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© HeidelbergCement (Tina Gölzer)

Ausgabe 3/2015Thema: Wohnen

Home sweet home

Neue Unterkünfte für Uferschwalben

Der natürliche Lebensraum für Uferschwalben wird immer knapper. Sie ziehen daher in neue Wohngegenden: die Steilhänge der Sand- und Kiesabbaustätten. Ein ausgetüfteltes Artenschutzprogramm sorgt dort dafür, dass Bagger und Vögel sich nicht in die Quere kommen.

Die ideale Wohnung für Uferschwalben ist in Sand oder Lehm gebaut und liegt an einem Steilhang. In natürlicher Umgebung wären das beispielsweise frische Abbruchkanten an den Steilufern von Flüssen – daher auch der Name des Vogels. Doch in Deutschland sind die meisten Flüsse begradigt und die Nistplätze der Uferschwalbe damit verschwunden. Ohne diesen Lebensraum dürfte sie eigentlich in Deutschland kaum noch anzutreffen sein. Doch der auf der roten Liste stehende Vogel hat ein neues Habitat gefunden: Sand- und Kiesabbaustätten. Die von Baggern frisch geschaffenen steilen Wände sind aus Vogelsicht ideal und beliebte Brutplätze der Uferschwalbe. Sind sie einmal eingezogen, müssen die Wände bis zum Ende der Brutsaison im September stehen bleiben. Damit vorgesehener Abbau- und Brutplan nicht kollidieren, hat die HeidelbergCement AG beziehungsweise die Heidelberger Sand und Kies GmbH im Jahre 2007 ein umfangreiches Artenschutzprogramm für seine deutschen Abbaustätten erarbeitet – von denen zurzeit 54 in diesem Programm integriert sind.
Um zu wissen, welche Steilhänge sich die Tiere aussuchen oder zukünftig aussuchen könnten, schaut Senior Ecologist Tina Gölzer in der Brutzeit von Juni bis Juli bei allen in Frage kommenden deutschen Abbaustätten des Unternehmens vorbei und erfasst dort den Bestand. „Die Population von Uferschwalben ist starken Schwankungen unterworfen, bedingt durch das Wetter, das Angebot an Nistplätzen und Nahrung. Da müssen wir immer am Ball bleiben“, erklärt Tina Gölzer, die in der Abteilung Global Geology and Raw Materials der ­HeidelbergCement Technology Center GmbH für das Artenschutzprogramm Uferschwalbe verantwortlich ist.
In den Wintermonaten planen die Werksleiter den Abbau für die kommenden Monate. Stehen an einer für Uferschwalben attraktiven oder von ihnen bereits genutzten Steilwand im Frühling Abbauarbeiten an, schaffen die Kieswerke den Vögeln rechtzeitig Ausweichquartiere an unbenutzten freien Steilhängen oder sandig-tonigen Oberbodenhalden. Gleichzeitig flachen sie die zum Abbau bestimmten Wände vor der Rückkehr der Uferschwalben ab und machen sie dadurch unattraktiv. So können bereits im Vorfeld potenzielle Konflikte durch geeignete Management- und Pflegemaßnahmen verhindert werden.

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Uferschwalben bauen ihr „Heim“ am liebsten in steile Sandhänge. Damit werden Sand- und Kiesgruben für sie zu attraktiven Wohn-gebieten.

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© HeidelbergCement (Jochen Röder)

Zusätzlich wird geschaut, wo und wie den Vögeln weiterhin Unterschlupf gewährt werden kann. Denn mit der Zeit wächst ein Hang zu und macht ihn unattraktiv als Behausung für die Uferschwalbe. Neue Steilwände werden daher nach jeder Brutsaison mit Spaten oder einem Bagger sauber abgestochen. Sie werden möglichst nicht bepflanzt, sondern offen gelassen, nötigenfalls sogar entbuscht.
Über die Zeit entstehen so immer weitere zuverlässige Habitate für die Uferschwalbe. Im Kieswerk Durmersheim, südlich von Karlsruhe, ging man sogar noch weiter. Bereits seit 1991 ist das Kiesabbaugebiet dank seiner außergewöhnlichen Biodiversität als Naturschutzgebiet (NSG) mit dem Namen „Kiesgrube am Hardtwald Durmersheim“ ausgezeichnet. Habitate, die dort geschaffen und geschützt werden, sind beispielsweise Sandrasenbereiche oder durch den Abbau entstandene Steilufer. Neben Arten wie Schwarzkehlchen und Flußregenpfeifer ist auch die Uferschwalbe eine wichtige Zielart in diesem Gebiet. Alle drei Jahre findet ein Monitoring der Lebensräume und der darin lebenden Arten statt, um die Entwicklungen und Veränderungen zu dokumentieren.
Um die Zahl der in der Kiesgrube nistenden Uferschwalben zu vergrößern, arbeiten Naturschutz und Unternehmen zusammen. So haben die ­HeidelbergCement AG und ihr Kooperationspartner BirdLife International, beziehungsweise ihr deutscher Partner vor Ort, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Baden-Württemberg, 2014 ein Uferschwalbenhotel am Ufer aufgestellt: zwei Häuschen mit insgesamt 100 Nistkästen, orientiert an Plänen, die sich bereits andernorts für eine ähnliche Schutzmaßnahme bewährt hatten. Die Arbeiten wurden darüber hinaus mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe als zuständiger Behörde für das Naturschutzgebiet abgestimmt. Noch sind die Vögel nicht eingezogen, nutzen aber das reichhaltige Nahrungsangebot der Kiesgrube und der direkten Umgebung. „Wenn es geht, versuchen wir, auf künstliche Nisthilfen zu verzichten“, erklärt Tina Gölzer. „Sie kommen an das Original nicht ganz heran – auch wenn es sich hier um ideale Wohnungen handelt.“ Reklame kann sie bei den Vögeln nicht machen, hofft aber, dass sie sich mit der Zeit von dem attraktiven Angebot überzeugen lassen und einziehen.Anke Biester

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