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Entwurfsskizze des Saals

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Baumstark Bielmeier Architekten GbR

Ausgabe 3/2016Thema: Stadt|Land|Fluss

Bauen am Hochufer

Bürobau mit kultureller Nutzung

Oberhalb der Isar in Baierbrunn entsteht ein neues Verlagsgebäude mit integriertem Veranstaltungssaal. Für alle Baubeteiligten waren der komplizierte Baugrund und die hohen Sichtbetonanforderungen bei weitgespannten Decken eine reizvolle Herausforderung.

Das neue Verlagsgebäude der Isartalmedien in Baierbrunn südlich von München öffnet sich mit einer breiten Glasfront zum angrenzenden Landschaftsschutzgebiet. Aus dem Veranstaltungssaal blicken die Besucher hinaus in einen Skulpturengarten, der die kulturelle Ausrichtung des Hauses nach außen trägt. Der Saal ist das Herzstück des komplexen Gebäudes, das Büronutzung sowie Konzert- und Tagungssaal unter einem Dach vereint. Die Idee zu dieser Mehrfachnutzung geht auf den Verlagsgründer Rolf Becker zurück, einen Kunstliebhaber und Förderer, der – im Unterschied zu bereits bestehenden Verlagsgebäuden vor Ort – nicht nur einen weiteren Bürobau für die wachsende Mitarbeiterzahl realisieren wollte. Vielmehr sollte an diesem Standort auch ein Raum für Konzerte, Kammermusik und Vorträge entstehen.

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Die Fassade des Veranstaltungssaals rahmen Sichtbetonflächen mit gespitzten Oberflächen. Der Beton wurde durch die Beigabe von Titandioxid aufgehellt.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Architekt Johannes Baumstark vom Münchner Büro Baumstark Bielmeier Architekten.

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Die großen Außenflächen wurden gespitzt. Beim Abschluss der Brüstung und im Bereich der Laibungen wurden die Sichtbeton-oberflächen gestockt.

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Das Bienenhäuschen wurde 2013 auf Initiative von Verlagsgründer Rolf Becker wieder aufgebaut und bietet seitdem Schutz für mehrere Bienenvölker für die verlagseigene Bienenzucht und Honigproduktion.

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Für ihren Entwurf, der die divergierenden räumlichen Ansprüche vereint, nutzten die Münchner Architekten Baumstark und Bielmeier die Topografie des am Hang liegenden Geländes. Zur Straße hin orientiert sich ein dreigeschossiger Baukörper mit gegliederter Lochfassade und zurückversetztem Dachgeschoss, welcher das übliche Raumprogramm für unterschiedliche Büronutzungen bietet. Dass das Haus auf einem stützenfreien Saal steht, der wie eine Art Hörsaal im Halbrund aufgebaut ist, erschließt sich erst von der Talseite aus. Hier deutet sich auch die eigentliche Dimension des Bauwerks an: Es bietet in drei Untergeschossen nicht nur zusätzliche Räume für die Technik, das Lager und die Tiefgarage, sondern integriert auch das Foyer und die besagte Konzertetage, deren halbrundes Auditorium über 180 Gästen Platz bietet. Die Erschließung im Erdgeschoss über ein Treppenhaus dient beiden Nutzungen. Für das gesamte Bauvorhaben der Isartalmedien in Baierbrunn hat die Heidelberger Beton GmbH unterschiedliche Betone geliefert.

Der komplizierte Baugrund und die hohen Sichtbetonanforderungen waren eine reizvolle Herausforderung.

Abgesehen von seiner multifunktionalen Nutzung unterscheiden zwei Besonderheiten das Bauwerk in Baierbrunn von einem konventionellen Bauvorhaben: So galt es, zunächst den problematischen Baugrund oberhalb der Isar zu meistern sowie am Bauwerk selbst die geforderten Sichtbetonflächen in SB4-Qualität und sehr hoher Druckfestigkeitsklasse herzustellen. Der Eindruck der sichtbaren Betonflächen der Tragkonstruktion im Saal und an der Fassade sollte durch zum Teil steinmetzartige Oberflächenbearbeitungen verstärkt werden.

