Info

Keine alltägliche Aufgabe: Die Betonfundamente für den Sessellift mussten im unwegsamen und bergigen Gelände parallel zu den Sprungschanzen und den Ausläufen erbaut werden.

Foto

© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 1/2016Thema: Berührungspunkte

Hoch hinaus

Neue Sesselbahn Kanzlersgrund in Overhof

Parallel zur legendären Doppelschanze im Wintersportort Oberhof im Thüringer Wald führt eine neue Sesselbahn die Skispringer hinauf zur sanierten Schanzen-anlage. Heidelberger Beton pumpte den Beton für die Fundamente über weite Strecken in unzugänglichem Gelände.

Unlängst haben hier in Oberhof die polnische, norwegische und schweizerische Nationalmannschaft der Nordischen Kombination und des Skispringens Trainingseinheiten absolviert. Auch Carina Vogt, deutsche Olympiasiegerin und mit einem 92-Meter-Sprung auch Gewinnerin des Nordischen WM-Golds 2015 im schwedischen Falun, hat die guten Bedingungen auf der Doppelschanze am Kanzlersgrund schon genutzt. Höhenangst darf man nicht haben, wenn man als Sportler oder als Tourist im luftigen Sessel in 20 Meter Höhe über dem Grund Richtung Gipfel gondelt. Die Skispringer dürften den kleinen Höhenflug nach oben gewöhnt sein. „Von der im letzten Jahr in Betrieb genommenen HS100- Schanze springt im Training etwa alle 20 Sekunden ein Sportler hinunter“, weiß Jörg Peter, Baukoordinator im Zweckverband Thüringer Wintersportzentrum Oberhof, zu berichten.


Foto

© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Die Stadt im Thüringer Wald ist legendärer Wintersportort. Bereits 1906 ermöglichte dort eine erste Schanze den kühnen Sprung in die verschneite Mittelgebirgslandschaft. Heute ist die moderne Schanzenanlage rund ums Jahr in Betrieb. Grüne, bewässerte Matten sorgen im Sommer für die nötige Gleitfähigkeit und ergänzen den Anlauf aus Keramikmaterial, der im Winter gekühlt werden kann und dann über eine Eisspur verfügt. Damit die Trainingsintensität erhöht und eine rasche Abfolge von Sprüngen möglich ist, werden Skispringer heute mittels Sessellift nach oben transportiert. Doch der alte Sessellift war in die Jahre gekommen und so ist er unter der Regie von Jörg Peter, der nicht nur Neubauten verantwortet, sondern auch alle Sportanlagen in Schuss halten muss, ein moderner Zweiersessellift entstanden. Er verläuft über eine Distanz von über 300 Metern parallel zu den Sprungschanzen und zu den Ausläufen am Aufsprunghang. Der Sessellift des Typs 2-CLF fährt von der Talstation, die auf 738 Metern liegt, zur Bergstation auf 842 Metern.

Das gesamte Bauvorhaben verantwortet eine der wenigen Spezialfirmen, die im Seilbahnbau versiert sind: die Doppelmayr Seilbahnen GmbH aus dem österreichischen Wolfurt. Für die Gründungsarbeiten und Oberflächenbefestigung, die Stützmauer und Pflasterarbeiten konnte das Unternehmen WBB Bau & Beton GmbH aus Umpferstedt gewonnen werden. Ein Sessellift ist keine alltägliche Aufgabe. Und so war es für das auf Hochbau spezialisierte Unternehmen eine Herausforderung, die Betonfundamente im unwegsamen und bergigen Gelände mit wenigen Zufahrten zu realisieren. Thomas Endisch, Bauleiter bei WBB, musste mit seinem Team per Schreitbagger oder zu Fuß zu den Standorten der drei Zwischenstützen gelangen, die zwischen der Tal- und Bergstation die Seile der Sesselliftanlage tragen. In die Systemschalungen für die Betonfundamente wurde der Beton mit Großmastpumpen von Heidelberger Beton gefördert, mit einem Ausleger von 52 sowie 42 Metern. Über weitere Strecken mussten teilweise auch Schläuche angesetzt werden. Die Güte eines Normalbetons der Heidelberger Beton GmbH, produziert mit Zement aus dem nahe gelegenen Lieferwerk Lengfurt, reichte für diese logistisch anspruchsvolle Baumaßnahme über eine weite Streckenführung aus. Die Rezeptur mit der Sieblinie AB 16 wurde mit einem Fließmittel für das Pumpen durch lange Schlauchleitungen erstellt.

Ab 2016 übernimmt der Zweckverband Wintersportzentrum Oberhof die Schanzenanlage von der ursprünglichen Eigentümerin, der Stadt Oberhof. Dann steht vor Ort auch noch der bauliche Ersatz für den veralteten Trainer- und Sprungrichterturm an. Auch hier wird Beton wieder über weite Entfernungen zu pumpen und das Know-how versierter Betonspezialisten gefragt sein.Susanne Ehrlinger

Schanzenanlagen Kanzlersgrund Oberhof

Seilbahntyp:
2-CLF

Höhe Talstation:
738 m

Höhe Bergstation:
842 m

Schräge Länge:
305 m

Fahrgeschwindigkeit:
1,5 m/s

Baujahr:
2015

HS 100 (Normalschanze) Schanze Kanzlersgrund HS 100

K-Punkt:
90 m

Jury-Weite:
100 m

Schanzenrekord:
106 m

Tischwinkel:
11°

Aufsprungwinkel:
38°

Anlauflänge:
88,16 m

Baujahr:
2012-2014

HS 140 (Großschanze „Hans Renner“) Schanze Kanzlersgrund HS 140

K-Punkt:
120 m

Jury-Weite:
140 m

Schanzenrekord:
147 m

(Anssi Koivuranta/FIN)

Tischwinkel:
11°

Aufsprungwinkel:
38°

Anlauflänge:
92,69 m

Baujahr:
1959-1961

Objektsteckbrief

Projekt:
Doppelsesselbahn Kanzlersgrund Oberhof

Bauherr:
Stadt Oberhof, Thüringen

Bauunternehmen:
Doppelmayr Seilbahnen GmbH, Wolfurt, Österreich

Gründungsarbeiten:
WBB Bau & Beton GmbH, Umpferstedt

Zement:
CEM III/A 42,5 N

Lieferwerk:
HeidelbergCement AG, Werk Lengfurt

Beton:
insgesamt 130 m3 Beton; Festigkeitsklasse C25/30; Expositionsklassen XC4, XF1, XA1; Konsistenz F4

Lieferwerk:
Heidelberger Beton GmbH, Werk Gotha

Pumpendienst:
Heidelberger Beton GmbH

Top

Dieser Inhalt ist schon bald verfügbar!

Zur Webseite zurückkehren