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Mit minimalen Fugen im Sichtbeton wird die geschlossene, tragende Gebäudehülle zum optisch ansprechenden Gestaltungsmittel.

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Matthias Richter

Ausgabe 1/2017Thema: Innovation

Minimalistischer Monolith

Wohnhaus aus Infraleichtbeton

Fünfzig Zentimeter starke Außenwände mit einer Rohdichte von nur 700 Kilogramm pro Kubikmeter: Der Weg zur Realisierung des Betonhauses war für alle Beteiligten eine spannende Herausforderung.

Es sind immer wieder kreative Architekten, die mit kühnen Entwürfen die Entwicklung von geeigneten Werkstoffen für ihre ästhetischen Visionen einfordern und vorantreiben. Viele dieser realisierten Projekte entfalten eine derartige öffentliche Präsenz, dass adäquate Baustoffe in enger Zusammenarbeit mit der Industrie für eine breitere Anwendung weiterentwickelt werden. Die Sogwirkung ästhetisch gelungener Bauten und die daraus resultierende Nachfrage erklärt, warum etwa die Vorliebe für Betonfußböden oder für komplette Sichtbetonbauten in den letzten Jahren bis in die Wohnbereiche der Alltagsarchitektur vorgedrungen ist. So ein Leuchtturmprojekt steht im oberbayerischen Aiterbach. Das zweigeschossige Einfamilienhaus ist eine echte Attraktion: Ein minimalistischer Monolith, dessen oberer massiver Riegel sich elegant über die beschaulich ländliche Gegend erhebt und dabei fast zu schweben scheint. Der reduzierte und zeitlose Entwurf des Bauherrn und Architekten Michael Thalmair ist aber nicht nur ein gelungener Blickfang, sondern auch in anderer Hinsicht eine Besonderheit. Die 50 Zentimeter starken Außenwände des Gebäudes bestehen aus Infraleichtbeton mit einer Rohdichte von nur 700 Kilogramm pro Kubikmeter.

Infraleichtbeton für Aiterbach

Der hochwärmedämmende Infraleichtbeton sollte über eine Rohdichte von 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit größer 8 N/mm² verfügen, was mit einem entsprechenden Vorhaltemaß erreicht wurde. Das Verdichtungsmaß entspricht der Klasse C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit von Lambda kleiner 0,185 W/mK zu erzielen, wurden dem Leichtbeton ein Blähglasgemisch und Blähton zugeführt. Außerdem kam noch ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen sowie ein spezielles Zement- und Bindemittelgemisch hinzu. Damit gelang es den Experten, die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 cm starken Wänden abzustimmen. Diese maßen die Experten an den Erprobungsflächen und am Bauteil mittels Datenlogger und eingebauten Fühlern. Der Frischbeton wurde zusätzlich durch Zugabe von Scherbeneis gekühlt.

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Mit minimalen Fugen im Sichtbeton wird die geschlossene, tragende Gebäudehülle zum optisch ansprechenden Gestaltungsmittel.

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Die raumhohen und -breiten Panoramafenster bieten einen grandiosen Ausblick auf das oberbayerische Umland. Sie sorgen gleichzeitig für viel Licht auf der loftähnlichen Wohnetage.

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Das untere Geschoss des Hanghauses ist konventionell mit 24 Zentimeter starken, wasserundurchlässigen Stahlbetonwänden mit XPS-Dämmung ausgeführt worden. Für die monolithische Gestaltung der 50 Zentimeter starken Außenwände des schwebenden Riegels hatte Michael Thalmair indes etwas ganz anderes im Sinn: Infraleichtbeton – ein moderner Hochleistungsbaustoff, der in der passenden Mixtur Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, gute Dämmwerte und eine ansprechende Sichtbetonoptik vereint. Doch die richtige Zusammensetzung herzustellen, erfordert viel Erfahrung, zumal für den Verbau von Infraleichtbeton eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) nötig ist. Deshalb wandte sich Architekt Thalmair gemeinsam mit der Baufirma Adldinger an Heidelberger Beton und den Münchner Prüfstellenleiter Björn Callsen. Im Betonlabor von Heidelberger Beton fanden die ersten Versuche statt. Auf dem weiteren Weg zur idealen Mischung beauftragte Betonexperte Callsen die Experten der Universität der Bundeswehr München (UniBW) und Professor Karl-Christian Thienel damit, das Projekt zu begleiten.

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Die raumhohen und -breiten Panoramafenster bieten einen grandiosen Ausblick auf das oberbayerische Umland. Sie sorgen gleichzeitig für viel Licht auf der loftähnlichen Wohnetage.

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Ein aus Infraleichtbeton erstelltes Gebäude ist aus einem Guss, es kann förmlich aus einem Block herausgearbeitet werden und hat etwas von einer Skulptur.

