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Dr. Lars Adam, Finanzdirektor Italien

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Fabio Toschi (Italcementi)

Ausgabe 2/2017

La Dolce Vita?

Interkulturelles Training bei HeidelbergCement

Frankreich und Italien – zwei europäische Länder, die die meisten ganz gut zu kennen glauben. Eine schöne Zeit dort zu verbringen ist das eine – gemeinsam mit Kollegen aus diesen Ländern zu arbeiten ist etwas anderes. Ein Erfahrungsbericht.

Amor vecchio no fa ruggine“ ist das italienische Pendant zu “Alte Liebe rostet nicht“. Von einer alten Liebe, zumindest einer langen und engen Beziehung, lässt sich auch zwischen Deutschland und Italien sprechen. HeidelbergCement fügt mit der Akquisition von Italcementi ein weiteres Kapitel in dieser Geschichte hinzu. HeidelbergCement ist mittlerweile in 60 Ländern der Welt aktiv. Und obwohl die Konzernsprache Englisch ist und auch eine gemeinsame Unternehmenskultur weltweit gelebt wird, agiert doch jeder Mitarbeiter immer vor dem Hintergrund seiner kulturellen Prägung. Diese Unterschiede bestehen nicht nur zwischen Asien, Afrika und Europa, sondern auch von Land zu Land innerhalb Europas. Da ist es hilfreich, die Denk- und Lebensweisen zu kennen und so eventuelle Missverständnisse im gegenseitigen Miteinander vermeiden zu können.

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Interkulturelles Training...

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Elke Schönig

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...eröffnet neue Perspektiven.

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Elke Schönig

In der Konzernzentrale in Heidelberg arbeiten Menschen aus rund 40 Nationen. Fast jeder Mitarbeiter in der Hauptverwaltung hat berufliche Kontakte ins Ausland. Um die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern, bietet das Unternehmen seit einigen Jahren neben Sprachkursen auch sogenannte interkulturelle Trainings an. Hierbei geht es primär nicht um die Vermittlung der „do’s“ and „don’ts“, sondern darum, ein Verständnis für die jeweiligen Kulturen zu schaffen und die gemeinsame Zusammenarbeit zu verbessern.

„Amor vecchio no fa ruggine.“

Um ein Land kennenzulernen, ist es sinnvoll, zunächst herauszufinden, wo eigentlich die Unterschiede liegen. Oft vergessen wird die Geschichte, aus der sich die kulturellen Aspekte der Länder ableiten lassen. Und richtig: Auch das heutige Verhalten der Menschen ist stark von der jeweiligen Geschichte eines Landes geprägt. Ein Beispiel aus der Arbeitswelt macht dies deutlich: Im Vergleich zu Deutschland, wird in Italien oder Frankreich persönlichen Beziehungen ein höherer Stellenwert zugemessen. Das bestätigt auch Dr. Lars Adam, der als Finanzdirektor in Italien arbeitet: „Persönliche Kontakte erleichtern die alltägliche Arbeit ungemein. In Italien gibt es viele Menschen, die, bevor sie eine unbekannte Person direkt kontaktieren, eine Mittelsperson suchen, die mit beiden bekannt ist. Diese vermittelt dann so lange, bis man selbst eine eigene Beziehung aufgebaut hat. Auch direkte und klare Ansagen, wie sie in Deutschland üblich sind, können sehr kontraproduktiv sein und nachhaltige negative Auswirkungen haben.“

„Alte Liebe rostet nicht.“

In Deutschland dagegen scheint die persönliche Beziehung nicht so wichtig, Hauptsache, die Arbeit wird erledigt. Matteo Rozzanigo, Area Director Strategy & Development WSE, ursprünglich von ­Italcementi, schätzt aber gerade das an der deutschen Mentalität. „In Deutschland ist alles viel strukturierter, gerade in Meetings wird viel Wert auf Pünktlichkeit und Zeitmanagement gelegt. Italiener sind jedoch flexibler, was manchmal auch ein Vorteil sein kann“.


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Matteo Rozzanigo, Area Director Strategy & Development WSE

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Diese Einstellung hat ihre Wurzeln in der Geschichte. Deutschland wurde durch die Preußen geprägt, war lange ein autoritärer Staat mit klaren Strukturen, in denen jeder seinen definierten Platz hatte. Die Deutschen verlassen sich seither auf Gesetze, die regeln, dass alles funktioniert. Die Person auf der Position tritt dahinter zurück. Italien und Frankreich haben diese Geschichte nicht – hier verlässt man sich traditionell nicht auf den Staat, sondern stattdessen eben auf persönliche Beziehungen. Außerdem ist man wesentlich flexibler im Umgang mit Regeln. Entsprechend unterschiedlich sind die Arbeitsweisen, der Umgang mit Hierarchien und auch mit Konflikten.

Am Ende des Tages sind international besetzte Teams und Projekte jedoch eine wirkliche Bereicherung. „Wer weiß, wie und warum der andere so ,,tickt“, dem eröffnet sich eine Vielfalt neuer Perspektiven und interessanter Erfahrungen – ganz abgesehen von den persönlichen Begegnungen, die oft genug über das Kollegenverhältnis hinausgehen und in Freundschaften münden. Trotz aller guten Tipps gilt: Mit dem Anpassen an andere Kulturen sollte man es nicht übertreiben – heißt für uns – die eigene Kultur muss nicht verleugnet werden, denn gerade der authentische Umgang mit den landestypischen Stärken und Schwächen macht ja den Reiz der Vielfalt aus. Ein bisschen Augenzwinkern und etwas Selbstironie erleichtern schließlich auch den Arbeitsalltag.Elke Schönig / Conny Eck

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