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Neue Heimat auf Zeit: 386 Studenten finden in den drei- und viergeschossigen Gebäuden mit der Holzelement-Fassade in Adlershof eine Unterkunft.

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© Andreas Friese

Ausgabe 3/2015Thema: Wohnen

Wohnlandschaft statt Studentenbude

Studentendorf Adlershof in Berlin

Es ist eine wichtige Etappe, die junge Menschen mit dem Studium in einer fremden Stadt nehmen: Die Freude über die neue Unabhängigkeit und die erste eigene Wohnung wird dabei oft von hohen Mieten und dem Gefühl des Alleinseins überschattet. Eine Alternative bietet studentisches Wohnen in Gemeinschaft.

Das Studentendorf Adlershof ist eine Art Neuauflage des Berliner Studentendorfs Schlachtensee, das Ende der 1950er Jahre als Wohnstätte für Studenten der Freien Universität Berlin erbaut wurde und auf gemeinschaftliches Wohnen angelegt ist. Weil dieses Konzept erfolgreich ist und damit viele positive Erfahrungen gemacht wurden, diente die heute unter Denkmalschutz stehende Anlage als Vorbild für ein neues akademisches Wohnquartier, das in Berlin-Adlershof errichtet worden ist. Hier im Südosten der Metropole haben sich um die Jahrtausendwende die naturwissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität sowie zahlreiche Institute und Unternehmen angesiedelt und bilden heute gemeinsam die Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt Adlershof. Doch es fehlte Wohnraum für Studierende und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, am nördlichen Rand des Campus ein Studentendorf zu errichten. 2010 begannen die Vorplanungen. Im Herbst 2014 wurden die zehn Häuser bezogen. In den 386 Zimmern und Apartments des Studentendorfes können jetzt 337 Studierende und rund 40 Wissenschaftler leben, wohnen und arbeiten. Die Mieten betragen 360 bis 450 Euro (All-in-Miete). Kein Wunder, dass die Wohngemeinschaften und Apartments eine riesige Warteliste haben. Das Thema „Dorf“ hatte bei der Entwicklung des Konzepts absolute Priorität. Um entsprechende Strukturen zu schaffen, teilten die Planer das knapp 11.000 Quadratmeter große Areal nach dem Bebauungsplan in zwei Bereiche. Zwei viergeschossige Baukörper bilden den Eingang ins Dorf. Sie leiten direkt auf den Dorfplatz über, wo sich ein Café, das Vermietungsbüro, eine Kindertagesstätte, das Fitnessstudio und die Poststelle mit Waschsalon befinden. Von dort führen Wege zu zwei Häusergruppen, die jeweils aus vier dreigeschossigen Gebäuden gleichen Typs bestehen und sich locker um einen Innenhof gruppieren. Die dazwischenliegenden Grünflächen laden mit Bänken und Liegestühlen zum Grillen, Chillen und lauschigem Beisammensein ein.

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Im Innern der Dreigeschosser wohnen die Studierenden etagenweise in Wohngemeinschaften. Dazu gruppieren sich Einzelzimmer und Studios um eine 90 Quadratmeter große Wohnlandschaft, die viel Platz zum gemeinschaftlichen Kochen und Essen, zum Klönen, Diskutieren und Feiern bietet. Die 15 Quadratmeter großen Einzelzimmer und die 26 Quadratmeter großen Studios dienen als Rückzugs- und Lernort. Sie sind voll möbliert und – basierend auf den Erfahrungen vom Studentendorf Schlachtensee – jeweils mit einem eigenen Bad ausgestattet. Die Studios haben zusätzlich einen Koch-/Essbereich. Für Studierende, die lieber allein wohnen möchten, gibt es in den Viergeschossern Einzimmerapartments mit Badezimmer und kleiner Küchenzeile. Außerdem befinden sich in diesen beiden Häusern auch die Ein- und Zweizimmerapartments für die Gastwissenschaftler. Eine Besonderheit aller Zimmer und Apartments ist der Denker-Erker. Die aus den Räumen herauskragenden, dreieckigen Bereiche dienen im Innern als Arbeitsplatz und sind mit Schreibtischen und Regalen ausgestattet. Von außen lockern sie mit Holzverkleidung und unterschiedlichen Winkeln die Strenge der Fassade auf. Errichtet wurden die zehn Gebäude in Schottenbauweise. Alle Innenwände bestehen aus Kalksandstein mit einer Dicke von 24 Zentimetern, Bausystem KS-QUADRO, wobei die Rohdichteklasse 2,0 einen guten Schallschutz zwischen den Zimmern gewährleistet. Ungewöhnlich ist die Raumhöhe von fast drei Metern, die allerdings mehrere Vorteile mit sich bringt. So bietet sie unter anderem in den Eingangsfluren genügend Platz, die Versorgungsleitungen und Haustechnik unter den Decken entlang zu führen und verleiht darüber hinaus den Räumen eine großzügige, offene Atmosphäre. Im Vorfeld der Rohbauerstellung ist im Kalksandsteinwerk Herzfelde flexibel auf die erforderliche Raumhöhe reagiert worden, indem der Wandaufbau anhand von Wandverlegeplänen optimiert worden ist. Speziell für dieses Projekt sind dort Kalksandsteine mit der Sonderhöhe 373 Millimeter für den oberen Wandabschluss produziert worden, so dass der gesamte Rohbau schnell und wirtschaftlich ausgeführt werden konnte.Katharina Ricklefs

Objektsteckbrief

Projekt:
Studentendorf Adlershof, Berlin

Bauherr:
Studentendorf Adlershof GmbH, Berlin

Projektkonzeption/Generalmieterin:
Studentendorf Schlachtensee eG

Architekten:
Die Zusammenarbeiter, Claudia Sieper und Christian Schöningh, mit Sonja Sandberger, Tobias Vogel, Stephanie Nick, Berlin

Generalunternehmer:
Ed. Züblin AG, Berlin

Produkte Kalksandstein:
1.145.000 Vol-NF KS-QUADRO, Lieferwerk Herzfelde der Heidelberger Kalksandstein GmbH

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