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Skaten ist das, was der Skater für sich daraus macht: Der neu eingeweihte Skatepark in Karlsruhe erfüllt die unterschiedlichen Wünsche von Skatern, BMXern und Inlinern dank eines stimmigen Gesamtkonzeptes.

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Fabian Reichenbach

Ausgabe 3/2016Thema: Stadt|Land|Fluss

Der öffentliche Raum als Bühne

DSGN concepts im Porträt

Innovatives Design trifft integrative Gesamtkonzepte: Das junge Team von DSGN concepts plant einzigartige Skate- und Parkour-Anlagen mit maximaler Funktionalität und Individualität.

In den 1980er-Jahren wurden die rebellischen Typen auf den rollenden Brettern noch skeptisch beäugt. Bis der Trend aus Amerika in Deutschland von Stadt und Bevölkerung nicht mehr nur als Ärgernis wahrgenommen wurde, war es ein weiter Weg. Heute gehören Skateboarder selbstverständlich zum deutschen Stadtbild. Wenn es nach dem IOC geht, soll Skateboarden sogar bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Japan ins Programm aufgenommen werden. „Ein eindeutiger Beleg dafür, dass Skateboarding mehr als nur ein Trendsport ist“, sagt Skateanlagenplaner Ingo Naschold von DSGN concepts. „Skateboarden ist zudem ein Lebensgefühl – vielleicht noch mehr: eine Lebenseinstellung.“ 2006 gründete der ehemalige Profiskater in Münster sein Planungsbüro für urbane Bewegungsräume. Seit 2011 führt er das Büro zusammen mit den Freiraumplanern Filip Labovic und Dominik Moos. „Dank unserer zum Teil ähnlichen, gleichzeitig aber auch unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen ergänzen wir uns gegenseitig und bilden ein optimal ausgewogenes Team. Dabei teilen wir dieselben Leidenschaften – die Liebe zu urbanen Sportarten und zur Zweckentfremdung von Alltagsarchitektur sowie den Spaß daran, neue Freiräume zu entdecken“, so Naschold.

Spektrum von DSGN concepts:

- Freiraumgestaltung LP 1 bis 9
- Entwicklungskonzepte städtischer
- Bewegungsräume
- Sport- & Freizeitanlagen (indoor & outdoor)
- Skate- und Bikeanlagen
- Lärmschutz und Sicherheit für
- Skateanlagen
- Parkour-Anlagen
- Wettbewerbe
- fachspezifische Beratung

„Von der Stange gibt es bei uns nichts.“

Ingo Naschold

Seither machen sich die Münsteraner Planer im Auftrag von Städten und Gemeinden auf, das Skateboardfahren in der Stadt salonfähig zu machen und jungen Leuten Möglichkeiten dafür anzubieten. „Weg von den modular geplanten Skateparks, die oft abgelegen am Stadtrand liegen, hin zu ganzheitlichen urbanen Konzepten, die sich ideal ins Stadtbild einfügen“, erklärt Filip Labovic. „Inzwischen sind Skateparks auch Aushängeschilder von Städten und unsere Arbeit Teil des Stadtmarketings“, ergänzt Naschold. „Unser Anspruch ist es dabei, bei jeder Planung urbane Merkmale der jeweiligen Stadt aufzugreifen und als identifikationsstiftende Merkmale in die Gestaltung des Skateparks zu integrieren. Von der Stange gibt es bei uns nichts.“

„Die Oberfläche ist bei einem Skatepark entscheidend.“

Filip Labovic

Seither machen sich die Münsteraner Planer im Auftrag von Städten und Gemeinden auf, das Skateboardfahren in der Stadt salonfähig zu machen und jungen Leuten Möglichkeiten dafür anzubieten. „Weg von den modular geplanten Skateparks, die oft abgelegen am Stadtrand liegen, hin zu ganzheitlichen urbanen Konzepten, die sich ideal ins Stadtbild einfügen“, erklärt Filip Labovic. „Inzwischen sind Skateparks auch Aushängeschilder von Städten und unsere Arbeit Teil des Stadtmarketings“, ergänzt Naschold. „Unser Anspruch ist es dabei, bei jeder Planung urbane Merkmale der jeweiligen Stadt aufzugreifen und als identifikationsstiftende Merkmale in die Gestaltung des Skateparks zu integrieren. Von der Stange gibt es bei uns nichts.“

