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Lebensqualität

„Qualität ist kein Zufall, sie ist immer das Ergebnis angestrengten Denkens.“

John Ruskin (1819 – 1900),englischer Kunstkritiker, Sozialökonom und Sozialreformer

Ausgabe 1/2015

Klasse statt Masse

Qualität in allen Lebenslagen

Unmerklich haben sich unsere Ansprüche an das Leben, an die Arbeit, an die Abläufe und Produkte des Alltags immer weiter in die Höhe geschraubt. Wir fordern Qualität in allen Bereichen und sehen oftmals nicht mehr, welche Anstrengungen und Leistungen hinter dem eingeforderten Optimum stecken.

Kaum ein Terminus ist so vielschichtig und wird so unterschiedlich interpretiert wie der Begriff Qualität. Mit diesem Zauberwort kann in unserer Vorstellung vieles in Verbindung gebracht werden – wir denken etwa an so komplexe Dinge wie Bauqualität oder Lebensqualität. Mit definierten Qualitätsstandards können bestimmte Vorgaben erfüllt werden. Doch schon was ein Qualitätswein ist, bleibt diffus. In jedem Fall gibt er vor, gut zu sein. Sicher ist: Alle Formulierungen, die sich des Begriffs der Qualität bedienen, nehmen für sich ein hohes Maß an Güte von Abläufen, Beschaffenheit, von Dauer oder Wirkung in Anspruch.

„Das Leben muß wie ein kostbarer Wein mit gehörigen Unterbrechungen Schluck für Schluck genossen werden ...“

Ludwig Feuerbach (1804 – 1872),deutscher Philosoph und Anthropologe

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Infrastruktur

„Eine gute Infrastruktur ist Lebensqualität.“

Annette Karl,deutsche Mathematikerin und Politikerin

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HeidelbergCement AG

Infrastruktur als Garant für Entwicklung

Eine funktionierende Infrastruktur ist in allen Ländern der Garant für eine schnelle Verbindung zwischen den Metropolen und Wirtschaftszonen. Auch in Fernost gehören Brücken zu den öffentlichen Bauaufgaben, die unter anderem die HeidelbergCement AG beliefert. In Hongkong, Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, überspannt etwa die Stonecutters-Brücke den Rambler-Kanal und verbindet als Teil der Route 8 zwischen Tsing Yi und Cheung Sha Wan die Orte Nam Wan Kok, Tsing Yi und Stonecutters Island miteinander. Die Gesamtlänge dieser Brücke beträgt 1.596 Meter, ihre Durchfahrtshöhe 73,5 Meter. Mit einer Hauptspannweite von mehr als 1.000 Metern hat die Stonecutters-Brücke die zweitlängste Schrägseilspannweite der Welt.

Bis 2017 wird mit der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke im chinesischen Perlflussdelta eine weitere Brückenanlage fertig sein, die die Städte Hongkong, Macao und Zhuhai mit einer ganzen Reihe von Brücken und Tunneln verbindet (siehe Bild unten).

Der Hauptteil ist insgesamt 29,6 Kilometer lang und in beide Fahrtrichtungen dreispurig. Er besteht aus einer Brücken-Tunnel-Konstruktion und zwei künstlichen Inseln. An solch komplexen Infrastrukturprojekten sind jeweils verschiedene Architekten und Bauunternehmen beteiligt. Benötigt werden Baustoffe, die den Bedingungen der anspruchsvollen Bauten unter und über Wasser über Jahrzehnte gerecht werden.
www.heidelbergcement.de/infrastruktur

