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Zusammen mit dem historischen Kirchengebäude bildet der Neubau ein stimmiges Ensemble.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 1/2018Thema: Zukunft

Beton beflügelt

Einfamilienhaus mit Infraleichtbeton

Schlicht, aber ausgefeilt verbindet das Wohnhaus f2 in Freising architektonische Einfachheit und Finesse im Detail. Für die massiven einschaligen Wände bietet Infraleichtbeton als moderner Hochleistungsbaustoff gute Dämmwerte, Nachhaltigkeit und die gewünschte Sichtbetonoptik.

Gleich zwei bemerkenswerte Bauten aus Leichtbeton konnten unlängst beim aktuellen Architekturpreis Beton überzeugen. Ausgezeichnet wurden ein Wohnhaus im Schwäbischen und ein Konzerthaus im Bayrischen Wald, beide mit Produkten von HeidelbergCement realisiert. Erst kürzlich wurde in Berlin der Rohbau einer Jugendeinrichtung aus dem gleichen Baustoff fertiggestellt. Zufall oder Trend? Sei es moderner Kirchenbau, privates Wohnhaus oder öffentliche Einrichtung, das Bauen mit ultraleichten Betonen erregt in der Fachwelt Aufmerksamkeit. Setzt sich das Interesse fort, das dieser Baustoff bei Architekten weckt, dürften künftig immer mehr Bauten die Vorzüge eines leichten Betons nutzen, der durch die Beimischung poröser Gesteinskörnungen wie Bimsstein, Blähschiefer, Blähton oder dem Recyclingstoff Blähglas eine geringe Trockenrohdichte bei sehr guten wärmedämmtechnischen Eigenschaften hat. Durch seine Authentizität und die Möglichkeit, damit monolithisch zu bauen, entspricht er zudem den gestalterischen Vorstellungen vieler Architekten. Auch das Architekturbüro Fiedler + Partner in Freising hat nun ein Wohnhaus realisiert, bei dem es Infraleichtbeton ohne zusätzliche Dämmschicht mit einem darauf aufgesetzten Ziegelbau kombinierte.

Mit dem Projekt f2 gelang es Reinhard Fiedler, der das Haus als Bauherr und Planer in Personalunion konzipierte, seine Vorstellungen einer stimmigen Architektur für diesen Ort umzusetzen. Das Grundstück am Ortsrand, flankiert von einem steilen Hang und mit freiem Blick in ein unverbaubares Naturschutzgebiet, erforderte zunächst eine aufwändige Hangsicherung mit Bohrpfählen. Vor die bewaldete, steil aufragende Kulisse schmiegt sich das zweigeschossige Einfamilienhaus, das zusammen mit der Garage und einem verbindenden schmalen Riegel einen einladenden Vorbereich rahmt.

Infraleichtbeton für Haus f2

Haus Fiedler und eine weitere Villa von Steller Welsch Architekten am Pilsensee bauten die Betonfacharbeiter von Adldinger mit einer Rezeptur, die bereits für Haus Thalmair im oberbayrischen Aiterbach entwickelt worden war. Mit 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit größer 8 N/mm² verfügt dieser hochwärmedämmende Infraleichtbeton über eine noch geringere Rohdichte als Leichtbeton. Das Verdichtungsmaß bei dieser Rezeptur entspricht der Klasse C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit von Lambda kleiner 0,185 W/mK zu erzielen, wurden dem Beton ein Blähglasgemisch (Liaver) und Blähton (Liapor) zugeführt. Außerdem ist noch ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen von SIKA sowie ein spezielles Zement- und Bindemittelgemisch nötig. Damit ist die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 Zentimeter starken Wänden abgestimmt.

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Wie jedes Sichtbetonprojekt erforderte der Leichtbetonbau in Freising eine sehr genaue Detailplanung.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Mit den 50 Zentimeter dicken Wänden lässt sich auch ohne zusätzliche Dämmung im Inneren konstant eine wohlige Wärme erreichen.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

„Mit Leichtbeton konnte ich hier meine Vorstellungen von einer stimmigen Architektur umsetzen.“

Reinhard Fiedler

Das Erdgeschoss umfassen 50 Zentimeter dicke Wänden aus Infraleichtbeton, deren Materialität sich nicht nur an der Fassade abzeichnet, sondern auch den Raumeindruck im Inneren prägt. Während sich außen der Abdruck einer individuell gefertigten Holzschalung zeigt, die durch leicht versetzt angeordnete Bretter alternierend vor und zurückspringt, entschied sich Architekt Fiedler innen für eine glatte Schalung, bei der sich gleichwohl die charakteristische Lebendigkeit des Betons prägnant abzeichnet. Bei Berührung wirken die Wände samtig rau und gleichzeitig warm. Von außen lassen unterschiedliche Fensterformate die innere Nutzung ablesen, große Verglasungen mit Eichenholzrahmen deuten auf die Wohnräume, ein schmales, liegendes Fensterband lässt den Küchenbereich erahnen.

Wie bei jedem Sichtbetonbau erfordern auch Projekte mit Infraleichtbeton Baubeteiligte, die sich der besonderen Sorgfalt, die bei der Ausführung nötig ist, bewusst sind. Architekt Fiedler hatte Lust auf eine dezidierte Detailplanung, die auch integrierte Jalousiekästen einbezog. „Man kann etwa beim Einbau von Fenstern in die Laibungen nichts mehr nachträglich kaschieren, das muss alles auf Anhieb passen.“ Gut, dass mit dem Bau Profis befasst waren, die sich im Betonbau und insbesondere im Bauen mit Infraleichtbeton bereits auskannten. Bauunternehmen Adldinger aus Kranzberg konnte auf eine gutachterlich geprüfte Rezeptur zurückgreifen, die ­Heidelberger Beton und deren Prüfstellenleiter Björn Callsen in mehreren Versuchen und unter Mitwirkung von Experten der Universität der Bundeswehr München (UniBW) bereits entwickelt hatten. Kein großer Aufwand sei die erforderliche Einholung der nötigen Zustimmung im Einzelfall durch die Oberste Baubehörde gewesen, erinnert sich Architekt Fiedler, dennoch: „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich Materialien so fortentwickeln, dass man einfach und effektvoll bauen kann.“.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Einfamilienhaus f2 mit Infraleichtbeton, Freising

Bauherr:
Reinhard Fiedler

Architekt:
FIEDLER + PARTNER ARCHITEKTURBÜRO, Freising

Baufirma:
Adldinger Bauunternehmen e.K., Kranzberg

Lieferant:
Schaumbildner: Sika, Lightcrete-400

Beton:
Heidelberger Beton GmbH, Infraleichtbeton in Sichtbetonqualität (LC 8/9 mit Rohdichte von 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit > 8 N/mm²)

Energieeffizienz:
A +

Fertigstellung:
2017

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