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© Andrey Popov - Fotolia.com

Ausgabe 1/2018

Wohin die Reise gehen könnte

Wie uns die Zukunftsforschung auf Umbrüche und Veränderungen vorbereitet

Zukunftsforscher untersuchen aktuelle Entwicklungen auf ihre gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen. Die so entwickelten Szenarien sind eine wertvolle Planungshilfe für Unternehmen und Institutionen.

Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Blockchain-Technologie: Das sind inzwischen oft gehörte Buzzwords. Doch sie werden gravierende Auswirkungen auf unseren Alltag haben, vergleichbar mit schon länger bekannten Phänomenen wie dem Klimawandel oder dem Bevölkerungswachstum in Schwellenländern. Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen in 10 oder 20 Jahren? Entscheider in Politik und Unternehmen müssen sich mit den möglichen Veränderungen auseinandersetzen – sie benötigen Strategien für die Welt von morgen. Unterstützung bei diesen Planungen kommt aus der Zukunftsforschung. An Universitäten und in privatwirtschaftlich organisierten Instituten arbeiten Zukunftsforscher daran, Antworten auf die Fragen ihrer Auftraggeber zu finden, wie etwa: Bauen demnächst Roboter unsere Häuser? Steigt China zur Weltmacht Nummer eins auf? Wer wird 2030 noch seinen heutigen Job haben?

Szenarien und „Zukünfte“

Erst seit dem späten 19. Jahrhundert wird die Zukunft erforscht. Mit dem Beginn der Industrialisierung, als sich die verfügbare Technik und das Wissen darüber rasant weiterentwickelten, versuchten Menschen zu prognostizieren, wohin die Reise gehen wird. Ein Blick zurück zeigt, dass dabei besonders häufig die (vermeintlichen) Experten daneben lagen: Ein Flug von Paris nach New York wurde noch 1909 von Flugpionier Orville Wright für „unmöglich“ erklärt. Doch schon zehn Jahre später fand der erste Flug von Europa nach Amerika statt. Microsoft-Gründer Bill Gates war noch 1981 davon überzeugt, dass niemand jemals „mehr als 640 Kilobyte Speicherplatz“ benötigen würde. Diese und andere amüsante Beispiele für den sogenannten „Future Bias“ nennt Zukunftsforscher Dr. Bernd Flessner, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, in einem sehenswerten Vortrag über prognostische Irrtümer und deren Ursachen (Vortrag von Dr. Bernd Flessner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, für die Micromata GmbH, September 2017). Darin weist er allerdings auch darauf hin, dass der fantasiebegabte Autor Jules Verne schon 1860 verblüffend präzise die Kommunikationsmittel von Paris im 20. Jahrhundert beschrieb: Faxgeräte, Telefone und Rechen-maschinen.

Um den Tunnelblick und die Betriebsblindheit von Experten zu vermeiden, arbeiten Zukunftsforscher in der Regel mit weitreichenden Szenarien und denken in Möglichkeitsräumen. Sie betrachten die komplexen wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dabei gleichzeitig aus unterschiedlichen Perspektiven. So entstehen Best Case Szenario, Trendszenario und Worst Case Szenario. Dies sind keine fertigen Prognosen, im Gegenteil. Der Irrtum und die Unsicherheit ist fester Bestandteil der Zukunftsforschung. Dennoch: Die Szenarien und die daraus abgeleiteten Zukünfte (!) bieten Entscheidern eine Orientierung, wohin die Reise gehen könnte.Eric Sturm

Arbeit als Luxus

Auch der Philosoph Richard David Precht beschäftigt sich in seinen Büchern und Vorträgen mit der Zukunft. Er sieht einen umfassenden Wandel der Arbeitswelt: „Wir müssen um alles in der Welt verhindern, dass die Gesellschaft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft wird, die einerseits in die Welt derjenigen zerfällt, die noch Arbeit haben – das ist die Oberschicht – und die Unterschicht ist diejenige, für die keine Arbeit mehr da ist. Wir hätten dann eine umgekehrte Aristokratie.“ Nach der vierten industriellen Revolution werde der größte Teil der Arbeit nicht mehr von Menschen gemacht. Nur noch Hochqualifizierte – also die neue „Aristokratie“ – werde die Prozesse der Künstlichen Intelligenz steuern. Die Hälfte der Arbeitsplätze falle schon innerhalb der nächsten 20 Jahre weg, so Precht

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