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Eine kleine Schleuse bietet dem Mähboot Molly Zugang zum Badesee

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Ausgabe 2/2017Thema: Alltag

Nebeneffekt: Badevergnügen

Weißbeton am Wöhrder See

Der Wöhrder See drohte seit Jahren zu verlanden. Dagegen hat das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg nun umfangreiche Maßnahmen ergriffen. Eine davon dient nicht nur der Beschleunigung der Fließgeschwindigkeit, sondern gleichzeitig dem puren Badevergnügen.

Ziemlich flach und schlammig – so sah 2010 die Diagnose zum Zustand des Wöhrder Sees inmitten von Nürnberg aus. Von ursprünglich drei Metern Wassertiefe waren an einigen Stellen nur noch 50 Zentimeter geblieben. Eingetragen durch den Zufluss Pegnitz hatten sich über die Jahre große Mengen an Sand und Schlamm in dem Gewässer – bestehend aus dem Oberen und dem Unteren Wöhrder See – abgelagert. Ein umfassendes Sanierungsprogramm soll nun nicht nur der Verlandung vorbeugen, sondern den Unteren Wöhrder See als Naherholungsgebiet mitten in der Stadt noch attraktiver machen. Um die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu erhöhen, wurden im etwa 1.200 Meter langen unteren Bereich des Sees Inseln geschaffen und eine kaum durchströmte Bucht am Südufer durch einen Damm abgetrennt. Reizvoller Nebeneffekt: Der 400 Meter lange Damm kann nun als Boulevard, die abgetrennte Bucht als kleiner Badesee genutzt werden.

Der Obere See sollte ein Naturreservat für Tiere bleiben.

Doch um dort die Badequalität sicherzustellen, muss der Zufluss geregelt und das Wasser gereinigt werden. Zudem soll ein so genanntes Mähboot Zufahrt zum See erhalten, um unerwünschte Wasserpflanzen und Algen beseitigen zu können. Eine Schleuse und eine Zuflussregelung mit Messstation helfen, diese Anforderungen zu erfüllen. Die beiden Betonbauwerke passen sich optisch an den mit weißem Gestein aufgeschütteten Damm an. Um den geforderten Farbton möglichst gut zu treffen, fertigte das beauftragte Zentrallabor Naabbeton im Vorfeld Probebetone mit Weißzement an. Normalerweise kommt Weißbeton eher für gestalterische Zwecke im Innen- oder Fassadenbereich zum Einsatz. Hier wurde er in frost- und taumittelbeständiger Qualität und im Dauerkontakt mit Süßwasser eingesetzt. „Wir verwendeten beim Bau eine saugende Schalung, damit Luft und Wasser gut entweichen konnten, so dass ein möglichst porenarmer Beton entsteht“, erklärt Bauleiter Harald Bayerl von der Scharnagl Hoch- und Tiefbau GmbH aus Weiden.

Normalerweise kommt Weißbeton eher für gestalterische Zwecke im Innen- oder Fassadenbereich zum Einsatz.

Weitere Informationen:

  • Entstehung des Wöhrder Sees

    Der Wöhrder See ist ein Stausee inmitten von Nürnberg. Früher durchfloss die Pegnitz in zwei Armen eine Flussaue, die häufig überschwemmt war. Der See wurde angelegt, um die Altstadt bei Hochwasser vor Überflutung zu schützen. Sein Bau dauerte von 1968 bis 1981. Bei einer Gesamtfläche von 52 Hektar ist der See etwa 2,6 Kilometer lang und zwischen 100 und 200 Meter breit. Er besteht aus zwei miteinander verbundenen Teilen: Dem Oberen Wöhrder See, in den die Pegnitz einfließt, und dem Unteren Wöhrder See, aus dem die Pegnitz dann wieder ausfließt.
    Schon in den 80er Jahren wurde der untere See auch zur Freizeitgestaltung genutzt: Auf ihm wurde gesegelt, in ihm gebadet und es gab einen Wasserspielplatz für Kinder. Doch da die Pegnitz nach wie vor den See mit Wasser versorgt, fließen vor allem bei Hochwasser große Mengen an Sand und Schlamm in das Gewässer ein – und lagern sich ab, da sie durch die niedrige Fließgeschwindigkeit im See absinken. Die Folge: 2010 lagen rund 300.000 Kubikmeter Schlamm auf dem Seeboden. Wassersport war schon lange nicht mehr möglich, geschweige denn das Baden. Mit den umfassenden Sanierungsmaßnahmen kann dies nun wieder erreicht werden.

