 3/2016

Zu neuen Ufern

Flussbad Berlin

Vor hundert Jahren war Schwimmen in der Spree noch ein öffentliches Vergnügen. Nun soll ein Abschnitt des stark verschmutzten Spreekanals mit einem natürlichen Pflanzenfilter gesäubert werden. In naher Zukunft könnte die Museumsinsel eine ökologische Attraktion und eines der schönsten Flussbäder der Welt erhalten.

Pack die Badehose ein – nein, es geht nicht raus zum Wannsee. Ein paar Mutige haben es sich mitten in der Stadt wieder getraut: 173 Zeitschwimmer und -schwimmerinnen sowie 34 weibliche und 51 männliche Badegäste wagten in diesem Sommer, trotz der trüben Brühe, die das Spreewasser immer noch ist, den Start. Sie schwammen beim „Berliner Flussbad Pokal“ auch für eine Vision, die nach den Vorstellungen des Vereins Flussbad Berlin bald Wirklichkeit werden könnte: ein für Mensch und Natur unbedenkliches Spreewasser, das wie früher zum Schwimmen einlädt und eine Pflanzen und Tieren Lebensraum mitten in der Stadt bietet. Mit ihren Vorstellungen stehen die Berliner Initiatoren nicht alleine da. Flussbäder und Flussbad-Initiativen gibt es inzwischen in vielen Städten weltweit. In Zürich ist das Baden in der Limmat beispielsweise ein beliebtes Vergnügen, auch die Isarauen in München locken Tausende in die Fluten. Helsinki hat sein Bad in den Südhafen gebaut. Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2009 hat Linz den Donaustrand im Zentrum zugänglich gemacht, mit guter Wasserqualität. London plant die Wiederbelebung seiner historischen Themsebäder und New York will einen schwimmenden Pool in den Hudson River stellen, um nur wenige zu nennen. In Berlin ist der Schwimmwettbewerb unter Schirmherrschaft des Bezirksbürgermeisters Dr. Christian Hanke und in Kooperation mit der Berliner Triathlon Union entlang des Kupfergrabens an der Museumsinsel nun zum zweiten Mal ausgetragen worden. Dabei ist die Idee eines Berliner Flussbads schon viel älter. Bereits 1997 riefen die Brüder Jan und Tim Edler das Projekt ins Leben, das zum Inhalt hat, den innerstädtischen Spreekanal zu säubern, zugänglich und auf neue Weise nutzbar zu machen. Inzwischen hat sich das Vorhaben sehr konkretisiert und viele Mitstreiter gewonnen. Illusorisch wäre, binnen einer Generation einen Fluss wie die Spree renaturieren zu wollen. So beschränkte man sich auf einen Kanalabschnitt und unterteilte das Projekt in drei realisierbare Teilbereiche. In einem soll das Wasser im Spreekanal mittels Filtersystem aus Kiessediment effektiv und ökologisch gesäubert werden. Da bei starken Regenfällen immer noch ungefiltert Abwässer aus der Kanalisation in die Spree eingeleitet werden und man nicht warten kann, bis die städtische Abwasserwirtschaft hier auf lange Sicht Abhilfe schafft, soll ein zusätzliches Bewirtschaftungsbauwerk den überwiegenden Teil dieses temporär anfallenden Abwassers zurückhalten und es nach Ende des Regens sukzessive zu den Klärwerken pumpen.

Schwimmen im Spreekanal
Ökologisches Entwicklungsprojekt

„Flussbad Berlin“ ist ein Stadtentwicklungsprojekt, das den innerstädtischen 1,8 Kilometer langen Spreekanal zwischen Fischerinsel und Bode Museum in einen öffentlich zugänglichen, nicht kommerziellen Ort der Erholung umwandeln möchte. Entlang einer renaturierten Parklandschaft sollen neue Uferwege entstehen. Dank eines Pflanzenfilters zwischen Gertraudenbrücke und Auswärtigem Amt wird aus verschmutztem Spreewasser natürlich gereinigtes Wasser, das ab Höhe des Schlossplatzes bis zur westlichen Spitze der Museumsinsel in ein 840 Meter langes Flussbad mündet. Nach Umsetzung des Projekts wäre Berlin um eine ökologische Attraktion reicher und zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße entstünde ein neues grünes Bindeglied. Mit der Weiterentwicklung der Projektidee ist der gemeinnützige, gleichnamige Verein „Flussbad Berlin“ vom Bund und vom Land Berlin im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus” beauftragt.

Die Spree, ein Ort der Begegnung für die Stadtgesellschaft

Der geringe restliche Überlauf wird durch ein langes Rohr, an das auch die fünf weiteren, kleinen Überläufe angeschlossen sind, in die Hauptspree jenseits des Bode Museums geleitet. Ein weiterer Teilbereich am Ende des Kanalabschnitts ist einer renaturierten Wasserlandschaft vorbehalten, die der Wiederherstellung eines ökologischen Gleichgewichts der Spree dienen soll. Dazwischen entsteht durch die Filterung ein 840 Meter langer Bereich des Spreekanals, der einen angenehmen Aufenthalt am Wasser und auch das gesundheitlich unbedenkliche Eintauchen in die Fluten ermöglicht. Zugang schaffen sollen zwei abgetreppte Uferwände am Berliner Lustgarten und am Humboldt Forum. Über die benötigte Stadtmöblierung und Infrastruktur für Badende, wie Umkleiden, Duschen oder Schließfächer, wird bereits nachgedacht.

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2014 hatte die Lotto-Stiftung dem Verein Gelder für eine technische Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Seit November desselben Jahres wird das Vorhaben als ein Nationales Projekt des Städtebaus vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für vier Jahre gefördert. Geboren aus einer verrückten Idee, rückt das Ziel, die Ufer der Spree und den Spreekanal selbst zu einem neuen Ort der Begegnung für die Stadtgesellschaft zu machen, in immer greifbarere Nähe.Susanne Ehrlinger

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