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Für Reparaturen an den Schiffen selbst verfügt die Werft über eine direkt am See liegende Hellinganlage.

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© HeidelbergCement (Steffen Fuchs)

Ausgabe 1/2016Thema: Berührungspunkte

Arbeitsplatz mit Alpenblick

Neue Werftanlage am Starnberger See

Mit einem ansprechenden Materialmix aus verschiedenen Sichtbetonen und Holz passt die neue Starnberger Werftanlage gut in die sie umgebende Landschaft. Die ausgeklügelte Konstruktion bringt Werkstätten, Verwaltungs- und Wohnräume behutsam zusammen.

Betriebsleiter Ralph Schlemmert hat einen Traumarbeitsplatz: Von seinem Schreibtisch aus hat er nicht nur die Schiffe, sondern auch den See mit den Alpen im Blick. Zum Träumen kommt er jedoch nicht, jetzt in den Wintermonaten stehen Reparaturarbeiten an den Schiffen an.
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Architektin Claudia Schreiber mag es nicht steril: „Die unterschiedlichen Betonstrukturen ergeben ein lebendiges Bild.“
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Eingebettet in baumbestandene Wiesen mit einem freien Blick nach vorne auf den Starnberger See und die Alpen: Die Rede ist nicht von exklusiven Hotelzimmern, sondern von Arbeitsplätzen der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH. Genauer gesagt, von der neuen Werft in Starnberg, am See. Was vor ein paar Jahren noch auf mehrere Gebäude über ein doppelt so großes Gelände verteilt war, kommt nun in einem Neubau zusammen: Werkstätten und Verwaltung der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH, die Landküche der Schiffsgastronomie, Saisonarbeiterwohnungen und sogar noch eine Außenstelle der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie das Institut für Fischerei.

In den Sommermonaten herrscht an der Werft reger Schiffsbetrieb. Die Landküche sorgt für das leibliche Wohl auf den Schiffen; Sonderfahrten und Events starten hier häufig mit Musik und Umtrunk. In den Wintermonaten kümmert sich die Schiffsbesatzung, allesamt Handwerker, um die Pflege und Reparatur der Schiffe. Verschiedenste Ansprüche an einen Neubau trafen hier aufeinander, gepaart mit einem von Naherholung und Wohnnutzung geprägten Umfeld. „Die Anforderungen speziell an den Immissionsschutz sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen“, erklärt die von der Bayerischen Seenschifffahrt mit dem Neubau beauftragte Architektin Claudia Schreiber aus München.

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Ihre Lösung: ein Gebäudekomplex mit zwei separaten, von Nord nach Süd verlaufenden, parallel zueinander stehenden Riegeln, deren südliche Schmalseite sich zum See hin ausrichtet. Mit zwei großen Stahlschiebetüren kann der glasüberdachte Zwischenraum an beiden Seiten geschlossen werden. Hier kann im Sommer wettergeschützt angeliefert und gefeiert, im Winter gearbeitet werden – ohne dass anfallender Lärm nach außen dringt. Im ersten Riegel, der zwei Geschosse umfasst, sind oben die Verwaltungen und die Wohnräume untergebracht, unten die Landküche, Kühlräume sowie das Institut für Fischerei. Im zweiten, eingeschossigen Riegel befinden sich die Werkstätten und Sozialräume.

Einfach war die Gründungsplanung in Seenähe nicht: Schwemmsande und Kiese sowie darauf folgende feinkörnige, gering tragfähige Beckenschluffe bieten keinen festen Baugrund. Hinzu kommt, bedingt durch den See, ein hoher Grundwasserstand. Passend zu den Schiffen wurde der Neubau daher schwimmend konzipiert: Bodenverbesserungsmaßnahmen sorgten für einen fünf Meter starken Kieskoffer. Auf ihm ruht nun der Gebäudekomplex. 40 Zentimeter dicke Bodenplatten bieten den beiden Riegeln sichere Standflächen und sorgen dafür, dass sich das Gewicht gleichmäßig verteilt. Regelmäßig angeordnete Betonstützen und -wände verteilen die von oben kommenden Lasten gleichmäßig und steifen das Gebäude aus.

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Der Charme des Gesamtgebäudes ergibt sich durch die luftige Gestaltung und den Einsatz unterschiedlicher Ausprägungen von Sichtbeton im Inneren: So ist der Betonboden des Werkstattflügels aktiviert, also mit einer Heizung ausgestattet, und als Nutzfläche einfach flügelgeglättet. Der zehn Meter tiefe Raum ist nur mit Betonwänden aus rau geschaltem Sichtbeton versehen und frei überspannt. „Wir wollten hier den Charakter eines eher ‚robusteren‘ Gebäudeteils widerspiegeln und haben uns daher für eine Bretterschalung wie zu alten Zeiten entschieden“, erklärt die Architektin. Den oberen Raumabschluss bilden Holzelementdecken, über denen das Flachdach thront.

Im zweigeschossigen Verwaltungstrakt gestaltete sich der Fußbodenaufbau mit Heizung aufwändiger, da in der Küche durch Hygienevorschriften und die einzuhaltende Rutschklasse höhere Anforderungen erfüllt werden mussten. „In dem öffentlichen Bereich haben wir die Sichtbetonwände gestockt, was eine gröbere Struktur ergibt, und dann mit Fixativ lasiert“, erklärt Architektin Schreiber. Die Wände in den Verwaltungs- und Wohnungsbereichen sind in Sichtbeton mit sandgestrahlten Oberflächen ausgeführt. Die Deckenuntersichten im Erdgeschoss wiederum sind aus glattgeschaltem und anschließend sandgestrahltem Sichtbeton. Ein so differenzierter Einsatz von Sichtbeton gelingt nur mit guter Vorplanung. Dr. Robert Lukas von Heidelberger Beton in München betont: „Wir haben weit im Vorfeld im Sichtbetonteam alle Beteiligten an einen Tisch geholt und Musterwände abgestimmt.“ Das Ergebnis sind lebendig wirkende Sichtbetonwände in höchster Qualität. Zusammen mit der begrünten Dachfläche runden sie den harmonischen Eindruck von Werftsgebäude, Wiesen und See ab.Anke Biester

Objektsteckbrief

Projekt:
Werftgebäude, Starnberg

Bauherr:
Bayerische Seenschifffahrt GmbH, Schönau am Königssee

Bauunternehmen:
Gebr. Schmölzl GmbH & Co. KG Hoch- und Tiefbau, Bayerisch Gmain

Betonproduzent:
Heidelberger Beton GmbH, Werk Oberbrunn

Beton:
Ortbeton: über 800 m³ bauteilaktiviert; 1.800 m³ Sichtbeton der Klasse SB4

Betonberatung:
Heidelberger Beton GmbH, Gebiet München

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