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Das Zementwerk Lengfurt: Zu sehen sind im Vordergrund der Rohgaswärmetauscher der Wärmeverschiebeanlage und dahinter die Entstaubungsanlage (Schlauchfilter).

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 2/2016Thema: Herausforderung

Fit für die Zukunft

Modernisierung des Zementwerks Lengfurt

In Deutschland gelten für die Zementindustrie ab dem Jahr 2019 verschärfte Emissionsgrenzwerte für Ammoniak und Stickoxide. Da viele Drehrohröfen bereits über 40 Jahre alt sind, ist es mit der zurzeit installierten Technologie kaum möglich, die neuen, strengeren Grenzwerte einzuhalten.

Die Bundesregierung senkt ab dem Jahr 2019 den Tagesgrenzwert von Stickstoffoxid (NOx) auf 200 Milligramm je Kubikmeter. Durch die strengeren Grenzwerte in der novellierten 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) sollen die Emissionen dieser Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon deutlich vermindert werden. Zusätzlich sollen auch die neuen Vorgaben der Europäischen Kommission für Ammoniak-Emissionen (NH3) umgesetzt werden.

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Insgesamt werden rund 50 Millionen Euro investiert.

HeidelbergCement hat sich schon frühzeitig entschlossen, notwendige Modernisierungsmaßnahmen an den einzelnen Standorten der Zementwerke in Deutschland anzugehen. Vorreiter ist das Zementwerk Lengfurt. Dort starteten bereits im Jahr 2014 die Bauarbeiten. Die Maßnahmen wurden in vier Bauabschnitte aufgeteilt, die mit dem Umbau des Wärmetauschers und dem Bau eines neuen Katalysators in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Insgesamt werden dann rund 50 Millionen Euro investiert worden sein, um die 40 Jahre alte Anlage zu ertüchtigen und mit modernsten Technologien zu ergänzen.

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„Die Investition umfasst die Errichtung eines modernen Gewebefilters mit einem nachgeschalteten Katalysator zur Reduktion von Stickoxiden“, erklärt Werksleiter Michael Becker. „Für den außenstehenden Betrachter ist der neue 83 Meter hohe Kamin, in dem gleichzeitig auf einer separaten Messbühne neueste Emissionsmesstechnik installiert ist, der am besten sichtbare Teil der Umbauten. Neben den Neubauten wird die Ofenanlage im Wärmetauscherbereich, im Kühler und in der Mahltrocknung modernisiert.“


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Die Besonderheit in Lengfurt ist der erstmals bei HeidelbergCement in Deutschland eingesetzte moderne SCR-Katalysator (Selektive Katalytische Reduktion). Der Ausstoß von Stickstoffoxid wird seit rund zwei Jahrzehnten in der deutschen Zementindustrie zumeist über das sogenannte SNCR-Verfahren (Selektive Nichtkatalytische Reduktion) reduziert. Hierzu wird Ammoniakwasser oder Harnstofflösung ins heiße Rohgas hinter dem Drehrohr-ofen gedüst. Das Ammoniak (NH3) reagiert mit Stickstoffmonoxid (NO) bei 880 bis 1.020 Grad Celsius und wird zu Stickstoff und Wasserdampf. Um die neuen, niedrigeren Grenzwerte zu erreichen, wurde in Lengfurt als Pilotprojekt erstmals ein moderner SCR-Katalysator eingebaut. Die chemische Reaktion am SCR-Katalysator ist selektiv, das heißt, es werden bevorzugt die Stickoxide (NO, NO2) reduziert, so dass der geforderte niedrigere NOx-Tagesgrenzwert von 200 Milligramm je Kubikmeter eingehalten oder sogar unterschritten werden kann. Zum Ablauf der Reaktion wird hier ebenfalls Ammoniak benötigt, das dem Abgas zugemischt wird. Auch für Ammoniak werden die künftig geforderten, niedrigen Grenzwerte eingehalten. Die Produkte der SCR-Reaktion sind wie beim SNCR-Verfahren am Ende Luftstickstoff und Wasser.
„Um die Stillstandzeit des Werkes möglichst gering zu halten, mussten einige Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Erstellung der Fundamente für die Anlagenteile Schlauchfilter, Schornstein und Katalysator, die neu errichtet worden sind, bereits vorab und in mehreren parallelen Bauabschnitten durchgeführt werden“, ergänzt Becker. „Eine besondere Herausforderung für die Werksmannschaft bei laufendem Betrieb.“Elke Schönig

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