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Das Marsillius-Kolleg liegt direkt am Neckarufer in unmittelbarer Nachbarschaft der Chirurgischen Klinik. Die drei Türme in Heidelberg bieten Raum für interdisziplinäre Wissenschaft und medizinische Forschung.

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EPPLE-Projekt, Heidelberg

Ausgabe 1/2015 Thema: Qualität

Wissen schafft Räume

Marsillius-Arkaden mit städtebaulichen Qualitäten

Ein durchdachter Bau mit großzügiger Sockelzone, Arkaden und drei Turmhäusern bildet eine wichtige Nahstelle zwischen den Hochhäusern des Neckarvorlandes, den Klinikgebäuden und dem Gäsehaus der Universität Heidelberg.

Vielleicht braucht man den Publikumsjoker, um zu erfahren, dass Marsilius von Inghen Gründungsrektor der Ruperto Carola, also der ältesten deutschen Universität, der 1386 in Heidelberg gegründeten Ruprecht-Karls-Universität, gewesen ist. Nomen est Omen: Auch ohne Kenntnis der Entstehungsgeschichte einer der forschungsstärksten Universitäten Europas ist dem Projekt gleichen Namens anzumerken, dass hier architektonische Exzellenz am Zuge ist. Die Marsilius-Arkaden liegen im Neuenheimer Feld, einem Neubaugebiet im Westen der Stadt, in dem sich vornehmlich naturwissenschaftliche Fakultäten und Teile des Universitätsklinikums angesiedelt haben. Hier, auf einem landeseigenen Grundstück, liegt das Projekt des Immobilienunternehmens Epple und der ortsansässigen Architekten hübner + erhard und partner. Sie platzierten es entlang der städtebaulich vorgegebenen Nord-Süd-Achse, die sich von ihrem gleichfalls erbauten Gästehaus der Universität im Norden über die Mensa bis zum Neckar erstreckt. Der Bau, der im Sommer 2015 abgeschlossen sein wird, geht auf einen EU-weit ausgeschriebenen Investorenwettbewerb von 2007 zurück, den die Epple Projekt GmbH zusammen mit den Architekten für sich entscheiden konnte. „Das Positive an dem Konzept ist“, meint Architekt Erhard, „dass wir trotz entscheidender Änderung der Vorgaben seitens des Landes in den letzten Jahren die wesentlichen Elemente des Entwurfs beibehalten konnten.“
Aus einer zweigeschossigen Sockelzone mit Arkaden und Innenhof wachsen drei markante Hochhäuser, zwei Neun-Geschosser und ein zwölfstöckiges Turmhaus, dessen Höhenentwicklung bis auf 42 Meter, also bis zur Obergrenze dessen geht, was in Heidelberg möglich ist, empor. Im Wettbewerb hatten die Beteiligten das Projekt zunächst für den freien Wohnungsmarkt konzipiert. Nun liegt der Schwerpunkt auf der Nutzung durch Uniklinikum und Universität, was umfangreiche Umplanungen etwa für eine Cafeteria oder für Schulungs-, Besprechungs- und Konferenzräume nach sich gezogen hat. Auch für das ZIM, das Zentrum für Informatik und Medizintechnik des Klinikums, ein Ökumenisches Zentrum, sowie für das Marsilius-Kolleg der Universität sind Räume geschaffen worden. Die Wohnnutzung beschränkt sich auf studentisches Wohnen und Personalwohnungen des Klinikums. Den Architekten gelang es, trotz veränderter Rahmenbedingungen, die Architekturqualität auf hohem Niveau zu halten. Hilfreich sei gewesen, so Dietmar Erhard, dass der Qualitätsanspruch des Bauherrn, der Epple Projekt GmbH, viel ausgeprägter sei als bei manch anderen Investoren.

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Beim Richtfest wird auf das gute Gelingen der Marsillius-Arkaden angestoßen.

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© Philipp Rothe

So lassen sich etwa die Fassaden im zweigeschossigen Sockelgeschoss mit großzügigen Fensterelementen weit öffnen. Im Innern des Stahlbetonbaus wurden die Foyers, Treppenhäuser inklusive Treppenläufe und die Aufzugskerne wie geplant in Sichtbeton ausgeführt. Für Bauleiter Klaus Lutz von der Rohbau-Arge Streib / Altenbach war die präzise Ausführung in Sichtbetonklasse SB3 kein Thema. „Wir wissen, wie das geht“, sagt Lutz. „Sichtbeton führen wir inzwischen in fast jedem Projekt aus“. So ist der Ablauf eingespielt. Im Vorfeld wird jeweils zwischen Bauherrn, Architekt und ausführendem Unternehmen Einvernehmen über Ausführungsmodalitäten, etwa Schalungsbild, Anordnung und Ausführung der Befestigungspunkte oder Oberflächenanmutung geschaffen. Grundlage für ein überzeugendes Ergebnis ist selbstredend auch die Betongüte; gut also, dass das Lieferwerk Eppelheim der TBG Transportbeton Kurpfalz GmbH & Co. KG, einer Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH, gemäß abgestimmter Sortenbezeichnung stets gleichbleibende Qualität liefert und die Architektur auf diese Weise unterstützt.
Für Architekt Erhard geht in diesem Sommer ein Bauvorhaben zu Ende, das einen langen Vorlauf hatte. Seit Jahren verfolgt er die teils sehr kontroversen Diskussionen um Architekturqualität in seiner Stadt. Öffentliche Missbilligung eines preisgekrönten Projektes, das auf den bewussten Kontrast von Alt und Neu setzte, hat auch sein Büro schon erlebt. Erhard begrüßt es, dass Architektur in jüngster Zeit stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt. Das habe viel mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun, meint er. „In Heidelberg ist in den letzten Jahren, auch durch die Schlossgespräche, eine lebendige Szene entstanden“. Das mache es möglich, auch in einer historisch geprägten Stadt modern zu bauen. Für ihn kann die IBA, die bis 2022 in Heidelberg läuft, das Feld weiter bereiten. „Architekten und Bauwirtschaft können davon profitieren, wenn die Leute offener sind für moderne Konzepte.“Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Marsilius-Arkaden, Heidelberg, Studenten-apartments, Kindertagesstätte und Institutsflächen, 94 Wohneinheiten, 330 Arbeitsräume, Räume für Schulungen, Konferenzen, Kommunikation

Bauherr:
Epple Projekt GmbH, Heidelberg

Architekten:
hübner + erhard und partner, Heidelberg

Beteiligte Bauunternehmen:
ARGE Streib / Altenbach Bauunternehmung Streib GmbH & Co. KG, Mannheim Albert Altenbach Bauunternehmung GmbH & Cie, Heidelberg

Betonlieferant:
TBG Transportbeton Kurpfalz GmbH & Co. KG, Eppelheim, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

Betonberatung:
Betotech Eppelheim, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

Betonpumpendienst:
Simonis GmbH & Co. KG, Ubstadt-Weiher, eine Beteiligung der Heidelberger Beton GmbH

Produkteinsatz:
17.500 m³ Beton, davon 14.000 m³ C30/37 und 2.000 m³ C35/45

Fertigstellung:
2015

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