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Atelier Axel Nieberg

Ausgabe 2/2018Thema: Faszination

Von der Schönheit des Raums

Architekt Axel Nieberg im Gespräch

Architekt Axel Nieberg arbeitet seit dem Jahr 1999 mit einem kleinen Team im eigenen Atelier in Hannover. Seine Architektur zeichnet sich durch minimalistische Formensprache und außergewöhnliche Lichtführung im Zusammenspiel mit natürlichen Materialien aus. Zahlreiche Auszeichnungen und Publikationen dokumentieren die Qualität der Architektur, die immer wieder unter seiner Federführung entsteht.

c: Was fasziniert sie an Architektur?

Für mich geht es in der Architektur in erster Linie um Atmosphäre. Ich stelle mir zunächst vor, welche Wirkung ich für einen Raum schaffen möchte. Am Anfang eines Entwurfsprozesses stehen relativ lange Ortsstudien, um Blickrichtungen und Lichtsituationen im Tagesverlauf zu erfassen. Entscheidend ist für mich, wie meine Gebäude im Hellen, aber auch im Dunkeln wirken. Schon in einem sehr frühen Stadium werden die Außenanlagen, die Sicht auf das Haus und die spätere Beleuchtung angedacht. Atmosphärisches ist für mich bedeutsamer als Formales. So ist mir die Materialität einer Villa wichtiger als ihre Dachform. Ich schätze keine Überfrachtung, vielmehr sinnliche Einfachheit und Reduziertheit, die keine Anklänge an Modisches hat. Stilistisch werde ich zu den Minimalisten gezählt. Die Wirkung, die leere Räume in Verbindung mit natürlicher Materialität und Licht haben, empfinde ich als Luxus.

c: Was inspiriert Sie?

Wie kann ich gute Architektur schaffen? Authentisches, Zeitloses, nichts Nachgemachtes? Im Entwurfsprozess entsteht bei mir ganz viel über Bilder, die in meinem Kopf gespeichert sind. Viele der Inspirationen entstammen der Natur, tauchen aus Kindheitserinnerungen auf. Schon in frühester Jugend wurde mein ästhetisches Empfinden durch Bauten meiner Umgebung geprägt. In puncto Qualität und Geschmacksbildung sehe ich heute ein Riesenproblem, viele Kinder erkennen kaum mehr den Unterschied zwischen einem Nadel- und einem Laubbaum, haben keine Antennen mehr, um Besonderheiten zu erkennen, sehen nur noch virtuelle Bilder. Ich schöpfe aus Erfahrungen, gleichzeitig regen aber auch viele Reisen meine Empfindungen an. Ich spüre die Ausdruckskraft von verwittertem Holz, erinnere das Betasten alter Türklinken, bin fasziniert von der archaischen Form von Almhütten, den schlichten Stallungen, die in ihrer Einfachheit ihre Funktion als Schutzhütten erfüllen. Deren traditionelle Motive übertrage ich in eine moderne Formensprache.

c: Lässt sich dahinter eine Philosophie entdecken?

Dieser Weg oder diese Art, Dinge wahrzunehmen, also der enge Bezug zur Natur, die Verwendung von natürlichen Materialien, die Wertschätzung von Verwitterung, von Alterungsprozessen, entsprechen dem Prinzip der japanischen Wabi-Sabi-Lehre, die in vielen Disziplinen einen visuellen und gleichzeitig taktilen Ausdruck findet. Das entspricht auch der besonderen Arbeitsweise meines Ateliers, die darin liegt, interdisziplinär, sehr detailliert und umfassend zu planen. Ich befasse mich mit Kunst, Produktdesign, Fotografie, plane für die meisten Projekte auch die Innenarchitektur und deren Landschaftsgestaltung. Natürliche Materialien werden durch Patina, durch ihren täglichen Gebrauch und ihren sinnlichen Ausdruck schöner. Ein reines Glasgebäude oder cleane, weiße Innenräume haben für mich keine Ausstrahlung. Architektur muss so stark sein, dass unaufgeräumte Schuhe nicht stören. Oft bin ich gerade dann fasziniert, wenn etwas zufällig, nicht hundertprozentig ist und somit natürlich wirkt.

„Natürliche Materialien werden durch Patina, ihren täglichen Gebrauch und ihren sinnlichen Ausdruck schöner.“

c: Viele Ihrer Bauten zeigen Sichtbeton, was schätzen Sie an diesem Baustoff?

Ich verbinde mit Sichtbeton keine Industriefassaden, sehe vielmehr den sehr handwerklichen Prozess, also das, was bereits das Wirken alter Baumeister bestimmt hat. Im Bauen mit Beton ist nachhaltige Dauer schon angelegt. Wenn Sichtbeton altert, erhöht das seine natürliche Ausstrahlung. Inzwischen bauen wir meist mit Rauspundschalung. Beim Anblick der Wände spürt man so die Menschen, die sie gebaut haben. Auch der Kontrast von glattem Sichtbeton, etwa zu rauem, gebrochenem Betonstein, ist spannend. Bauherren schätzen die warme Ausstrahlung, die Räume bei Lichteinfall durch die Kombination der weichen und harten Materialien Holz und Beton haben. Beim Bau liegt die Faszination für mich auch nicht in der Ausreizung des technisch Möglichen, das kann schon bald überholt sein. Ausdrucksstärker ist für mich dagegen, wie Pfeiler und Glas kommunizieren. Wichtig ist auch, welche Farbigkeit der Beton hat – wir bauen viel mit sandfarbenem Beton. Im Moment planen wir ein Projekt aus einem dunkelbraun durchgefärbten Beton. Um unserem Anspruch an Architektur gerecht zu werden, muss man erfahren sein, muss wissen, wie anspruchsvoll Sichtbeton in Planung und Ausführung ist. Faszinierend für mich ist, dass das Ergebnis bei allem Wissen nie ganz vorhersagbar ist. Unsere Bauherren sind von Sichtbeton sehr überzeugt, für sie ist das auch keine Frage des Zeitgeists.

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Atelier Axel Nieberg

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c: Können Sie nur beim Villenbau Ihrem hohen Anspruch gerecht werden?

Bauherren kennen meine Bauten aus Veröffentlichungen oder eigener Anschauung. Bei Material und Gestaltung der Villen lassen sie mir völlig freie Hand. Mein kleines Atelier, das eher eine Manufaktur als ein Büro ist, garantiert eine sehr intensive und persönliche Betreuung. Auch im Geschosswohnungsbau planen wir detailliert bis zum präzisen Fugenverlauf. Besonders private Investoren wissen diese Qualität zu schätzen. Und im Schulbau setzen wir unseren hohen, auch künstlerischen Architekturanspruch bewusst um. Bei der Erweiterung und dem Umbau des Wilhelm-Busch-Gymnasiums in Stadthagen beispielsweise integrierten wir Kunst in den Sichtbetonbau: Im Foyer führt der Weg über einen roten Teppich zum Wartebereich vor dem Konferenzzimmer. Dort an der Wand erinnert der Schriftzug „eigenArt“ Pädagogen und Eltern daran, Kinder und Jugendliche stets als Individuen wertzuschätzen und sie nicht über einen Kamm zu scheren. Das Gespräch führte Susanne Ehrlinger

Links

www.nieberg-architect.de

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