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In Böblingen gelang mit Glasfaserbeton eine geschlossene Betonoberfläche ohne Lunker und Poren für einen griffigen Besenstrich.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs).

Ausgabe 1/2017Thema: Innovation

Runde Sache

Glasfaserbeton für Kreisel in Gärtringen

Beim Bau einer neuen Kreisverkehrsanlage setzte das Straßenbauamt des Landratsamtes Gärtringen auf Glasfaserbeton. Der Spezialbeton garantiert Nachhaltigkeit, Dauerhaftigkeit und Stabilität.

Durch die Entwicklung immer neuer Baustoffe und die ständige Weiterentwicklung der bereits vorhandenen bieten sich auch für den Verkehrswegebau neue Perspektiven. Die Chance, dauerhaft und qualitativ hochwertig zu bauen, nutzen immer mehr Straßenbauverwaltungen und Kommunen. Aus Kostengründen bewerten sie Baumaßnahmen zunehmend nach ihrer Nachhaltigkeit. Dies gilt auch für Kreisverkehrsanlagen. In puncto Verkehrsfluss und Sicherheit ist ein Kreisverkehr im besten Wortsinn eine runde Sache – vorausgesetzt, die Fahrbahn ist solide und stabil gebaut. Das geht am besten mit Beton. Bereits im Jahr 2010 nahm Werneck in Unterfranken als erste Gemeinde in Bayern eine Kreisverkehrsanlage aus Beton in Betrieb. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 60 Betonkreisel, allein 14 im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Dort legen die Verantwortlichen besonderen Wert auf nachhaltiges Bauen. Jüngstes Projekt ist der Bau eines Kreisverkehrs in Gärtringen. „Wir haben uns aus Nachhaltigkeitsgründen für Beton als Baustoff entschieden“, erklärt Andreas Klein vom Straßenbauamt des Landratsamts Böblingen. Die erhöhten Baukosten nimmt er dafür gerne in Kauf, da die Kosten langfristig geringer sind.

Anwendung Glasfaserbeton

Der Bau der Kreisverkehrsanlage mit Glasfaserbeton war ein Novum, für das der Auftraggeber seine Einwilligung geben musste. „Aufgrund der relativ hohen Glasfasermenge im Beton musste für die händische Verarbeitung bei der Baumaßnahme in Böblingen die Rezeptur angepasst und der Sandanteil erhöht werden“, räumt Siegfried Riffel, langjähriger Projektmanager Infrastruktur bei HeidelbergCement ein. Nur so ließ sich eine geschlossene Betonoberfläche ohne Lunker und Poren für einen griffigen Besenstrich erreichen. Gleichwohl sieht das Regelwerk TL Beton-StB (Technische Lieferbedingungen Beton-Straßenbau), nach der die Baumaßnahme ausgeschrieben war, nur einen Sandanteil von maximal 30 Prozent vor. „Der kommunale Bauherr ließ sich letztlich durch die positiven Erfahrungen, die Heidelberger Beton Stuttgart mit Glasfaserbeton hat, sowie durch den Einbau in einem Probefeld überzeugen“, sagt Riffel.

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Der Bau des Kreisels ist komplex und umfasst den Kreisring sowie die Zu- und Ausfahrten. Planung und Ausführung stellten an das Team und die Baumaterialien besondere Anforderungen – zumal hier mit Glasfaserbeton ein spezieller Baustoff zum Einsatz kam.

Böblingen wurden die Zu- und Ausfahrten sowie Kreisfahrbahnen der Betonfläche unterschiedlich bewehrt. Bei ersteren haben die Platten eine ungünstige Geometrie, hier kam eine Kombi-Bewehrung aus Stahl und Glasfasern zum Einsatz. Beim Kreisring entschieden sich die Verantwortlichen ausschließlich für Glasfaserbeton als Baustoff, hergestellt und geliefert von Heidelberger Beton Stuttgart aus dem Werk Gärtringen. „Mit diesem Spezialbeton können Risse im jungen Beton weitgehend vermieden werden“, erklärt Siegfried Riffel, langjähriger Projektmanager Infrastruktur von ­HeidelbergCement. Allerdings sei bei großen Platten nach wie vor die eher aufwändig zu verbauende Stahlbewehrung einzulegen.

„Wir haben uns aus Nachhaltigkeitsgründen für den Baustoff Beton entschieden.“

Andreas Klein

Glasfasern haben eine Zugfestigkeit, die sich mit der von Stahl vergleichen lässt und können somit Spannungen bedingt durch Temperatur, Schwinden und Zwang sicher aufnehmen. Sie haben gegenüber Baustahlmatten Vorteile: Beispielsweise sind die Fasern über den gesamten Bauteilquerschnitt in der statisch erforderlichen Menge verteilt und können somit die auftretenden Spannungen schon zu einem frühen Zeitpunkt aufnehmen; die Reißneigung des Betons wird damit enorm reduziert. „Zwar sind die Baukosten bei der Betonbauweise im Schnitt um fünf bis 15 Prozent höher als bei Asphalt. Allerdings ist dafür die Nutzungsdauer mit 40 bis 50 Jahren viel länger und der Unterhaltungsaufwand deutlich geringer“, betont Andreas Klein vom Landratsamt Böblingen. Das sei ein schlagendes Argument. Zudem überzeugten ihn und seine Kollegen die durchweg guten Erfahrungen im Ausland, etwa in der Schweiz. So spart der Kanton Zürich mit seinen 78 Betonkreiseln rund 2,5 Millionen Schweizer Franken pro Jahr, weil die beim Asphalt fälligen Wartungsarbeiten entfallen. Bei Asphalt entstehen leicht Spurrinnen und Verdrückungen, vor allem wenn es heiß ist. Eine Sanierung ist dann bereits nach wenigen Jahren erforderlich. „Beton dagegen verformt sich selbst bei hohen Lasten und Temperaturen nicht“, erläutert Klein. Er widersteht den starken Schub-, Radial- und Bremskräften, die entstehen, wenn Fahrzeuge in den Kreisel ein- und ausfahren.

Das Straßenbauamt Böblingen ist mit dem Ergebnis rundum zufrieden. „Natürlich haben wir noch keine Langzeiterfahrungen, aber Glasfaserbeton könnte der Baustoff der Zukunft sein“, meint Klein. In der Tat gewinnt mit solch intelligenten Baustoffen das Bauen von Kreisverkehren mit Beton an Attraktivität. Weitere Projekte, etwa bei Herrenberg-Gültstein und Schönaich im Landkreis Böblingen sowie in Ulm, Schwäbisch Hall, Marktoberdorf, Leutkirch und Biberach, sind bereits in Planung.Susanne Ehrlinger / Dr. Georg Haiber

Objektsteckbrief

Projekt:
Kreisverkehrsplatz K1067, Gärtringen

Abmessungen:
Außen- und Innendurchmesser 38 und 23 m, Fahrbahnbreite Kreisring 7,50 m

Bauherr:
Gemeinde Gärtringen/LBBW Kommunalentwicklung Immobilien GmbH

Planung:
Ingenieurbüro Graf, Gärtringen

Baufirma:Berger Bau GmbH, Passau (Betoneinbau)/Otto Morof Tief- und Straßenbau GmbH, Althengstett

Beton:441 m³ Glasfaserbeton, Heidelberger Beton GmbH

Erstprüfung/Betonüberwachung:Krieger Beton-Technologiezentrum GmbH, Remseck

Zement:CEM I 42,5 N-SR3 HeidelbergCement AG, Werk Schelklingen

Glasfaser:Owens Corning, Chambery Cedex (France), Anti-Crak HP 67/36

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