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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Ausgabe 2/2017Thema: Alltag

Ein Stück Freiheit

Arbeitsalltag im Steinbruch

Wo gesprengt wird, da fallen Steine. context begleitete einen Tag lang den Steinbruchmeister Werner Hofrichter im Steinbruch des Zementwerks Burglengenfeld.

Es ist noch dunkel, wenn der Arbeitstag von Werner Hofrichter beginnt. Um genau zu sein, startet er um 5.30 Uhr in der Früh. Dann, wenn sich langsam im Werk Leben regt, sitzt der Steinbruchmeister schon mit dem ersten Kaffee an seinem Computer und erstellt den Tagesplan für seine Mitarbeiter. „Der Mannschaft wird um 6.00 Uhr mitgeteilt, was es zu tun gibt. Jeder bekommt seinen Posten, dann verteilt sich die Mannschaft auf die Fahrzeuge.“ Auch Werner Hofrichter ist die meiste Zeit im Steinbruch unterwegs. Ihn erkennt man an seinem roten Pick-up, mit dem er auf dem rund 150 Hektar großen Steinbruchgelände nach dem Rechten schaut. „Ich fahre mehrmals am Tag meine Runde. Stimmen die Abläufe im Steinbruch, laufen die Pumpen und Fahrzeuge?“ Sprach‘s und setzt sich den grünen Helm auf den Kopf. Auf geht‘s zur ersten Station an diesem Tag, direkt dorthin, wo abgebaut wird.

„Mein erster Blick geht über die Bruchwand, hier schaue ich, ob die Wasserhaltung in Ordnung ist und ob die Pumpen funktionieren“, sagt Hofrichter nach wenigen Minuten Fahrt. Wie jedes Werk ist auch Burglengenfeld auf eine gut funktionierende Wasserhaltung angewiesen. Regen oder zufließendes Grundwasser können einen Steinbruch innerhalb von Minuten in eine Wasserlandschaft verwandeln. „Egal woher das Wasser kommt – ob vom Himmel oder aus dem Untergrund – es muss weg“, erklärt Hofrichter. „Bei uns wird es in Absatzbecken gesammelt und, wenn nötig, zur weiteren Senkung der Trübstoffe in ein Rundbecken weitergeleitet.“ Die Herausforderung dabei: Der Steinbruch verändert beinahe täglich sein Gesicht. „So müssen wir uns immer wieder mit neuen Rahmenbedingungen auseinandersetzen“, sagt Hofrichter.

Log out, Tag out, Try out

Die Dimensionen hier sind gewaltig. Bei einem Fußmarsch um das riesige Gelände legt man fast sieben Kilometer zurück. Der mehr als 150 Millionen Jahre alte Kalkstein ist in meist hellen Farbschattierungen zu sehen – ein verblüffender Kontrast zu den umliegenden grünen Bereichen der bereits renaturierten und rekultivierten ehemaligen Abbaustellen. Seit nunmehr 100 Jahren entstehen hier immer neue Steintreppen, sogenannte Sohlen. Die mächtigen Schaufeln der Radlader wuchten ununterbrochen gewaltige Steinbrocken auf die Ladeflächen der Schwerlastkraftwagen (SKW). Werner Hofrichter, der seit 1995 seine Sprengberechtigung besitzt, hat die Brocken präzise aus dem Stein gesprengt. Noch immer sei die Sprengung das beste Mittel, um den Kalkstein zu gewinnen. Bis zu 150 Mal im Jahr kommt der Sprengstoff zum Einsatz. „Früher hat es bei Sprengungen auch gerne mal Steine geregnet“, erklärt er. Diese Zeiten seien längst vorbei. Der moderne Sprengstoff und die modernen Millisekundenzünder reduzieren den Lärm und die Erschütterung im Berg, so dass Anwohner kaum etwas mitbekommen.