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Vor Ort wurde neben den Außenwänden auch der auskragende Deckenbereich des Obergeschosses aus Infraleichtbeton erstellt. Die Decke über dem unteren Geschoss setzt sich aus einer Normalbetondecke im Innenbereich und einer Infraleichtbetondecke im Außenbereich zusammen. Daher dämmt der Hochleistungsbeton auch im Fensterbereich das Gebäude gut ab.

Die Baukosten lagen aus Sicht des Architekten im Rahmen. Auch die Energiebilanz des Neubaus wird günstig ausfallen: Energie wird mittels Luftwärmepumpe und eines zentralen Kaminofens erzeugt, der die Hauptwohnräume zusätzlich mit Wärme versorgt. Diese wird durch die guten Dämmwerte des Infraleichtbetons über eine längere Zeit im Beton gespeichert und ins Innere abgegeben.

Wohnhaus in Aiterbach zeigt kaum Fugen im Sichtbeton. Die geschlossene, tragende Gebäudehülle wird zum optisch ansprechenden Gestaltungsmittel. Der Beton ermöglicht Bauherren und Architekten die Gestaltung von ganz individuellen, großzügigen und vor allem energieeffizienten Häusern. Zumal das natürliche Material voll recyclingfähig ist. Gebäude aus Infraleichtbeton sind ein zukunftsfähiges Konzept für optisch ansprechendes und nachhaltiges Bauen.Susanne Ehrlinger / Ute Latzke

Zusätzliche Informationen

Infraleichtbeton

Infraleichtbeton hat wegen seiner geringen Trockenrohdichte unterhalb 800 kg/m3 und des hohen Porengehalts hervorragende Wärmedämmeigenschaften und sorgt damit für ein gutes Raumklima, weil Feuchtigkeitsschwankungen ausgeglichen werden.
Bei modernen Leichtbetonen wird die geringere Rohdichte gegenüber Normalbeton durch leichte Gesteinskörnungen nach DIN EN 13055 und Zuschlagstoffe wie Bims, Blähton oder den Recyclingstoff Blähglas erreicht. Auf diese Weise realisieren Betonunternehmen wie die Heidelberger Beton GmbH Trockenrohdichten von 800 bis 2.000 kg/m3 (DIN 1045) statt der üblichen 2.000 bis 2.600 kg/m3. Die Zuschlagstoffe und die guten Eigenschaften des Betons sorgen bei Baustoffen wie dem Heidelberger Leichtbeton dafür, dass er wärmedämmend wirkt und nicht brennbar ist (Brandschutzklasse A1 nach DIN 4102). Zudem ist er nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 in den Festigkeitsklassen LC 8/9 bis LC 80/88 lieferbar und steht Normalbeton fast in nichts nach.

Universeller Einsatz

Leichtbeton ist nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 in den Druckfestigkeitsklassen LC 8/9 bis LC 80/88 lieferbar. Damit ist er besonders für den Einsatz in Wänden, Kellern und anderen Bauelementen bei Wohngebäuden, landwirtschaftlichen, öffentlichen oder Industriegebäuden geeignet.

Wärmedämmend

Geringere Rohdichte bedeutet bessere Wärmedämmung – Bei Leichtbeton mit seiner porigen Struktur ist sie ideal

Nicht brennbar

Leichtbeton wird der Baustoffklasse A1 zugeordnet (DIN 4102, Brandschutz im Hochbau) und brennt nicht. Verschwelungen und schädliche Emissionen sind ebenfalls nicht zu befürchten.

Umweltverträglich

Leichtbeton besteht unter anderem aus natürlichen Stoffen wie Bims, Blähton oder gesundheitlich unbedenklichen Recyclingstoffen, wie zum Beispiel Blähglas. Seine Wärmedämmeigenschaften helfen bei der Einsparung von Heizenergie und bedeuten damit auch weniger Emissionen.

Pumpfähig

Leichtbeton kann in spezieller Zusammensetzung mittels konventioneller Automastpumpe gepumpt werden.

Leichtbeton nach DIN EN 206-1 / DIN 1045-2 - Rohdichteklassen

Für weitere Informationen lesen Sie das Online-Prospekt von HeidelbergCement

Objektsteckbrief

Projekt:
Einfamilienhaus aus Infraleichtbeton, Aiterbach

Bauherr:
Michael Thalmair

Architekt:
KPT Architekten, Kirchmann Patzek Thalmair, Architekten Ingenieure PartGmbB, Freising

Baufirma:
Adldinger Bauunternehmen e.K., Kranzberg

Beton:
Infraleichtbeton in Sichtbetonqualität (Rohdichte von 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit > 8 N/mm²), Heidelberger Beton GmbH

Energieeffizienz:
KfW 70

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