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Das verzweigte Gewebe der Gebäudehülle, die teils an Wurzelwerk oder Geäst erinnert, erzeugt ein lebendiges Licht- und Schattenspiel.

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© Mario e Pietro Carrieri

Ausgabe 3/2016Thema: Stadt|Land|Fluss

Primadonna unter den Pavillons

Architektur, der Natur nachempfunden

148 Länder präsentierten sich im vergangenen Jahr auf der Expo 2015 in Mailand. Herausragendes Bauwerk war dabei der Italienische Pavillon, dessen weiße Fassade aus vorgefertigten Elementen, produziert mit einem umweltaktiven Spezialmörtel von Italcementi, einem natürlichen Flechtwerk nachempfunden ist.

Seit der Zeit der Industrialisierung messen Länder ihre unterschiedlichen technischen und kunsthandwerklichen Leistungen auf Internationalen Weltausstellungen. Schon früh präsentierten sich die Länder in eigenen Pavillonbauten und versuchten, ihre länderspezifischen Charakteristika auch mit interessanter Architektur auszudrücken. Diese war oft von den örtlichen Gegebenheiten, den regionalen Materialien, der Art der Produktionsweise oder dem Stand der Technik in den jeweiligen Herkunftsländern geprägt. Das scheint bis heute zu gelten und so zeigte sich der Italienische Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand in einer Mischung aus extravaganter Grandezza und nachhaltiger Naturverbundenheit: Über eine Höhe von 35 Metern erhebt sich ein organisches Geflecht aus vorgefertigten, durch Zugabe von Titanoxid umweltaktiven Betonelementen, das den Pavillon als stilisierten Stadtwald erscheinen lassen soll. 9.000 Quadratmeter Fassade erstrahlen in einem Weiß, das durch den Zusatz von feinem Ausschuss aus Carrara-Marmor noch intensiver erscheint. Dabei bestehen 80 Prozent des eingesetzten Mörtels aus recyceltem Material. Ziel der Planer war ein von der Natur inspiriertes, gleichwohl modernes und innovatives Gebäude, unter Berücksichtigung der langen Tradition italienischer Architektur.

Jahrbuch opus C 2016 über „ i.active Biodynamic Cement“

„An der Implementierung des neuen Produkts waren 15 Forscher von Italcementi beteiligt. Sie haben insgesamt 12.500 Stunden für Forschung, experimentelle Tests, Laborversuche und Herstellung der Elemente im kleinen Maßstab aufgewandt – immer in engem Kontakt zu den Designern des Palazzo Italia. Danach hatten sie die endgültige Rezeptur und konnten mit Styl-Comp die ersten Muster herstellen. Während des Versuchsstadiums arbeitete Italcementi mit der Universität Neapel zusammen, um Probleme beim dynamischen Verhalten des Produkts zu lösen, und mit der Universität Florenz, um die mechanischen Eigenschaften zu untersuchen. Der biodynamische Zement ist durch fünf weltweite Patente geschützt.“

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Der Palazzo Italia ist einer der wenigen Pavillons, die über die Expo 2015 in Mailand hinaus an ihrem Standort verbleiben. Das Expo-Gelände, das von den fünf bekannten Architekten Stefano Boeri, Jacques Herzog, Richard Burdett, Joan Busquets und William McDonough im Nordwesten der italienischen Millionenstadt zur Präsentation der Beiträge von 148 Ländern entworfen wurde, soll sich langfristig in einen Technologiepark entwickeln. Eine weitere Nutzung des teuer erschlossenen, 1,1 Millionen Quadratmeter großen Geländes entspricht auch dem Leitgedanken dieser Expo. Unter dem Motto „Feeding the Planet. Energy for Life“ konzentrierten sich die einzelnen Länder ganz auf die Themen Welternährung, Nachhaltigkeit und Energie für das Leben. Verschwendung, auch die von bereits eingesetzten Ressourcen, soll hier keinen Platz haben.

Ein organisches Geflecht aus umweltaktiven Betonelementen lässt den Pavillon als stilisierten Stadtwald erscheinen.