Auch im Außenbereich ist Sichtbeton als markantes Element präsent.

Zurück auf Null: Als im Frühjahr 2013 mit der Baugrube begonnen werden konnte, hatten die Planer bereits verschiedene Probebohrungen und eine längere Genehmigungsphase hinter sich. Um den Baugrund zu stabilisieren und den großen unterirdischen Baukörper aus Permacrete, dem wasserundurchlässigen Beton von Heidelberger Beton, in festem Grund verankern zu können, sah das Konzept des Münchner Ingenieurbüros ISP Scholz einen zusätzlichen Aushub des nicht tragfähigen Seetons mit Bodenaustausch und den Bau einer über 17 Meter hohen Bohrpfahlwand vor. Jeder zweite der Pfähle wurde mit einem Spezial-Drainagebeton von Heidelberger Beton gefertigt, der über die gesamte Höhe entsprechende Durchlässigkeit bietet und somit dauerhaft einen gezielten Wasserfluss über das ausgeführte Drainagesystem garantieren kann.

Auch für die Akustik des Konzert- und Veranstaltungssaales sind neben der Kubatur des Raumes und den akustisch wirksamen Holzeinbauten die sichtbaren Bauteile des Tragwerks ausschlaggebend. Im Saal in Baierbrunn bilden seitlich angeordnete, vier bis fünf Meter hohe Pfeiler und parallel verlaufende Deckenträger mit über 23 Metern freier Spannweite die Tragkonstruktion. Zur Realisierung der raumakustischen Anforderungen hatte der Bauherr das auf solche Fälle spezialisierte Unternehmen ­Müller-BBM aus Planegg mit ins Boot geholt. So gelang es, Sichtbeton im Saal als bestimmendes Thema auch unter Berücksichtigung der Vorgaben zu positionieren. Die Sichtbetonträger, zwischen denen später akustisch wirksame Eichenholzlamellen verlaufen, wurden seitlich und unterseitig angeschliffen, so dass nach Art eines Terrazzo die Körnung der Zuschlagstoffe sichtbar wird. An den Unterseiten der Träger galt es bei der Herstellung der Sichtbetonoberflächen auch auf deren hohe Bewehrungsdichte und die erforderliche Überdeckung zu achten. Auch die hohen Pfeiler in Sichtbetonqualität SB4 mit glatten, angeschliffenen Oberflächen forderten vom Bauunternehmen Grossmann aus Rosenheim enormes Know-how in Sachen Betonbau. Spezielle Rüttler kamen zum Einsatz, die es ermöglichten, bis zum Grund der hohen Schalung gleichmäßig zu verdichten.

Auch im Außenbereich ist Sichtbeton als markantes Element präsent. An der Brüstungsmauer und an den Wandflächen, die die Glasfassade des Saals wie ein Portal umrahmen, wurde der Beton steinmetzartig bearbeitet. Durch großflächiges Spitzen wurden die glatten Betonoberflächen gebrochen. Hier wirkt die massive, in mehreren Abschnitten betonierte Fassade wie aus einem Stück, und hinterlässt laut Architekt Johannes Baumstark einen monolithischen Eindruck.Susanne Ehrlinger