Der Kalkstein wird anschließend per Schwerkraftwagen zum Brecher transportiert – bis zu 85 Tonnen pro Ladung. Das Fahrzeug hat die Höhe eines Einfamilienhauses. Alleine die mächtigen Reifen sind mannshoch. Die besondere Aufmerksamkeit Hofrichters gilt neben der Sprengung vor allem der Brecheranlage. Es ist einer der größtmöglichen Störfälle, wenn die beiden großen Brecherrotoren, die den Kalkstein zu handlichen Brocken zerkleinern, stillstehen. „Wir fahren am Tag zwischen 10.000 und 12.000 Tonnen Material“, erklärt der gelernte Betriebsschlosser. „Da kann schon mal was klemmen, ein Gummi reißen oder eine Rolle kaputt gehen.“ Dann heißt es: Schnell, aber ohne Hektik handeln. Per Funk ist Hofrichter permanent mit seinen Mitarbeitern verbunden und weiß somit immer, wo es gerade hakt.

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Werner Hofrichter ist Steinbruchmeister in Burglengenfeld.

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Bei jeglichen Reparaturen arbeiten alle Mitarbeiter des Werks nach dem „Lo-To-To-Prinzip“: Log out, Tag out, Try out. Werner Hofrichter erklärt es folgendermaßen: „Muss eine Anlage repariert werden, dann wird diese stillgelegt und die Hauptschalter mit einem Schloss gesichert. Dann folgt eine Gegenprobe, ob das Förderband oder der Brecher definitiv nicht laufen. Erst dann wird mit den Reparaturarbeiten begonnen. „Ohne Aussichern und Freischalten gibt es bei uns keine Instandsetzung, auch keine Wartungsarbeiten oder, wo nötig, Reinigungsarbeiten“, so Hofrichter. Arbeitssicherheit wird groß geschrieben. Das beginnt bereits damit, dass alle Mitarbeiter stets ihre persönliche Schutzausrüstung, wie Sicherheitsschuhe, Warnjacke, Helm und Schutzbrille, tragen. „Diese Verantwortung nehmen wir ernst“, so Hofrichter. „Schließlich kann das Gesundheit und Leben retten.“

Zu Hofrichters Verantwortungsgebiet gehört auch der Fuhrpark. „Jedes im Steinbruch eingesetzte Fahrzeug hat bis zu 20.000 Betriebsstunden drauf, da ist jeden Tag was anderes. Mal ist ein Hydraulikschlauch kaputt, aktuell ist vom großen Schaufelradlader die Büchse vom Haltebolzen abgebrochen, jetzt wackelt die Schaufel.“ Nichts für schwache Nerven. Doch Werner Hofrichter bleibt meist ruhig und handelt überlegt. Diese Eigenschaft hilft ihm auch bei der notwendigen Bürokratie, die zu seinem Tagwerk, aber nicht zu seinen Lieblingsaufgaben gehört, weil er lieber draußen ist: Stunden der Mitarbeiter aufzuschreiben, Fahrzeugstunden und Diesel abzurechnen, Ersatzteile oder Monteure zu bestellen, sind Dinge, die erledigt werden müssen. Auch sonst fordert die Arbeit im Steinbruch robuste Naturen. Schwere, gelbe Schlammklumpen bleiben etwa im Winter bei jedem Schritt an den Schuhen haften. Aber die Arbeit hat auch ihre ,,zarten“ Seiten“. Jüngst hat Hofrichter einen jungen Uhu gerettet, der aus dem Nest gefallen war. Aber auch andere Wildtiere leben im Steinbruch, wie ein Fuchs oder ein Dachs. „Seit letztem Jahr haben wir auch einen Fischadler, einen ganz jungen. Der schaut öfter mal vorbei.“

In ruhigen Momenten und bei schönem Wetter lässt Hofrichter seinen Blick gerne mal von seinem Lieblingsplatz ganz oben im Steinbruch über das gesamte Areal schweifen. Dann fällt ihm immer etwas auf, was man noch tun oder verbessern könnte. Tauschen? Nein, tauschen will er seine Arbeit mit niemandem. „Die Arbeit im Steinbruch bringt jeden Tag was Neues. Außerdem bin ich gerne draußen“, sagt er. „Das ist für mich ein Stück Freiheit.“Conny Eck

Links

www.heidelbergcement.de/burglengenfeld
www.heidelbergcement.de/artenvielfalt

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