Der Palazzo Italia ist einer der wenigen Pavillons, die über die Expo 2015 in Mailand hinaus an ihrem Standort verbleiben. Das Expo-Gelände, das von den fünf bekannten Architekten Stefano Boeri, Jacques Herzog, Richard Burdett, Joan Busquets und William McDonough im Nordwesten der italienischen Millionenstadt zur Präsentation der Beiträge von 148 Ländern entworfen wurde, soll sich langfristig in einen Technologiepark entwickeln. Eine weitere Nutzung des teuer erschlossenen, 1,1 Millionen Quadratmeter großen Geländes entspricht auch dem Leitgedanken dieser Expo. Unter dem Motto „Feeding the Planet. Energy for Life“ konzentrierten sich die einzelnen Länder ganz auf die Themen Welternährung, Nachhaltigkeit und Energie für das Leben. Verschwendung, auch die von bereits eingesetzten Ressourcen, soll hier keinen Platz haben.

Das italienische Architekturbüro Nemesi & Partners hatte sich bereits früh – in Zusammenarbeit mit Proger und BMS Progetti, die Ingenieurleistungen und Kostenmanagement übernahmen, sowie Professor Livio De Santoli, der Aspekte der Nachhaltigkeit in den Entwurf einbrachte, unter 68 Teilnehmern in einem Wettbewerb als Gewinner durchgesetzt. Der auf komplexe Betonelemente spezialisierte italienische Fertigteilhersteller Styl-Comp hat für die Produktion der über 700 Fassadenpaneele einen zementbasierten Hochleistungsspezialmörtel mit hoher Biegefestigkeit des Herstellers Italcementi eingesetzt. Dank diesem sogenannten „i.active Biodynamic Cement“ mit der patentieren TX-Active-Technologie kann die Fassade bei Sonneneinstrahlung Schadstoffe aus der Luft in Inertsalze umwandeln und zum Abbau von Smog im verkehrsbelasteten Mailand beitragen.

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Im neuesten Jahrbuch von opus C, das die besten der innerhalb eines Jahres in der Zeitschrift publizierten Betonbauten vorstellt, wird der weltweit patentierte Baustoff des Pavillons detailliert beschrieben: „Das neue Material ist, verglichen mit klassischem Mörtel, sehr gut zu verarbeiten und haltbar. Das Anfangsfließvermögen ist dreimal höher (300 Millimeter gegenüber 100 Millimetern); die Druckbeständigkeit ist doppelt so hoch (über 60 Megapascal im Vergleich zu 30 Megapascal von klassischem Mörtel), ebenso die Biegefestigkeit (über zehn Megapascal gegenüber fünf Megapascal bei herkömmlichen Mörtel). Eine weitere für das Projekt signifikante Produkteigenschaft ist die Haltbarkeit; die Wasserabsorption von Fertigbetonelementen aus i.active Biodynamic Cement ist dank der kompakten Matrix und der geringen Porosität extrem niedrig und sie sind extrem wetterfest.“ Innovative Produkte wie dieses und starke Marktpositionen in bedeutenden Ländern waren nicht zuletzt ausschlaggebend dafür, dass HeidelbergCement erst kürzlich Italcementi übernommen hat. Dr. Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender von HeidelbergCement, erklärt: „Kein anderes Unternehmen der Branche ergänzt unser operatives Geschäft so gut wie Italcementi.“ Mit der Übernahme erweitert ­HeidelbergCement seine Aktivitäten auf mehr als 3.000 Standorte in rund 60 Ländern auf fünf Kontinenten und festigt seine Position als zweitgrößter Baustoffhersteller weltweit.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Italienischer Pavillon Expo Mailand 2015

Bauherr:
Expo 2015 SpA

Architekten:
Nemesi & Partners Srl, Mailand/Rom

Generalunternehmer:
Italiana Costruzioni S.p.A.

Produktentwicklung:
Italcementi

Produkt:
2.000 t biodynamischer, umweltaktiver Mörtel auf der Basis von i.active Biodynamic Cement (Zement mit Titandioxid) und recyceltem Marmormehl aus Carrara

Hersteller Fassadenelemente:
Styl-Comp, Zanica

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