Zusätzliche Informationen

Schwieriger Baugrund

Drainage-Beton
Für das gesamte Bauvorhaben der Isartalmedien in Baierbrunn hat die Heidelberger Beton GmbH unterschiedliche Betone geliefert. Das Konzept des Münchner Ingenieurbüros ISP Scholz für diesen Standort, einen Isar-Hochhang, der geologisch von Seeton-Schichten geprägt ist, sah einen enormen Aushub mit Bodenaustausch vor. Der vorhandene Ton, ein nicht tragfähiges, verformbares Material, wurde für die Sondergründung vom Unternehmen Wöhrl Spezialtiefbau aus Hohenwart durch tragfähigen Kies ersetzt. Den problematischen Baugrund zu stabilisieren und den Baukörper aus wasserundurchlässigem Beton in festem Grund verankern zu können, erforderte den Bau einer über 17 Meter hohen Bohrpfahlwand, die allerdings das anfallende Schichtwasser an dieser Stelle nicht stauen durfte. So wurde jeder zweite Bohrpfahl aus Drainagebeton hergestellt, der über die gesamte Höhe der Bohrpfähle wasserdurchlässig ist. Gezielt wurde Wasserdruck auf diese Weise verteilt und über ein Drainagesystem unter der Sohle der Baugrube sowie einen umlaufenden Drainagering abgeleitet. Allein die Herstellung dieser Pfähle vor Ort erforderte nicht nur einen speziellen Beton, sondern auch eine besondere Bauweise. Um aufgrund der Schütthöhe das Absacken von Zuschlägen zu verhindern, musste die ausführende Firma Wöhrl mit einem Schüttrohr arbeiten, das während des Betoniervorgangs kontinuierlich nach oben gezogen wurde.

Spitzen und Stocken

Steinmetzartige Oberflächenbearbeitung
Das Untergeschoss mit dem Veranstaltungstrakt öffnet sich zum angrenzenden Landschaftschutzgebiet am Isarhochufer. Hier zeigt sich rund um die breite Glasfassade und an den Brüstungsmauern ein mit Titandioxid aufgehellter Sichtbeton. Diese Außenflächen wurden außerdem steinmetzartig bearbeitet und großflächig gespitzt. Die Leibungen und der obere Brüstungsabschluss wurden im Kontrast zur gespitzten Fläche, gestockt. Bei beiden Bearbeitungsmethoden entsteht eine einheitlich raue Oberfläche, je nach Bearbeitung in unterschiedlicher Intensität und Tiefe, beim Spitzen grob und beim Stocken mit feinerer Textur. Im Bereich der steinmetzartigen Bearbeitung des Betons rund um die Glasfassade des Konzertsaals wurde eine zusätzliche Verschleißschicht bei der Betonage eingeplant. Sie ist nötig, damit auch nach dem Spitzen und Stocken noch eine ausreichende Überdeckung der Bewehrung gewährleistet ist. Und auf einen weiteren Vorteil weist Architekt Baumstark hin: „Betonierabschnitte oder Schalungsfugen können durch die Oberflächenbearbeitung des Spitzens kaschiert werden. Man sieht in der fertigen Oberfläche somit keine Ankerlöcher oder Schalplattenstöße und es entsteht das gewünschte, monolithische Erscheinungsbild.“

Objektsteckbrief

Projekt:
Bürogebäude in Baierbrunn mit Konzert-/Veranstaltungssaal und Tiefgarage

Bauherr:
Isartalmedien GmbH & Co. KG, Baierbrunn

Architekten:
Baumstark Bielmeier Architekten GbR, München

Tragwerksplaner:
ISP Scholz Beratende Ingenieure AG, München

Tiefbau:
Wöhrl Spezialtiefbau GmbH, Hohenwart

Bauunternehmen:
GROSSMANN Bau GmbH & Co. KG, Rosenheim

Beratung Akustik:
Müller-BBM GmbH, Planegg

externe Beratung Betontechnologie:
Prof. Dr.-Ing. Christoph Dauberschmidt, Hochschule München

Beton und Beratung:
Heidelberger Beton GmbH
6.600 m3 in Liefergemeinschaft mit Rohrdorfer Transportbeton davon ca. 2.000 m³ Sichtbeton SB4 mit
Spezialrezeptur C50/60 mit Verformungsbegrenzung

Beton Spezialtiefbau:
3.000 m³ Bohrpfahlbeton, davon ca. 1.400 m³ Drainagebeton (Permacrete)

Zement:
HeidelbergCement, Werk Burglengenfeld

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