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Die beiden Sachverständigen Dieter Klee (links) und Siegmund Kolb (rechts) in der Schießanlage.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Ausgabe 1/2017Thema: Innovation

Schutz für Schützen

Patentrezept für schusssichere Böden

Schießanlagen müssen sicher sein, erst recht in geschlossenen Räumen. Beispielsweise dürfen Geschosse bei Fehlschüssen nicht vom Boden zurückprallen. Heidelberger Beton hat dafür einen speziellen Porenleichtmörtel entwickelt.

Die Schützengesellschaft 1858 Friedrichsdorf e.V. hat ein neues Zuhause. Inmitten von Feldern steht ein kleiner Flachbau, dessen wahre Größe sich dem Besucher erst beim Betreten des Kellergeschosses erschließt. Dort, unter der Erde, befinden sich die 50- und 100-Meter-Schießbahnen. Der Raum wirkt riesig, die Zielscheiben am Ende winzig klein. Das Gebäude ist im November 2016 fertiggestellt worden und es riecht noch nach frischem Mörtel. Wer sich als Schütze hier bewegt, betritt gewissermaßen Hochsicherheitsterrain: Wände und Böden sind absolut schusssicher. „Beispielsweise muss der Boden der Schießbahn teilweise ab- und rückprallsicher ausgeführt werden, sprich: Sollte sich tatsächlich ein Schuss versehentlich lösen, muss das Geschoss im Boden aufgenommen werden, damit niemand durch umherfliegende Geschossteile verletzt wird“, betont Dieter Klee, der das System Anfang November geprüft und gemeinsam mit Siegmund Kolb, einem weiteren Sachverständigen, abgenommen hat. Klee ist selbst seit 40 Jahren Sportschütze und kennt als Sachverständiger die Anforderungen der Schießstand-Richtlinie aus dem Effeff.

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Der Boden der Schießbahn wurde teilweise ab- und rückprallsicher ausgeführt.

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Entsprechend gewissenhaft hat er verschiedene Materialien im Vorfeld geprüft. „Dabei konnten wir aus Sicherheitsgründen bei der Auswahl der Baustoffe keine Kompromisse machen“, erklärt Klee. Die Oberfläche müsse glatt und abwischbar sein, damit auch Pulverreste gut zu entfernen seien. „Noch wichtiger ist allerdings die Beschaffenheit des Bodens selbst. Das Material muss einerseits abriebfest und stabil sein, andererseits darf es nicht splittern und muss weich genug sein, um Geschosse sicher aufzunehmen“, erläutert Klee. Ein Material für sich allein kann dies kaum leisten. Deshalb entschieden sich die Planer letztlich für ein Verbundsystem, bestehend aus dem Porenleichtmörtel Poriment SBB und PVC-Bodenplatten. Diese Kombination erwies sich bei den Tests als besonders sicher. Dabei wurden Porimentböden verschiedener Rohdichten gezielt mit verschiedenen Feuerwaffen beschossen. Welche Waffen und Munition dafür zu verwenden sind, ist in den Richtlinien der „Vereinigung der Prüfstellen für Angriffshemmende Materialien und Konstruktionen“ (VPAM) festgelegt.

„Poriment SBB ist einfach und flexibel zu verbauen und über weite Strecken pumpfähig.“

Jean-Pierre Bildstein

Am Ende entschieden sich die Verantwortlichen für Poriment der Rohdichte 0,9 in Kombination mit PVC-Bodenplatten Traficline der Firma TLM Systems. Insgesamt wurden 26 Kubikmeter Poriment in einer Stärke von 150 Millimetern auf 170 Quadratmetern Fläche verbaut.
„Das Praktische bei Poriment SBB ist, dass er einfach und flexibel zu verbauen und über weite Strecken pumpfähig ist“, sagt Jean-Pierre Bildstein, Vertriebsleiter der MM Main-Mörtel, einer Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH, die den Baustoff geliefert und eingebaut hat. Durch die unkomplizierte Verarbeitbarkeit konnten er und sein Team rund 100 Quadratmeter pro Stunde verbauen und nach 28 Tagen Trocknung bereits die PVC-Bodenplatten verlegen. Anfang November hat der Sachverständige die Anlage abgenommen, das Pilotprojekt war erfolgreich abgeschlossen. Gerade rechtzeitig zum traditionellen Königsschießen der Friedrichsdorfer Sportschützen. „Natürlich freuen wir uns, dass mit dem Bau alles so gut geklappt hat und wir Mitte November unsere Eröffnung feiern konnten“, schildert Kay Hecker, der Vorsitzende des Schützenvereins. Für die Zukunft erhofft er sich, dass die Halle rege genutzt wird, etwa auch von Polizei und Sicherheitsdiensten. Möglicherweise wird die Schießanlage irgendwann auch für das Mehrdistanzschießen nutzbar gemacht. HeidelbergCement steht dann mit Poriment SBB Gewehr bei Fuß, denn der Baustoff ist auch sehr gut abschnittsweise einbaubar.Susanne Ehrlinger / Dr. Georg Haiber

Objektsteckbrief

Projekt:
Raumschießanlage Friedrichsdorf

Bauherr:
Schützengesellschaft 1858 Friedrichsdorf e.V., Friedrichsdorf (Taunus)

Planung und Abnahme:
Ingenieur Büro Dieter Klee, ö.b.u.v. Schießstandsachverständiger, Butzbach; Ingenieurbüro Siegmund Kolb, Babenhausen

Lieferanten:
MM Main-Mörtel GmbH & Co. KG, Stockstadt am Main, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

PVC-Platten:TLM Systems, Premilhat (Frankreich)

Bauunternehmen:Fair Bau GmbH, Rödermark

Produkt:Poriment SBB

Bauzeit:Januar 2016 – November 2016

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