Allen Beteiligten gerecht zu werden ist dabei stets die größte Herausforderung. „Um die bestmögliche Umsetzung sicher zu stellen, bearbeiten wir alle Projekte von der ersten Handskizze bis zur konkreten Ausführung auf der Baustelle. Dabei setzen wir in jeder Leistungsphase auf interdisziplinären Austausch und stetige Kommunikation mit allen Beteiligten wie Architekten, Städteplanern, Künstlern und vor allem den Nutzern“, erklärt Naschold.

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Christian Buck, Heidelberg

Im Vorfeld finden zunächst Workshops mit den Nutzern der künftigen Anlage statt – vornehmlich Kindern und Jugendlichen – um die Bedarfe zu klären. Was wollt ihr? Street, Flow, Bowl, Mini-Ramps? Wie viele seid ihr? Soll die Anlage nur für Skateboarder oder auch für BMX-Fahrer nutzbar sein? „Falls ja, brauchen alle Sportarten ihre spezifischen Bereiche, die den Anforderungen an Form und Materialität gerecht werden“, erklärt Naschold. „Für BMXer etwa große Rampen zum Springen – kleinere Elemente und funktional geformte Rollflächen aus Beton für die Skateboarder“. DSGN concepts legt dabei nicht nur Wert auf Funktionalität, sondern auch auf die Gestaltung. „Das Auge skatet mit“, so Labovic. „Durch landschaftliche Höhenunterschiede mit funktionalen Elementen bildet sich im Skatepark eine flüssige Dynamik zur sportlichen Nutzung mit Raum für Kreativität.“

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Ingo Naschold von DSGN concepts legt Wert auf Funktionalität und Gestaltung.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Filip Labovic ergänzt das Team von DSGN concepts als studierter Freiraumplaner ideal.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Mittel der Wahl für den Bau von Skateparks ist im Zusammenspiel mit modernster CAD-Technik heute fast ausschließlich Beton. „Mit dem Baustoff können wir beinahe alle organischen Formen ausbilden und freie Bewegungslandschaften bilden“, so Ingo Naschold. „Zudem ist Beton mit einer Versiegelung sehr resistent gegen die Dauerbeanspruchung. Der muss schon einiges aushalten, wenn die Skateboard-Achsen aus Stahl wie Hämmer auf den Untergrund treffen.“ „Die Oberfläche ist dabei entscheidend“, sagt Labovic. „Wir nutzen daher einen hochwertigen Beton, meist C 35/40, der sich nicht nur hervorragend spritzen lässt, sondern auch lange bearbeitbar ist.“ Für die Qualität eines Skateparks ist es zudem am Besten, wenn die ausführende Firma direkt aus der Skateszene kommt und Erfahrungen mit dem händischen Glätten von Beton hat, um eine breite Akzeptanz zu erreichen und hochwertige Oberflächen umzusetzen. Für eine Anlage braucht es zwischen zwei und vier Monaten Bauzeit – je nach Größe. „Die Mindestgröße für einen Skatepark liegt bei einer Fläche von circa 600 Quadratmetern“, so Labovic.

Geschätzte 4.000 bis 6.000 Skateparks- und Anlagen gibt es mittlerweile in Deutschland – Tendenz steigend. Trotzdem wünschen sich die Skater von DSGN concepts, dass sich der Sport künftig auch da wiederfindet, wo er ursprünglich herkommt – im urbanen Raum. „Skaten ist eine Kultur, die sich auch auf öffentlichen Plätzen, Schulhöfen oder Parkplätzen zeigen können sollte“, plädiert Labovic. Beispiele wie der Kesselbrink in Bielefeld oder der Landhausplatz in Innsbruck zeigen, dass dieses Konzept mit gegenseitiger Rücksichtnahme funktionieren kann. „Wenn man den öffentlichen Raum als Bühne begreift, auf der ständig neue Formen von Lebenskultur und Alltag entstehen – dann können Städte noch viel lebendiger werden.“Conny Eck

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