Info

Jeder der drei Gebäuderiegel aus Stahlbeton besitzt einen aussteifenden Mittelkern, der die technische Infrastruktur, Treppenhaus, Teeküche und Sanitärbereiche bündelt.

Foto

© HC Michael Heinrich

Ausgabe 1/2015 Thema: Qualität

Mit Leichtigkeit an die Arbeit

Angenehme Arbeitsatmosphäre im Linde Office Center

Gelungene Architektur fördert nicht nur das Wohlbefinden der Beschäftigten. Sie kann auch die Qualität ihrer Arbeit beflügeln. So haben Ritter Bauer Architekten aus Aschaffenburg für das weltweit größte Gase- und Engineering-Unternehmen, die Linde AG, einen passgenauen Bürobau realisiert. Das durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifizierte Gebäude zeichnet sich im Innern durch höchste Sichtbetonqualität aus.

Ob in den Bereichen Chemie, Lebensmitteltechnologie oder Metallurgie: In fast allen Branchen und Industriezweigen kommen Spezialgase, Gasgemische oder Prüfgase zum Einsatz, die die Produktionsprozesse optimieren, die Produktqualität verbessern, den Einsatz von Ressourcen minimieren und zu wirtschaftlicheren Abläufen beitragen. Wie sieht also ein Bürogebäude aus, das als Corporate Architecture für ein Unternehmen steht, das genau jene nicht-sichtbaren Produkte entwickelt, herstellt und international vertreibt, die offenbar in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens eine wesentliche Rolle spielen?
Mit ihrem prägnanten Entwurf des Linde Office Centers, der Erweiterung des Standorts Pullach südlich von München, hat sich das Architekturbüro Ritter Bauer Architekten aus Aschaffenburg gegen seine Mitbewerber durchgesetzt. Leichtigkeit und Transparenz, hohe Präzision der Betonbauweise verbunden mit modernster Gebäudetechnik, ein Höchstmaß an flexibler Büroorganisation, Raum für Konzentration und Kommunikation – das sind nur einige Stichworte, die den nachhaltigen Bürobau auszeichnen.

Info

Die Betonkernaktivierung der Decken sorgt sommers wie winters für eine nachhaltige Klimatisierung, die zur kalten Jahreszeit danek Geothermie CO2-neutral erfolgt

Foto

© HC Michael Heinrich

Ritter Bauer Architekten konzipierten in Pullach einen fünfgeschossigen Baukörper, der Arbeitsplätze für über 500 hochspezialisierte Mitarbeiter bietet. Schon Jahre zuvor hatte das Architekturbüro den Zuschlag für einen Masterplan für das Linde-Areal erhalten, um Erweiterungsmöglichkeiten und architektonische Optimierung an diesem Standort auszuloten. Im Anschluss erfolgte zunächst die Beauftragung für den Bau eines zusätzlichen Parkhauses. Gut Ding will Weile haben, und so konnte sich das Architekturbüro mit seinem Geschäftsführer Frank Welzbacher schließlich auch mit ihrem für das Unternehmen entwickelten Entwurf gegen die Konkurrenz der Mehrfachbeauftragung durchsetzen. Ihr multifunktionales Bauwerk nimmt nun die Höhenentwicklung der bestehenden Gebäude auf dem Linde-Areal auf und vermittelt zur nördlichen Nachbarbebauung. Mit der gewählten Großform, drei langen, mit Brücken untereinander verbundenen Baukörpern, einem die Riegel rahmenden Kragdach sowie der über Straßenniveau angeordneten Plaza entwickelten die Architekten ein prägnantes, gleichzeitig fast schwebend wirkendes Gebäude: Es setzt die Identität des Unternehmens, seine Zielsetzung und Philosophie architektonisch um und kann durch gut komponierte Räume zur Steigerung der Motivation und Arbeitsproduktivität beitragen.

Info

Jeweils 22 Ntzungseinheiten zur freien Bürogestaltung stehen für die über 500 Mitarbeiter zur Verfügung.

Foto

© HC Michael Heinrich

Schlanke Stützen aus enorm tragfähigem Schleuderbeton, leicht wie Mikadostäbe in die Luft gewirbelt, tragen das markante Dach aus Sichtbeton. Ein eindrucksvolles Entree, das sich über zwei Geschosse erstreckt, leitet über zur Besprechungs- und Arbeits-ebene. Erst hier, geschützt und höher gelegen, ordneten die Architekten die Einheiten für die Büronutzung an, wobei unterschiedliche Konzepte der Zusammenarbeit – vom Großraum über den Open Space bis zur Zellenstruktur – verwirklicht werden können. Diese Gebäudekonzeption ermöglicht auch, dass auf eine absichernde Umzäunung des Linde Office Centers verzichtet werden kann. Auf der höher gelegenen Plaza bieten die Innenhöfe, die zu unterschiedlichen Themen gestaltet worden sind, zusätzliche Aufenthalts- und Kommunikationsbereiche. Gemäß dem Nachhaltigkeitsdenken des Unternehmens wurde das Gebäude mit seinem charakteristischen Kragdach so geplant, dass es das bei der Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) den Status Gold erreicht hat.

