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Die Wohnanlage in Hannover wurde mit dem German Design Award 2018 ausgezeichnet.

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Atelier Axel Nieberg

Ausgabe 2/2018Thema: Zukunft

Spannungsreiches Miteinander

Zeitgemäße Wandlung einer 1920er-Jahre-Villa

Die Integration eines überlieferten Villenbaus in eine preisgekrönte Wohnanlage gelang mit ausgesuchten Materialien und einer klaren Formensprache. Sichtbeton, Holz und Metall setzen prägnante Akzente an der dezenten Klinkerfassade des Ensembles.

Historische Wohnbauten sind auch heute noch begehrte Adressen. Doch wie lässt sich der besondere Geist eines alten Anwesens auf heutige Zeiten übertragen? Zumal heute unter ökonomischen sowie energetischen Gesichtspunkten andere Voraussetzungen gelten und sich nicht zuletzt die Ansprüche an Wohnkomfort und Stil geändert haben?

Ein Sichtbetonband am historischen Bau unterstreicht die Transformation in eine moderne Formensprache.

In einer der beliebtesten Wohngegenden Hannovers, vis-à-vis des Maschsees, konnte der ortsansässige Architekt Axel Nieberg durch Umbau und Erweiterung einer Villa aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine repräsentative Wohnanlage mit sieben Wohneinheiten von 90 bis 260 Quadratmetern realisieren. „Dabei gingen charakteristische Merkmale der ursprünglichen Architektur in die neue Planung ein oder wurden modern interpretiert. Das Resultat ist ein sowohl von außen als auch innen in sich stimmiger Bau, der Historie und Moderne geschickt kombiniert“, urteilte die Jury des German Design Award 2018, mit dem das Ensemble unlängst ausgezeichnet wurde. Vor dem Bau einer großzügigen Tiefgarage nebst Abstellräumen unter dem geplanten Erweiterungsbau musste der nicht sehr tragfähige Boden der ehemaligen Auenlandschaft zunächst mit Betonbohrpfählen gesichert werden. Der Bestand wurde bis auf den Rohbau zurückgebaut und mit einem neuen Dach versehen, das der ursprünglichen Form entspricht. Neue vorgesetzte Erker unterstreichen mit einem Sichtbetonband am historischen Bau die Transformation in eine moderne Formensprache.

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Während die ehemalige Villa schiefwinklig zur Straße steht, positionierte Architekt Nieberg den angegliederten Neubau für eine effiziente Grundstücksausnutzung parallel zur Straße. Zwischen ihnen formte er einen Verbindungsbau als Glasfuge. Zusammen mit den vorgestellten gebäudehohen Sichtbetonstützen, deren Verlauf als Säulenreihe auf die unterschiedlichen Winkel Bezug nimmt, gelang so eine repräsentative Eingangssituation.

Der Neubau wiederum wurde in Abhängigkeit zu den erforderlichen Abstandsflächen gestaffelt. Was ebenfalls der optimalen Ausnutzung des Grundstücks geschuldet war, brachte den jeweiligen Geschossen großzügige Terrassen. Je nach Blickrichtung sind die Brüstungen aus Metallschwertern durchlässig oder blickdicht. Die Grundrisse gestaltete Axel Nieberg offen, mit fließenden Raumabfolgen, teils als Maisonetten. Dabei orientieren sich die Schlafräume zum Park hin und werden klassisch über geradlinige Flure erschlossen, deren Blickachsen ebenfalls zum Park hin ausgerichtet sind. Die Anordnung der Fenster folgt inneren Achsen, die sich aus den Außenraumbezügen ergeben.


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Atelier Axel Nieberg

Bestand und Neubau unterscheiden sich durch die Farbwahl der Klinkerfassade, die bei der Ergänzung dezenter ausfällt. Bewusst eingesetzte Sichtbetonelemente stellen eine gekonnte Verbindung der beiden Bauten her. Schon seit Jahren steht Architekt Nieberg, wenn es um hochwertige Betonflächen geht, in enger Kooperation mit Heidelberger Beton und lässt sich auch vom Betotech Baustofflabor in Nordstemmen beraten. „Für die Wohnanlage wurden zwei Sichtbetonrezepturen geliefert, die sich in Farbintensität und Oberflächenanmutung unterscheiden sollten und daher auch zwei Schalhauttypen erforderten“, erläutert der Leiter der Anwendungstechnik Detlef Willig. Die äußerst schlanken Stützen und sichtbaren Unterzüge erforderten für die Sichtbetonklasse SB 4 einen sehr fließfähigen Beton mit sehr weicher Konsistenz, der durch die Zugabe von gelber Flüssigfarbe in einer Dosierung von fünf Prozent vom Zementgehalt an sehr glatten Oberflächen eine kräftige Sandfarbe zeigt. Etwas blasser im Farbton wirken die mit einer Schalung aus sägerauen Brettern gefertigten Flächen. Sie finden sich etwa an den Einfriedungen des Gartens sowie am Gerätehäuschen im Eingangsbereich und zeigen den Abdruck von rauem Fichtenholz. Hier wurde der Beton mit zwei Prozent vom Zementgehalt an Flüssigfarbe produziert. „Anhand von Farbmustern, die im im Vorfeld der Baumaßnahme vom Betonlabor angefertigt worden waren, sind die Dosiergrößen der Flüssigfarbe festgelegt worden“, so Detlef Willig. „Die ausgewählten Farbmuster wurden als Referenz für die spätere Ausführung bestimmt. Um den Erfolg einer Baumaßnahme zu gewährleisten, ist diese Vorgehensweise zumindest ab Sichtbetonklasse SB 4 unumgänglich.“

Um die Vorstellungen des Architekten an die Qualität des Sichtbetons zu erfüllen, erhielt das ausführende Bauunternehmen eigens eine Schulung bezüglich Behandlung der Schalung und Einbau des Betons. Der rege Dialog aller Beteiligten hat zum gewünschten Ergebnis geführt. Der German Design Award 2018 ist demnach auch ein Lohn für den Einsatz und die Begeisterungsfähigkeit der Planer und der Ausführenden. Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Wohnanlage Hannover, 7 Wohneinheiten

Bauherr:
Alexander Witt, Hannover

Architekt:
NIEBERG ARCHITECT, Hannover

Tragwerksplaner:
Ingenieurbüro Harmening GmbH, Bückeburg

Energieberatung:
Energieberatung Zollatz, Extertal

Bauunternehmen:
MABAG GmbH, Braunschweig

Beton:
10 m³ C30/37 F5, mit gelber Flüssigfarbe eingefärbt (5 % vom Zementgehalt); SB 4, glatte Schalung, 45 m³ C30/37 F3, mit gelber Flüssigfarbe eingefärbt (2 % vom Zementgehalt), Schalung mit sägerauen Holzbrettern

Flüssigfarbe:
SIKA

Betonlieferant:
Heidelberger Beton GmbH

Betonüberwachung:
Betotech Baustofflabor GmbH, Nordstemmen, ÜK2

Wohnfläche:
1.200 m2

Auszeichnung:
German Design Award 2018

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