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Ausgabe 01/19Thema: Identifikation

Gar nicht provinziell

Schulerweiterung mit Sichtbeton

Ein neuer Klassentrakt, eine Turnhalle und ein multifunktionaler Pausensaal machen eine Schule aus den 50er Jahren fit für die Zukunft. In der Oberpfalz hat sich die Stadt Neunburg vorm Wald gegen einen Campus auf der grünen Wiese und damit für die innerstädtische Aufwertung fußläufig entfernt vom historischen Zentrum entschieden.

Große Unterrichtsräume, die über Sichtfenster mit einem vorgelagerten „Marktplatz“ verbunden sind – der neue Klassentrakt ist nach dem Konzept moderner Lernlandschaften gestaltet. Der Anbau ist dabei nur ein Teil der Baumaßnahmen, die die örtliche Grundschule in Neunburg vorm Wald durch die Planung des ortsansässigen Architekturbüros Steidl zu einer Ganztagesschule für 300 Kinder werden lässt. Das benötigte Raumprogramm umfasste auch den Ersatzneubau einer Turnhalle und den Umbau des Bestandes. Neue barrierefreie Erschließungen, eine multifunktionale Pausenhalle mit integrierter Schülerküche, ein Hausmeistertrakt mit Durchreiche, eine neue Ausgabeküche, am Bedarf orientierte Lehrerzimmer und ausreichend Verwaltungsräume wurden auf hohem architektonischem Niveau nachhaltig, unter Nutzung von Geothermie und Betonkernaktivierung, realisiert.

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Auch in der neuen Turnhalle bildet Sichtbeton den einheitlichen Hintergrund.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

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Stahl, Glas und Beton dominieren im Treppenhaus.

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Den Klassenzimmern sind „Marktplätze“ vorgelagert. Sie unterstützen das differenzierte Lernkonzept.

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Michael Steidl weist auf die besondere Oberfläche des Betons hin, der im Innenraum nicht verputzt oder gestrichen wird.

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Zwischen dem neuen Klassentrakt und dem Bestand vermittelt eine weitgehend verglaste Fuge.

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Der Abdruck des Meterrisses im Sichtbeton erinnert an zwei Millimeter Differenz auf 18 Meter Länge.

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Die Einfachturnhalle errichteten die Architekten auf einem aus Stahlbeton geschaffenen Streifen- und Punktfundament und einer als aussteifende Scheibe wirkenden Ortbetonbodenplatte. Die Stahlbetonwände und -decken der neuen Gebäudeteile zeigen im Innern eine besondere homogene Sichtbetonoberfläche mit wolkiger Zeichnung. Erfahrungen mit dieser Anmutung des unbekleideten Betons hatten die Architekten und das ausführende ortsansässige Bauunternehmen Franz Wilhelm bereits bei einem weiteren Bauvorhaben, dem Neubau der Mensa der Mittelschule in Neunburg, gesammelt. Dort hatte man noch beim Bauherrn Überzeugungsarbeit leisten müssen, den Beton mit seiner natürlichen Oberfläche sichtbar zu zeigen. Das Ergebnis hat überzeugt. Nun prägt Sichtbeton in Kombination mit Glas, Stahl und farbig abgestimmter Innenarchitektur auch bei der Ganztagesschule in der Innenstadt das Bild. Die spezielle Maserung der glatten Sichtbetonflächen ist durch den Einsatz hochverdichteter Schalungsplatten mit gleichmäßigem Saugverhalten entstanden. Die Idee zu diesem lebendigen Erscheinungsbild hat das Architekturbüro Steidl entwickelt und sie nach Versuchen mit unterschiedlichen Schaltafeln zusammen mit dem Bauunternehmer umgesetzt.

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Architekturzeichnung von Steidl Architekten: Neubauten und Bestand zeigen eine einheitliche Architektursprache

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Architekturbüro Michael Steidl

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Der Gestaltungswille der Architekten, das Geschick des ausführenden Unternehmens bei der Betonage und die Güte des Betons, den die TBG Naabbeton, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH, aus dem nahe gelegenen Bodenwöhr lieferte, zeigt sich an den Flächen und bis ins Detail, etwa an der extrem schmalen Turnhallenbrüstung oder den kleinen Abdrücken von Laub an den Flurwänden. Wie Fossilien zeichnen sich Eichenblatt oder Ahorn auf der Wand ab und geben den auch farblich differenziert gehaltenen Etagen ihren jeweiligen individuellen Namen.