Trotz inflationären Gebrauchs des Ausdrucks hat Qualität und alles, was wir damit verbinden, ihren guten Ruf behalten, wirkt immer noch fast wie ein Lockruf, der zu Kauf und Habenwollen animiert. Tatsächlich ist nicht Lebensqualität, sondern vielmehr Produktqualität eine unserer ersten Assoziationen zum Thema „Qualität“. Lange Zeit versprach die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“, die Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde, die gewünschte Vorzüglichkeit. Noch heute wirkt das Label als Gütesiegel, auf das man sich gerne verlässt, um aus der zunehmenden Fülle des Angebots ein geeignetes Produkt auszuwählen. Verlässliche Parameter sind hilfreich. Neutrale Stiftungen oder unabhängige Organisationen unterstützen mit mehr oder weniger glaubhaften Bewertungen, wenn man sich nicht auf Kommentare anderer Käufer verlassen mag. Denn Qualität ist stetem Wandel unterworfen: Was früher besonders war, etwa eine rostfreie Karosserie oder ein Antiblockiersystem, gehört heute längst zu den Selbstverständlichkeiten. Dass Qualität – bei zunehmender Komplexität und Anforderung an die Produkte – ihren Preis hat, wie ein Sprichwort sagt, möchten viele jedoch nicht mehr akzeptieren. So jagen wir oft wider besseres Wissen den Schnäppchen, Sonderangeboten und vermeintlich günstigen Angeboten hinterher. Ein Teil der jungen Generation scheint in der Gier nach modischem Equipment ganz auf Qualität und Werthaltigkeit zu verzichten, wohl wissend, dass ein buntes Shirt nach ein paar Wochen sowieso nicht mehr up to date ist. So bieten Billigketten Waren an, die mit keinem Mindestlohn je zu produzieren wären. Die Hersteller müssen sich nicht sorgen, dass jemand über schlechte Qualität klagt, denn die Halbwertszeit dieser Bekleidung erledigt diesbezügliche Forderungen von selbst. Das waren noch andere Zeiten, als ein „Glühbirnenkartell“ in den 20er Jahren darauf drängen musste, die Qualität von Glühfäden in Birnen so zu reduzieren, dass diese nach 1.000 Stunden erloschen. Auch Chemiker der Nylon- oder Perlonstrumpfproduktion sollen bekanntermaßen ihre Qualifikation dafür eingesetzt haben, dass die durchscheinenden Strümpfe im Sonnenlicht an Haltbarkeit verloren und nach nicht allzu langer Zeit Laufmaschen bekamen. Wer den guten Glauben an Qualität nicht verloren hat, sieht sich vielleicht durch geplanten Verschleiß (geplante Obsoleszenz) bedroht, wenn IT-Geräte kurz nach Ablauf der Gewährleistung ihren Geist aufgeben. Tatsächlich sind in manchen Druckern kleine Chips eingebaut, die ihre Laufzeit terminieren. Man kann diese mit gewissem Know-how außer Kraft setzen. Dies gelingt meist nur Tüftlern, wie sie in sogenannten Repair Cafés zu finden sind. Sie helfen einem gerne weiter – das trifft sich gut, denn viele Verbraucher wollen nützliche oder liebgewonnene Gegenstände nicht einfach in den Müll werfen. Sie wollen ausprobieren, ob sich ein defektes Gerät nicht mit kleinen Handgriffen wieder in Gang setzen lässt. Eine unzeitgemäße Marotte? Tatsächlich ist es doch noch gar nicht so lange her, dass auch in unseren Breiten ein kaputt gegangenes Gebrauchsgut – eher aus ökonomischen Gründen und weniger aus Sentimentalität – durch den Einbau von Ersatzteilen wieder in Gang gesetzt wurde. Neuerdings scheint das Reparieren, Stopfen und Flicken wieder in Mode zu kommen. Tatsächlich möchten immer mehr Zeitgenossen bewusst behutsamer mit den Dingen des täglichen Gebrauchs umgehen. Ingo Heidelberg beispielsweise, pensionierter Physiklehrer, hat das Repair Café in Wiesbaden initiiert. Ihm gefällt, anderen mit fachlicher Kompetenz bei der Reparatur ihrer Gerätschaften zur Seite zu stehen – auch ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit. „Je moderner die Geräte werden, desto schwieriger ist es allerdings. Manchmal lässt sich nicht einmal mehr das Gehäuse aufschrauben.“ Doch oft schaffen es die Ehrenamtlichen mit ihrer Fachkompetenz, einen CD-Player oder einen defekten Toaster wieder in Gang zu setzen. „Zwei Drittel der Defekte betreffen elektrische Ausfälle, da ist eine Sicherheitsprüfung unerlässlich“, erläutert der pensionierte Lehrer, der sein Engagement auch mit seiner „Freude am Erklären“ begründet. Ingo Heidelberg sieht die Qualität, das menschliche Know-how und die Entwicklungsarbeit, die hinter all den Produkten stehen. So konnte er auch nur mit Mühe seinen alten Röhrenfernseher austauschen. „Er hat noch gut funktioniert, aber niemand wollte ihn mehr haben“. Wie ihm geht es vielen anderen, die hilfesuchend kommen. Erst wenn ihr Staubsauger oder das Radio definitiv nicht mehr zu retten sind, gönnen sie sich erleichtert Ersatz. Wegwerfen entspricht nicht ihrer Mentalität. Sie setzen auf Qualität und vertrauen darauf, dass es Hersteller gibt, die diesem Anspruch auch heute gerecht werden. Im Repair Café machen sie eine schöne Erfahrung: Es gibt sie noch, die gute alte Beziehungsqualität, die das Aushelfen, Unterstützen, die gegenseitige Aufmerksamkeit beinhaltet. Mit Gewinn nach allen Seiten: „Es macht viel Spaß“, sagt Ingo Heidelberg und hat sein Leben auf das Reparieren an jedem ersten Samstag im Monat eingestellt.

Reparieren macht Spaß

Seit gut zwei Jahren unterstützt das Repair Café Wiesbaden Jung und Alt bei der Reparatur all jener kaputten Gebrauchsgegenstände, die unter den Arm geklemmt mitgebracht werden können. Jeden ersten Samstag im Monat kümmern sich rund 15 ehrenamtliche Helfer, oft pensionierte Fachleute wie Handwerker, Naturwissenschaftler oder Ingenieure, im Stadtteilbistro des Volksbildungswerks e.V. um defekte Geräte. Gut 60 Prozent der kaputten Radios, Uhren, des Kinderspielzeugs, der Grammophone oder der stillstehenden Drucker erhalten eine zweite Chance. Die Initiative versteht sich nicht als Servicestation oder Konkurrenz zum Handwerk. Ihrem Grundgedanken entspricht, dass die Besitzer bei der Reparatur dabei sind und nach Kräften mitmachen. Das Reparieren auf Augenhöhe macht allen Beteiligten Spaß, fördert im gleichen Zug bürgerschaftliche Begegnung und Kommunikation und trägt mit kleinen Schritten zum Thema Nachhaltigkeit bei. So wurde das Repair Café Wiesbaden bei der Verleihung des Umweltpreises 2014 der Stadt auch mit einem Sonderpreis geehrt und erhielt außerdem die Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“.

