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Diese marode Brücke in Hamburb konnte durch eine Übergangslösung gesichert werden.

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© Benno Riffel für HC

Ausgabe 2/2016Thema: Herausforderung

Unterwasserseinsatz

Stützprovisorium für Hohenfelder Brücken

Die Hohenfelder Brücken an der Hamburger Außenalster sind marode. Langfristig soll ein Neubau die Brücken ersetzen, kurzfristig sichert nun ein Provisorium die Verkehrssicherheit.

Hamburg ist die brückenreichste Stadt Europas und zählt sogar mehr Brücken als Venedig. Wer allerdings entlang der Außenalster auf der sechsspurigen Straße Schwanenwik stadt-ein- oder stadtauswärts unterwegs ist, wird die Hohenfelder Brücken kaum wahrnehmen. Die zwei parallel zueinander gelegenen Bauwerke überspannen den gerade einmal zehn Meter breiten Stichkanal von der Außenalster zur Hohenfelder Bucht. Neuere Untersuchungen des Hamburger Landesbetriebs für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) zeigten, dass die Hohenfelder Brücken in einem schlechten baulichen Zustand sind. Sie sollen abgebrochen und durch Neubauten ersetzt werden. Infrastrukturell kein einfaches Unterfangen: Zwar ist der Kanal schmal, aber gemeinsam mit der angrenzenden Kreuzung Sechslingspforte/Schwanenwik bilden die Brücken einen viel befahrenen Knotenpunkt, der ebenfalls umgestaltet werden soll, um den Verkehr in Zukunft besser aufnehmen zu können.

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„Aus diesem Grund entschloss sich die Hamburger Verkehrsbehörde, den Neubau der Hohenfelder Brücken und den Kreuzungsumbau zu einer Baumaßnahme zusammenzufassen, um den Straßenverkehr an dieser Stelle nicht länger als notwendig zu beeinträchtigen“, erläutert Maik Kolpacki von der Abteilung Konstruktive Ingenieurbauwerke des LSBG. „Ein solch umfassendes Infrastrukturprojekt benötigt allerdings längeren planerischen Vorlauf, da verschiedene Varianten für eine nachhaltige Entwicklung des Straßenraums am Alsterufer untersucht werden sollen.“

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Ein Spezialbaustoff sorgt im Hohlraum zwischen dem Stützrohr und der Brücke für einen kraftschlüssigen Lastabtrag.

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Detlef Schutty (HC)

„Und wenn dann der Brückenneubau ansteht, lässt sich der spatenlösliche TerraFlow einfach rückbauen und recyceln.“

Detlef Schutty

„Aus diesem Grund entschloss sich die Hamburger Verkehrsbehörde, den Neubau der Hohenfelder Brücken und den Kreuzungsumbau zu einer Baumaßnahme zusammenzufassen, um den Straßenverkehr an dieser Stelle nicht länger als notwendig zu beeinträchtigen“, erläutert Maik Kolpacki von der Abteilung Konstruktive Ingenieurbauwerke des LSBG. „Ein solch umfassendes Infrastrukturprojekt benötigt allerdings längeren planerischen Vorlauf, da verschiedene Varianten für eine nachhaltige Entwicklung des Straßenraums am Alsterufer untersucht werden sollen.“

Die Unterwasserbetonage im Kontraktorverfahren erfordert Erfahrung und wortwörtlich auch viel Fingerspitzengefühl.

Um die Verkehrssicherheit der maroden Brücken bis dahin zu gewährleisten, wurden sie nun durch eine Übergangslösung gesichert. Dazu baute das Bauunternehmen Fr. Holst ein Stahl-Stützrohr als Inliner zur Stabilisierung der Brückenkonstruktion ein. Auf einem Lastkahn wurde das 35 Meter lange und an die 40 Tonnen schwere Stahlrohr über die Außenalster zu dem schmalen Stichkanal transportiert und vorsichtig unter den Brücken platziert. Für einen kraftschlüssigen Lastabtrag wurde anschließend der Hohlraum zwischen dem Stützrohr und den Brücken mit dem Spezialbaustoff ­TerraFlow von ­Heidelberger Beton verfüllt. „­TerraFlow ist setzungsfrei und volumenstabil.
Da kein manuelles Verdichten erforderlich ist, erfolgte der Einbau erschütterungsfrei und erlaubte so einen schnellen Baufortschritt“, so Detlef Schutty vom Vertrieb Spezialbaustoffe der Heidelberger Beton GmbH in Hamburg. „Und wenn dann der Brückenneubau ansteht, lässt sich der wiederaushubfähige ­TerraFlow einfach rückbauen und recyceln.“


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Detlef Schutty (HC)

Insgesamt lieferte ­Heidelberger Beton aus dem Werk Stellingen rund 2.000 Kubikmeter auf die Baustelle. Vor Ort wurde der Spezialbaustoff dann mithilfe einer Betonpumpe M24 zum Einsatzort unter die Brücken gepumpt und im Kontraktorverfahren durch die Taucher Frey GmbH eingebracht. „Die Herausforderung war dabei der eingeschränkte Platz unter der Brücke“, erklärt Lars Semmler, Oberbauleiter der Firma Fr. Holst. „Für eine optimale Beweglichkeit haben wir den Schlauch auf dem Wasser über mehrere kleine miteinander verbundene Pontons geführt, so dass der Taucher unter Wasser das circa 1,50 Meter lange Endrohr ohne Probleme führen konnte und so eine gleichmäßige Betonverteilung sichergestellt war.“ Die Unterwasserbetonage im Kontraktorverfahren erfordert Erfahrung und wortwörtlich auch viel Fingerspitzengefühl. „Die Augen des Tauchers sind seine Hände“, weiß der Berufstaucher Stefan Frey zu berichten. „In einer Wassertiefe von 2,30 bis 2,70 Meter ist durch das austretende Füllmaterial TerraFlow nach kurzer Zeit praktisch keine Sicht mehr vorhanden, und es ist für die Betonage entscheidend, dass das Endrohr stets im Baustoff geführt wird.“ Schichtweise wurde der Spezialbaustoff TerraFlow erst unter Wasser in mehreren Tauchgängen und nach Erreichen der Wasserlinie dann nur im Taucheranzug und in Watthosen eingebracht. Mit der provisorischen Stützkonstruktion ist die Stabilität der Hohenfelder Brücken zunächst wieder sichergestellt, nach aktueller Planung sollen die Brücken dann ab 2020 abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.Katharina Ricklefs

Objektsteckbrief

Projekt:
Hohenfelder Brücken, Hamburg

Bauherr/Planer:
Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg (LSBG)

Bauunternehmen:
Fr. Holst GmbH & Co. KG, Hamburg

Taucher:
Taucher Frey GmbH, Hamburg

Pumpendienst:
Heidelberger Beton GmbH

Betonproduzent:
Heidelberger Beton GmbH

Produkte:
2.000 m³ TerraFlow

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