Info

Auch in den Treppenhäusern findet sich Kunst am Bau.

Foto

© HC Michael Heinrich

Anspruchsvolle Betontechnologie

Das Gebäude wurde ohne Dehnfugen hergestellt. Die resultierenden Zwangsbeanspruchungen sind für die großflächigen Decken über dem Erd- und Untergeschoss zur Sicherstellung der Gebrauchsfähigkeit berücksichtigt worden. Zusätzlich zu den konstruktiven Maßnahmen waren in allen Bereichen – nicht nur im Hinblick auf die fugenlose Bauweise, sondern auch auf Grund einer Weißen Wanne, eines schwindarmen Tiefgaragenbodens sowie hoher Sichtbetonanforderungen – Betone mit besonderen Eigenschaften notwendig.

Speziell entwickelter Leichtbeton

In den Außenbereichen, auf den Decken der Plaza, wurde aus statischen Gründen vom Unternehmen Heller Landschaftsbau Service GmbH ein haufwerksporiger Leichtbeton LC der Rohdichteklasse D 0,5 als Unterbeton zur Aufnahme der Pflasterbeläge eingesetzt. Bemerkenswert war die hohe Sickerfähigkeit dieses Betons bei gleichzeitig besonders geringer Trockenrohdichte. Dieses Spezialprodukt wurde eigens von den Spezialisten der Heidelberger Beton GmbH – Gebiet München entwickelt und vom Heidelberger Beton-Werk München-Zamilastraße geliefert.

Sichtbeton vom Feinsten

Im Innern kulminieren Präzision und Qualität von Architektur und Bauausführung an den allgegenwärtigen Sichtbetonflächen. Allein mehr als 9.000 Qua-dratmeter Wandflächen der aussteifenden Kerne und über 10.000 Quadratmeter an den sichtbaren Deckenflächen wurden penibel gemäß der höchsten Anforderungen an Sichtbeton laut DBV/BDZ-Merkblatt ausgeführt. „Diese Sichtbetonflächen haben uns schon wegen ihrer Dimension vor Herausforderungen gestellt. Allein der Schalungsbau war sehr anspruchsvoll; ich glaube, dass ich zeitlebens nicht mehr so viele Flächen in Sichtbeton SB4 ausführen werde, wie wir sie an diesem Ausnahmebauwerk realisiert haben“, meint Oberbauleiter Michael Obermayer von Leitner Bau. Gemeinsam mit den Architekten und den Schalungsherstellern stimmte er den geplanten Fugenverlauf, die Anordnung der Verankerungspunkte und die gewünschte Oberflächenqualität ab und klärte mit ihnen, was technisch sinnvoll und für die Ausführenden auch machbar war. Im Vorfeld wurden die Rohbauer an Musterflächen im Untergeschoss eigens geschult und auf mögliche kritische Punkte hingewiesen. So gelang es, Kiesnester, auslaufenden Beton oder Verunreinigungen durch die Bewehrung sowie Unachtsamkeit in der Bauphase an allen relevanten Flächen zu verhindern.

DGNB-Zertifizierung

Um den Status Gold bei der Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zu erreichen, verwirklichte man den Stahlbetonbau mit einer hochwärmegedämmten Gebäudehülle und Wärmeschutzglas. Der außen liegende Sonnenschutz verfügt über Tageslichtlenkung. Eine energieeffiziente mechanische Be- und Entlüftung sorgt für angenehmes Raumklima. Die Raumkühlung erfolgt über die thermische Bauteilaktivierung der Betondecken, die Heizenergie für die Wärmeversorgung im Winter kommt aus einem benachbarten Fernwärmenetz, das Tiefen-Geothermie nutzt. 27 Prozent des Strombedarfs des Bürobaus deckt eine Photovoltaikanlage auf den Flachdächern ab. Mit diesen Maßnahmen konnten Ritter Bauer Architekten die gesetzliche Anforderung an den Primärenergiebedarf nach EnEV 2009 um 40 Prozent unterschreiten. Insgesamt beträgt die CO2- Einsparung durch das Gebäudekonzept 238 Tonnen pro Jahr.Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Speziell entwickelter Leichtbeton

Bauherr:
Linde AG

Architekten:
RitterBauer Architekten GmbH, Aschaffenburg

Rohbau:
Leitner GmbH & Co. Bauunternehmung KG, Wolfratshausen

Ortbeton:
Heidelberger Beton GmbH – Gebiet München

Betontechnologische Beratung:
Heidelberger Beton GmbH, Zentrale Prüfstelle München

Lieferwerke:
München-Zamilastraße (Leichtbeton) München-Geisenhausener Straße, der Heidelberger Beton GmbH – Gebiet München und Gelting

Baujahr:
2013

Top

Dieser Inhalt ist schon bald verfügbar!

Zur Webseite zurückkehren
Diese Webseite erhebt Nutzungsdaten mittels Cookies. Weitere Informationen zu Ihrem Widerspruchsrecht und darüber, wie Sie das Speichern von Cookies verhindern können, finden Sie hier.