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Beim Dammbau geht es Sattelzug auf Sattelzug. Der Bagger steht bereits parat, um das Material an die gewünschte Stelle zu bringen.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 3/2016Thema: Stadt|Land|Fluss

Das Hochwasser eindämmen

Deichbau an der Elbe

In der Gemeinde Elster sorgt ein neuer Damm für besseren Hochwasserschutz. Für seinen Bau war homogenes Material in Form von Kiesen und Sanden gefordert. Diese mussten jedoch in kurzer Zeit und in großen Mengen geliefert werden.

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Steffi Schild, zuständig für Vertrieb und Logistik im Werk Elster-Kies und Rainer Drößigk, von der Firma Joh. Wacht, Polier der Baustelle

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In der kleinen Ortschaft Elster im Landkreis Wittenberg leben nur knapp 2.500 Menschen. Trotzdem ist sie vielen durch beeindruckende Fernsehbilder bekannt. Denn sie liegt direkt an der Elbe und war in den letzten Jahren gleich zweimal von schweren Überschwemmungen betroffen: 2002 beim so genannten Jahrhunderthochwasser und 2013, als Bilder von gebrochenen Behelfsdeichen und tief im Wasser stehenden Häusern aus Elster gesendet wurden.

Damit dies nicht wieder passiert, werden an der Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt neue oder verbesserte Deiche gebaut. Auch mögliche Standorte für Flusspolder befinden sich in der Planung oder werden bereits baulich umgesetzt. Diese können bei Hochwasser gezielt geflutet werden, um dadurch die Spitze einer Flutwelle zu verkleinern. Vielerorts sind die Baumaßnahmen bereits abgeschlossen. Nun gehen sie auch in der Gemeinde Zahna-Elster, zu der Elster gehört, dem Ende zu: Der letzte Bauabschnitt in Höhe der Ortschaft Listerfehrda umfasst noch 1.700 Meter Damm.

„Der Grundaufbau des Deiches ist in diesem Abschnitt im Prinzip an allen Stellen gleich. Nur die Regelprofile werden an die örtlichen Verhältnisse angepasst“, erklärt Bauleiter Andreas Leschke von der Firma Joh. Wacht aus Falkenberg. Der Damm wird als so genannter 3-Zonen-Deich errichtet: Von außen nach innen gesehen besteht dabei die zum Wasser hin gelegene Zone 1 aus einer dichtenden Schicht aus Lehm oder Ton. In dem aktuellen Dammabschnitt betrug sie einen Meter. Sie soll das Eindringen des Flusswassers in den darunterliegenden, so genannten Stützkörper der Zone 2 verhindern. Dieser besteht wiederum aus feinkörnigen Kiesen, die wenig wasserdurchlässig sind. Auf der Landseite schließt die Zone 3, der Kiesfilter, an den Stützkörper an. Sie besteht aus einer gut wasserdurchlässigen Drainageschicht. Durch sie wird eindringendes Wasser gezielt abgeführt. Jede Zone hat demnach höchst unterschiedliche Anforderungen an das Baumaterial, die beständig beim Einbau überwacht werden.

Die Kosten der Flut

Das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 traf in erster Linie Sachsen und Sachsen-Anhalt: Laut Leitstelle für Wiederaufbau belief sich der entstandene Schaden in Sachsen auf rund sechs Milliarden Euro, in Sachsen-Anhalt waren es rund eine Milliarde Euro und in Deutschland insgesamt rund neun Milliarden Euro. Die Versicherung Deutsche Rück geht von noch höheren Beträgen aus. Da sind die rund 1,1 Milliarden Euro, die allein das Land Sachsen-Anhalt bis 2020 in den Hochwasserschutz, auch mit finanzieller Unterstützung durch die EU, investieren will, nicht nur für Hermann Onko Aeikens, der bis 25. April 2016 Landwirtschafts- und Umweltminister von Sachsen-Anhalt war, „gut angelegtes Geld“.

Nicht die Flut weiterreichen

Deiche allein reichen für einen umfassenden Hochwasserschutz an Flüssen oftmals nicht – die riesigen Wassermassen müssen schließlich auch irgendwo abfließen können, statt sich immer weiter aufzustauen. Wichtig sind daher, wie von der Bundesregierung in einem Maßnahmenpaket und dem neuen Hochwasserschutzgesetz beschlossen, neben gut gerüsteten Deichen auch ausreichend Überschwemmungsgebiete. Das sind zumeist tiefer liegende Flächen neben einem Fluss, die im Falle eines Hochwassers als Überflutungsfläche genutzt werden können. Früher erfüllten natürliche Flussauen diese Funktion. Heute müssen solche Flächen oftmals bewusst wieder geschaffen werden, zum Beispiel durch Renaturierungsmaßnahmen und Rückverlegung der Deiche. In Form von Poldern oder Retentionsflächen lassen sie sich auch gesteuert fluten. Diese Bereiche lassen sich land- und forstwirtschaftlich nutzen, gebaut werden darf auf ihnen nicht, um die Bodenverdichtung und -versiegelung zu begrenzen.

„In Hochzeiten benötigten wir bis zu 3.000 Tonnen Material am Tag, das bedeutet etwa 20 Sattelzüge täglich im Umlauf.“

Andreas Leschke

Die nötigen Kiese und Sande lieferte das Werk Lindwerder der Heidelberger Sand und Kies GmbH. Außendienstmitarbeiterin Steffi Schild berichtet: „Wir haben dabei die Komplettversorgung übernommen. Das heißt, große Mengen eines Naturproduktes geliefert – das jedoch jederzeit bestimmten Anforderungen genügen musste, wie zum Beispiel der geforderten Wasserdurchlässigkeit, der entsprechenden Kornverteilung und dem nötigen Ungleichförmigkeitswert. Die Wasserdurchlässigkeit lässt sich über die Korngröße recht gut steuern. Doch beim Ungleichförmigkeitswert mussten wir auf homogenes Material mit wenig Verunreinigungen, beispielsweise durch Kohlereste, achten.“ Bei einer solchen Baumaßnahme sind dies Parameter, die einer ständigen Kontrolle unterliegen. Andreas Leschke ergänzt: „In Hochzeiten benötigten wir bis zu 3.000 Tonnen Material am Tag, das bedeutet etwa 20 Sattelzüge täglich im Umlauf. Das war schon eine logistische Meisterleistung, auch wenn das Werk nur 18 Kilometer entfernt liegt.“ Im August wird der Deichabschnitt bei Listerfehrda fertiggestellt sein. Damit ist dann der Hochwasserschutz in Elster auf einer Länge von 6,6 Kilometern komplett – so dass hoffentlich niemand je wieder Wasser aus dem Wohnzimmer schöpfen muss.Anke Biester

Objektsteckbrief

Projekt:
Dammbau Gemeinde Elster, 4. Bauabschnitt, Los 2, 1.700 m

Bauherr:
Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt

Planung:
Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt

Bauunternehmen:
Joh. Wacht GmbH & Co. KG, Falkenberg

Baustoffe:
Kies, projektbezogen entwickeltes Stützkörper-, Filter-, Dichtungs- und Abdeckmaterial

Lieferwerk:
Heidelberger Sand und Kies GmbH, Werk Lindwerder

Dammbau Gemeinde Zahna-Elster insgesamt:
Länge: 6,6 km
Kiese/Sande: 200.610 m³
Tone: 56.410 m³

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