Ihren Ursprung haben Repair Cafés in Amsterdam. Seit Martine Postma dort 2007 das erste eröffnet hat, sprießen Repair Cafés wie Pilze aus dem Boden. Allein in Deutschland gibt es inzwischen über 175, weltweit über 560. So trifft diese Art der Nachhaltigkeit den Zeitgeist und hat durchaus eine ideologische Komponente: So lange sich Gegenstände noch reparieren lassen, eröffnet sich hier eine Alternative zur Wegwerfgesellschaft.


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Reparieren

„Qualität bedeutet, dass der Kunde und nicht die Ware zurückkommt.“

Hermann Tietz (1837 – 1907),Begründer der inzwischen aufgelösten Kaufhauskette „Hertie“

Wie der Reparaturspezialist suchen sich viele Menschen als erfüllende und entspannende Ergänzung zum Alltag eine Aufgabe, die unmittelbar Bereicherung verspricht. Diverse Hobbys, vom aktiven Yoga über das Musizieren bis zum Fußballgucken, steigern merklich die Lebensqualität. Ehrenamtliche Tätigkeiten, sei es in Sportvereinen, bei der Betreuung von Flüchtlingen, im Vorstand des Segelclubs, beim Engagement in der Kirchengemeinde oder beim Vorlesen im Kindergarten, empfinden die meisten nicht als lästige Pflicht, vielmehr ist es für sie eine sinnvolle Bereicherung, die Anerkennung jenseits finanzieller Erwägungen bringt.

Achtsamkeit


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Durchatmen in Davos – Manager meditieren

Schon seit längerem haben fernöstliche Weisheiten Eingang in die westliche Wirtschaftswelt gefunden. Das Konzept der japanischen Lebens- und Arbeitsphilosophie, Kaizen, ist als kontinuierlicher Verbesserungsprozess oder auch Continuous Improvement Process (CIP) bekannt und integraler Bestandteil des Qualitätsmanagements. In Europa steht dabei die kontinuierliche Qualitätssteigerung und Kostensenkung in der Produktion im Vordergrund. Getreu dem Motto eines unlängst erschienenen Buches: „Wer sich verändert, verändert die Welt“, hat Jon Kabat-Zinn nun Managern auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Meditieren gelehrt. Diese spirituelle Praxis ist Bestandteil vieler Religionen und Kulturen und wird heute als grundlegende und zentrale bewusstseinserweiternde Übung vor allem mit Yoga und Buddhismus in Verbindung gebracht. Auch in Davos waren die Aufmerksamkeitsübungen am frühen Morgen Bestandteile der von Kabat-Zinn entwickelten Achtbarkeitsmeditation.

Bereits 1979 hat der amerikanische Molekularbiologe und emeritierte Professor der University of Massachusetts die mittlerweile renommierte Stress Reduction Clinic gegründet sowie das seit 1995 etablierte Center for Mindfullness in Medicine, Health Care and Society (CFM). Darüber hinaus engagiert sich der international bekannte Meditations-Guru als Direktor des Mind and Life Institute, einer nicht profitorientierten Organisation, die sich dem interkulturellen Dialog zwischen dem Dalai Lama und Wissenschaftlern verschiedenster Forschungsgebiete verpflichtet sieht.

Die heilige Silbe Om aus dem Sanskrit, in östlichen Religionen Symbol für Form und Klang, versinnbildlicht die Gegenwart des Absoluten.

Unter Lebensqualität wird das subjektive Empfinden des Einzelnen oder einer Gruppe in Bezug auf ihr Wohlbefinden verstanden. Ein Begriff, der, wie Qualität allgemein, weit gefasst ist. Genügt dem einen sein Bier oder die Kirschblüte im Garten, brauchen andere eine Kreuzfahrt, um zu spüren, was sie unter hoher Lebensqualität verstehen und für sich einfordern. So wird Lebensqualität individuell erfahren und lässt sich nicht nur materiell erfassen. Gute Bildungs- und Berufschancen gehören zu den immateriellen Faktoren, ebenso wie gute Freunde oder eine intakte Familie. Einig sind wir uns, dass Gesundheit ein Faktor ist, der wesentlich zur Lebensqualität beiträgt. Und für Menschen im Arbeitsleben gehört immer häufiger auch der Faktor Zeit zu den Parametern, an denen sich das hohe Gut der Lebensqualität messen lässt. Muße zu haben für das, was einem wirklich wichtig erscheint im Leben, gehört zu den Qualitäten, die man sich nicht kaufen kann.Susanne Ehrlinger

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