„Das nachhaltige Energiekonzept nutzt Erdwärme und Betonkern-aktivierung. Decken-, Fußboden- und Wandheizungen schaffen eine angenehme Atmosphäre“

Johannes Peter Steidl

Für viele Architekten ist der Beruf eher eine Berufung, die nicht mit dem Dienstschluss endet. So hat sich bei Architekt Michael Steidl die Leidenschaft für das Entwerfen von Räumen, für die durchdachte Planung von stimmigen Baukonzepten für eine lebendige, sozial aufeinander bezogene Gemeinschaft auf die jüngere Generation übertragen. In den 80er Jahren, nach einer zu ruhigen Phase als Angestellter im Bauamt, gründete Michael Steidl in Neunburg sein eigenes Architekturbüro. Drei Söhne und eine Tochter zogen zum Lernen und Studieren in die Welt. Die Identifikation mit ihrer Region hat sie alle zurückkehren lassen. Nun sind sie als Architekten, Stadtplaner, Bauzeichner und auch als Innenarchitektin Teil des Teams.

„Die spezielle Maserung der glatten Sichtbetonflächen ist durch den Einsatz hochverdichteter Schalungsplatten mit gleichmäßigem Saugverhalten entstanden.“

Michael Steidl

„Architektur ist unser Herzblut, wir leben dafür“, meint Michael Steidl und die Begeisterung für den Schulbau und die massive Bauweise ist in jedem Satz des Seniors spürbar. „Der Beton lebt“, und immer wieder drückt er ihm auch einen individuellen Stempel auf, etwa mit dem Abdruck des Meterrisses, dem „Urmaß des Bauwerks“, von dem aus der ganze Neubau mit nur zwei Millimetern Differenz auf 18 Meter Länge vermessen wurde. „Gut gemacht“, geht sein Lob an den Bauunternehmer. Ein Meisterwerk der Genauigkeit, ebenso wie die passgenaue Schülerküche, deren Planung nicht mit Zeit und Geld, eher mit Begeisterung und Freude am Ergebnis aufzuwiegen ist. Nischen, die durch den Umgang mit dem Bestand entstanden sind, erzeugen durch eine sinnvolle Nutzung ein Alleinstellungsmerkmal. Welche Grundschule hat schon eine versteckte Schülerküche in der Pausenhalle und lehrt insbesondere das immer wichtiger werdende Thema Ernährung auf so vorbildliche Weise. Starköchin Sarah Wiener ist eingeladen, hier gemeinsam mit den Kindern zu kochen.

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Der neue Klassentrakt ist nach dem Konzept moderner Lernlandschaften gestaltet.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Zusammen mit der Sanierung des Bestands, die nun in diesem Jahr abgeschlossen wird, ist die Erweiterung der Grundschule zur Ganztagesschule das größte soziale Infrastrukturprojekt der Stadt in jüngster Zeit gewesen. Sie reagiert auf den gestiegenen Bedarf an Schulplätzen und positioniert sich mit ihrer Entscheidung, die vorhandene Grundschule nahe dem historischen Zentrum zu erweitern, gleichzeitig auch für eine Stärkung der innerstädtischen Lage. Schon einmal hatten sich die Städte und Gemeinden in der Oberpfalz auf mehr Schüler einstellen müssen. Nach dem Krieg war die Bevölkerung durch den Zuzug von Vertriebenen sprunghaft gestiegen. Heute geht es verstärkt um Integration, Inklusion und moderne Schulkonzepte für Ganztagesbetreuung, alles Maßnahmen, die den Bedarf an adäquaten schulischen Einrichtungen steigen lassen. In der Tat verzeichnet die mittelalterliche Kleinstadt mit ihren rund 8.500 Einwohnern auch – entgegen der demografischen Vorhersage – wieder Zuwachs. So bietet sie auch erhaltenswerte historische Gebäude im ausgeschriebenen, durch verschiedene Fördermöglichkeiten privilegierten Sanierungsgebiet zum Verkauf an, allerdings nur gegen Bestellung einer sogenannten Sanierungsverpflichtung. Neunburg vorm Wald nutzt dies als Instrumentarium gegen Grundstücksspekulation und forciert, gemäß den Vorstellungen des speziellen Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, den Erhalt von Bauten, die dem mittelalterlichen Stadtbild als belebtem Wohn- und Einzelhandelsraum entsprechen und zur Identifikation der Einwohner mit ihrem Ort beitragen.

Auch das Architekturbüro Steidl wird einen historischen Gebäudekomplex mit Stadtmauer denkmalgerecht sanieren und dort sowohl Räume für das Architekturbüro als auch Wohnraum schaffen. Wie bei der aktuellen Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Josef oder der künftigen Erweiterung des historischen Rathauses wird das Augenmerk der Architekten auf der klugen und nachhaltigen Verbindung von Alt und Neu sowie den besonderen Vorgaben des Ortes liegen.

Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Sanierung und Erweiterung einer Grundschule mit Ausbau zur Ganztagesschule, Neunburg vorm Wald

Bauherr:
Stadt Neunburg vorm Wald

Architekten:
Steidl Architekten, Neunburg vorm Wald

Bauunternehmen:
Franz Wilhelm Bauunternehmung GmbH, Neunburg vorm Wald

Beton:
300 m³ Sichtbeton C25/30 F4, Größtkorn 16 mm

Produzent:
Transportbeton GmbH & Co. KG. Naabbeton, Lieferwerk Bodenwöhr, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

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