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Zusammen mit dem historischen Kirchengebäude bildet der Neubau ein stimmiges Ensemble.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 1/2018Thema: Zukunft

Archaisch in die Zukunft

Stampfbeton bringt festen Stand

Für die Fassade eines neuen Pfarrsaals in Herbolzheim wählten Architekten und Kirchengemeinde authentischen Stampfbeton. Die lebendige Farbtextur der verschieden hohen Lagen harmoniert mit dem barocken Kirchenbau und einer historischen Mauer.

Mit ihrem neuen Begegnungsort wollte die katholische Kirchengemeinde Herbolzheim-Rheinhausen ein Zeichen für Standfestigkeit in bewegten Zeiten setzen und betont das auch durch nachhaltiges Bauen mit Beton. Die Fassade des neuen Pfarrsaals planten K9 Architekten aus Stampfbeton mit einer natürlichen und zeitlosen Anmutung. Im Inneren des eingeschossigen Neubaus wählten sie glatten Sichtbeton im gleichen Farbton. In Kombination mit einem geradlinigen Gebäudeentwurf gelang es den Freiburger Architekten, Bestand und Erweiterung einfühlsam zu verbinden und moderne Architektur im besten Sinne zu schaffen. „Da Neubau, barocke Kirche und denkmalgeschützter Altbau ein stimmiges Ensemble bilden sollen, war uns eine Fassade wichtig, die mit ihrer warmen Farbgebung einerseits zurückhaltend wirkt, aber gleichzeitig eine gewisse Ausdrucksstärke besitzt“, erklärt Marc Lösch, Geschäftsführer bei K9 Architekten. Das Freiburger Büro hatte mit seinem Neubau- und Instandsetzungskonzept den ersten Platz bei dem 2013 von der katholischen Kirchengemeinde ausgelobten Wettbewerb gewonnen. Der polygonale Neubau mit seiner lebendigen Struktur und Farbgebung wirkt wie eine optische Verlängerung der Friedhofsmauer. Schlicht und elegant passt sich der Bau dem denkmalgeschützten Bestand und dem Gelände an.

Aufgrund seiner ausdrucksstarken Ästhetik erlebt Stampfbeton eine Renaissance

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Das Gebäude hat einen dem Kirchplatz zugewandten öffentlichen und einen eher privaten Bereich für rund 100 Besucher.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

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Die unterschiedlich ausgeführten Betonoberflächen zeigen durch Farbton und Materialität eine optische Verbindung.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Aufgrund seiner ausdrucksstarken Ästhetik erlebt unbewehrter Stampfbeton in jüngster Zeit eine Renaissance, gerade bei Architekten, die mit archaisch und künstlerisch anmutenden Oberflächen einen zeitübergreifenden Eindruck erreichen möchten. Wie bei seinem jüngeren Pendant, dem Stahlbeton, ist auch beim Einbau von Beton, der gemäß dieser überlieferten Bauweise erstellt wird, viel Erfahrung und Präzision nötig. In Herbolzheim wurde der Stampfbeton auf der Baustelle angemischt und in erdfeuchter Konsistenz schichtweise in die Schalung eingebracht. „Die Verdichtung erfolgt in ,Handarbeit’ beziehungsweise über arbeitsintensives Stampfen. Am Ende erhält man eine sehr dauerhafte und druckfeste Konstruktion mit einer markanten Oberfläche, bei der die Schichten ablesbar bleiben“, so Marc Lösch.

An der Fassade zeigt sich die Faszination der Architekten für Beton

Die traditionelle Stampftechnik unter zukunftsweisenden Vorzeichen umzusetzen, war beim Gemeindesaal nicht ohne weiteres möglich. Zunächst mussten K9 Architekten eine Rohbaufirma finden, die sich in das heute wenig verbreitete Verfahren einarbeiten wollte. Kalt Massivbau aus Lahr erwies sich als der geeignete Partner. Im Betonlabor des Unternehmens wurden zunächst mehrere Musterwände erstellt und die endgültige Betonrezeptur festgelegt. Wie mittels Probewürfeln nachgewiesen, erzielte der Beton mit Zement aus dem Lieferwerk Schelklingen bei gewünschter Offenporigkeit eine weit höhere Festigkeit als gefordert war. „Außerdem war eine spezielle Schalung erforderlich, damit später keine Ankerlöcher in der Oberfläche zu sehen sind. Die Schichthöhen haben wir vordefiniert, und bei den Arbeitsabschnitten mussten die angrenzenden Schichthöhen exakt wieder aufgenommen werden.


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Stampfbeton wirkt sehr lebendig.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Insgesamt eine ziemliche Herausforderung, die die ausführende Firma wunderbar gemeistert hat“, erinnert sich Architektin Sirka Eggers. In der Planungsphase hatte sie sich mit der Bitte um technische Unterstützung an das InformationsZentrum Beton gewandt. „Während der Beratungen war ich wirklich beeindruckt, mit welch professionellem Engagement ein so besonderes Projekt angegangen und vorbereitet wurde. Die Gemeinschaft aus sorgfältiger, kluger Planung und engagierter Ausführung durch den Bauunternehmer war ein großer Glücksfall“, sagt Martin Peck, der die Planungen beratend unterstützt hat.

Der Neubau beherbergt den Gemeindesaal, Funktionsräume, eine Küche mit Durchreiche und ein Foyer in Richtung Kirchplatz. Im rückwärtigen Bereich öffnet sich der Gemeindesaal zu einem Garten. Während außen der grobe Stampfbeton Akzente setzt, wurden die Stahlbetonwände des Saals in rot pigmentiertem, glattem Sichtbeton ausgeführt. Ursprünglich sollte die Wand gestockt werden, um eine ähnliche Oberflächenwirkung zu erzielen wie bei den grob belassenen Stampfbetonwänden. Die Kirchengemeinde entschied sich anders. „Dem Bauausschuss gefiel die rote, glatte Wand im Gemeindesaal so gut, dass auf das Stocken verzichtet wurde. Interessant ist hier, wie viel Wirkung die Einfärbung hat.

Bei einer grauen Sichtbetonwand wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen“, meint die Architektin.Susanne Ehrlinger/Ute Latzke

Objektsteckbrief

Projekt:
Neubau Pfarrsaal, Herbolzheim-Rheinhausen

Bauherr:
Katholische Kirchengemeinde Herbolzheim-Rheinhausen

Architekten:
K9 ARCHITEKTEN BDA DWB, Freiburg

Bauunternehmung :
Kalt Massivbau GmbH, Lahr

Beton:
280 m² Stampfbeton, vor Ort angemischt und mit Pigmenten eingefärbt, geringer Wasserzementwert, C25/30 gefordert

Zement:
Zement der HeidelbergCement AG aus dem Lieferwerk Schelklingen, Sackware

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