  • In den Fluss kommen

    Wasserbauer ermittelten mit umfangreichen Modelluntersuchungen, wie, wo und warum sich so viel Schlamm im See ablagerte. Mit Hilfe der Ergebnisse entwickelten sie diverse Maßnahmen, um die Fließgeschwindigkeit an den fraglichen Stellen im See zu erhöhen und damit die weitere Schlammablagerung zu reduzieren – zum Beispiel durch Schlammabbaggerungen, Inseln, Uferaufschüttungen.
    Der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg entschieden in diesem Zuge auch, den Unteren Wöhrder See wieder für Wassersportler und Badefreunde nutzbar zu machen. Der obere See sollte ein Naturreservat für Tiere bleiben. So wurden im Unteren Wöhrder See nicht nur über 50.000 Kubikmeter Schlamm abgebaggert, sondern es gibt auch die 20.000 Kubikmeter Wasser fassende Badebucht am Südufer, einen Sandstrand am Nordufer und einen Boulevard über das Wasser. Ebenfalls in Planung sind ein großer Wasserspielplatz, ein Bewegungspark mit Fitnessgeräten, Bänke an sonnigen und schattigen Plätzen sowie neue Gastronomieangebote.

Beim Einbau selbst musste es dann zügig vorangehen: „Beton ist ein Naturprodukt und eine 100-prozentige farbliche Übereinstimmung von Charge zu Charge nicht einfach. Bei jedem der beiden Bauwerke haben wir daher in der Früh begonnen, um sie in einem Rutsch betonieren zu können“, sagt Bayerl. „Es ist uns später aber auch gelungen, die Fugen, die wir erst im zweiten Schritt machen konnten, mit einem gleichfarbigen Beton zu vergießen.“

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Eine Betonbrücke überspannt als weiteres Bauwerk den kleinen Wasserabfluss am Ende des Sees.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Die Bauwerke selbst sind schlicht: Die Betonkonstruktionen bestehen aus jeweils einer Bodenplatte und zwei etwa 50 Zentimeter dicken Flügelwänden. Im Süden riegelt die kleine Schleuse den Badesee gegen den Unteren Wöhrder See ab, öffnet aber bei Bedarf ihre Doppelwand für das Mähboot mit Namen „Molly“. Darüber hinaus gibt es für Molly eine rund 17 Meter lange und 5 Meter breite sogenannte Sliprampe aus Beton, um das Boot ablassen zu können. Später wird noch ein Steg zum Anlegen hinzukommen. Das rechteckige Betonfundament existiert bereits – selbstverständlich ebenfalls im passenden Weiß.

Das zweite Bauwerk im Norden dient dem Wassereinlass aus dem Unteren Wöhrder See in die Badebucht. Zum See hin ist daher ein Stahlrechen montiert. Er hält grobes Treibgut ab, das dann von Zeit zu Zeit von Mitarbeitern abgefischt und entsorgt wird. Hier regelt ein Schieber die Wasserzufuhr. Diesem ist ein so genannter Trübungsmesser vorgeschaltet. Enthält das Wasser zu viele Trübstoffe, bleiben die Schotten dicht. Ebenso, wenn der Badesee eine bestimmte Füllhöhe überschreiten sollte. Bevor das einfließende Wasser in den Badesee gelangt, wird auch die Wasserqualität verbessert. Es durchfließt eine Dammschüttung aus Kies mit Pflanzenbewuchs und wird so natürlich gereinigt.

Mit Stahlträgern und Eichenholzbohlen lassen sich die Bauwerke temporär überbrücken. So kann man auf dem langen Damm im Sommer hindernisfrei flanieren. Nach der Saison werden die Holzplanken entfernt und bis zum nächsten Jahr eingelagert. Schwenkgeländer versperren dann den Weg. Auf den Schwellen des Damms können sich die Zugvögel auf ihrer alljährlichen Route erholen.Anke Biester

Objektsteckbrief

Projekt:
Schleuse und Zuflussregelung, Wasserwelt Wöhrder See, Nürnberg

Bauherr:
Wasserwirtschaftsamt Nürnberg

Architekten:
WWA Nürnberg/Kubens Ingenieurgesellschaft mbH

Bauunternehmen:
Scharnagl Hoch- und Tiefbau GmbH, Weiden

Beton:
Weißbeton der Güte C25/30 nach ZTV-Ing, mit Luftporen, 80 m³; 30 t Weißzement, CBR HeidelbergCement Group

Lieferwerk:
Heidelberger Beton Franken GmbH & Co. KG

Betonberatung:
Zentrallabor Naabbeton, Nabburg; eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

Pumpendienst:
Heidelberger Beton GmbH

Investitionsvolumen:
Damm mit Bauwerken und Bucht rund 4,5 Mio. Euro (Sanierung Wöhrder See insgesamt: rund 16 Mio. Euro)

Fertigstellung:
2017

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